Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

604  Schiffbau.

wurde  der  Bau  des  Dampfers  begonnen.  Das  Schiff,  nach  dem  Wohnort  Livingstons
„Clermont"  genannt,  besaß  eine  Länge  von  42,km,  eine  Breite  von  14,6m,  eine  Raumtiefe ­
  von  2,25  m  und  einen  Tiefgang  von  0,s  m.  Die  20  pferdige  Maschine  hatte  einen
Cylinderdurchinesser  von  0,Ki  m  und  einen  Hnb  von  1,22  m.  Die  beiden  an  den  Seiten
angebrachten  Schaufelräder  hatten  4,6  m  Durchmesser  und  machten  20  Umdrehungen  pro
Minute  (Abb.  602).  Am  17.  August  1807  unternahm  Fulton  die  erste  größere  Probefahrt, ­
  und  der  „Clermont"  blieb  dann  auf  dem  Hudson  als  Passagierboot  dauernd  in  Betrieb. ­
  Fulton  gebührt  daher  das  Verdienst,  das  erste  brauchbare  und  betriebfähige
Dampfschiff  gebaut  zu  haben,  wenngleich  er  sich  hierzu  die  Vorarbeiten  von  Watt,  Miller
und  Symington  zu  nutze  machte.  Nach  diesem  Erfolg  fanden  die  Dampfschiffe  so  rasche
Verbreitung,  daß  in  wenigen  Jahren  auf  dem  Mississippi,  dem  Ohio,  dem  Lorenzstrom
und  ihren  Nebenflüssen  Dampfschiffe ­
  fuhren  und  Handelsbeziehungen ­
  nach  Gegenden
brachten,  wo  bisher  nur  einzelne
Ansiedler  saßen.  Fulton  beschloß
seine  Laufbahn  mit  dem  Bau
einer  schwimmenden  Batterie,
„Demologos",  welche  der  Kongreß ­
  zum  Schutze  des  Hafens
von  New  Jork  in  Auftrag  gab
und  welcher  als  erster  Kriegsdampfer ­
  in  der  Geschichte  der
Dampfschiffahrt  berühmt  geworden ­
  ist.  Der  „Demologos"
war  ein  Doppelschiff  mit  einem
zwischen  beiden  Schiffsgefäßen
eingebauten  Schaufelrad.  Die
Dampfmaschine  war  durch  starke
hölzerne  Umwallungen  geschützt,
und  das  Schiff  trug  30  Geschütze.
Fulton  starb  vor  Fertigstellung
dieses  Baues  am  24.  Febr.  1815.
Schon  im  Jahre  1818  wurde
alsdann  die  „Savannah"  vom
Stapel  gelassen,  welche  als  erstes
Dampfschiff  später  den  Ozean
durchkreuzte.  Es  besaß  bei  einer
Länge  von  30,5  m,  einer  Breite
von  7,s  m  und  einem  Tiefgang
von  4,3  m  eine  Tragfähigkeit  von  300  Tonnen.  Die  Seitenräder  hatten  einen  Durchmesser ­
  von  4,9  m.  Die  „Savannah"  vollendete  ihre  erste  Fahrt  von  Savannah  nach
Liverpool  in  26  Tagen,  wovon  18  Tage  lang  gedampft  und  die  übrige  Zeit  ausschließlich
gesegelt  wurde.
Gegenüber  den  amerikanischen  Erfolgen  konnte  man  in  Europa  und  vor  allem  in
England  nicht  gleichgültig  bleiben.  Im  Jahre  1811  erbaute  der  schottische  Mechaniker
Henry  Bell  in  Helensbnrg  mit  Unterstützung  von  John  Robertson  in  Glasgow  und  John
Thomson  den  „Komet",  das  erste  Dampfboot  der  Alten  Welt,  welches  im  Jahre  1812
seine  ersten  Fahrten  auf  der  Clyde  zwischen  Glasgow  und  Greenock  machte.  Als  Treibkraft ­
  dienten  je  zwei  Schaufelräder  auf  jeder  Schiffsseite  hintereinander  gelagert.  Als
der  „Komet"  bald  durch  schnellere  Dampfbovte  verdrängt  wurde,  dehnte  er  seine  Fahrten
bis  nach  den  schottischen  Hochlanden  aus  und  scheiterte  im  Jahre  1821  an  der  schottischen
Küste.  In  England  war  man  mit  Bezug  auf  die  Einführung  der  Dampfschiffahrt  etwas
zurückhaltender,  so  daß  es  im  Jahre  1820  erst  43  kleine  Schlepp-  und  Personendampfer
            
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