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Einführung der Schiffsschraube.
gab, während man in Deutschland und Frankreich gleichfalls mit dem Bau von Dampf
schiffen für die Flüsse begonnen hatte.
Während so fast 30 Jahre das dampfgetriebene Schaufelrad den Segelschiffen
erfolgreiche Konkurrenz machte und im besonderen auf den größeren Flüssen Amerikas
und Europas die Raddampfer den Hauptverkehr an sich rissen, brachte die erfolgreiche
Einführung der Schiffsschraube durch Smith in England und Ericsson in Amerika
eine weitere Umwälzung in dem Schiffahrtsbetriebe mit sich. Zwar hatte der Österreicher
Joseph Ressel bereits im Jahre 1829 ein Dampfschiff gebaut, welches von einer Schraube
als Propeller getrieben wurde, die im Hinterschiff zwischen Hintersteven und Steuerruder
gelagert war, doch veranlaßte das Reißen des Dampfrohres bei der sonst günstig ver
laufenen Versuchsfahrt die Behörden, weitere Fahrten mit diesem Schiff zu untersagen.
Obgleich nun Ressel für seine
Erfindung in England und
Frankreich Patente erhielt, so
blieb sie zunächst ohne Aus
führung. Erst im Jahre 1836
trat der englische Landwirt
Smith (Abb. 604) auf dem
Paddington Kanal und der
Themse mit einem Boot auf,
welches nach dem Vorbild von
Ressel mit einer hölzernen
Schraube als Propeller ver
sehen war. Die Schraube hatte
einfaches Gewinde und eine
Länge von zwei vollen Ge-
windegängeu, es war also ein
Stück der schon von Archimedes
zum Heben von Wasser kon
struierten Wasserschraube oder
Schnecke. Bei einer der Probe
fahrten schlug die Schraube
auf einen festen Gegenstand im
Wasser, so daß die Hälfte des
Schraubengangs abbrach, und
man bemerkte sofort mit Er
staunen, daß dasSchiff schnellere
Fahrt machte. Smith gab da
her weiteren Schrauben nur die eor. Z. jr. Smith.
Länge eines Ganges. Mit
einem Schiff von 34 Fuß Länge machte er dann Fahrten in See und bewies so, daß die
Schiffsschraube sich in gleicher Weise auch für die Seeschiffe eigne. Durch diese Erfolge
veranlaßt, beschloß die englische Admiralität im Jahre 1838 den Bau eines größeren
Schraubendampfers. Die Abmessungen dieses Schiffes, welches „Archimedes" (Abb. 605
bis 607) getauft wurde, sind folgende: Länge zwischen den Perpendikeln 32,8 in, Länge
über alles 38 ui, größte Breite 6,85 m, Raumtiefe 3,98 in, Tiefgang 2,9 in. Die von
I. & G. Renuie erbaute Maschine bestand aus zwei Cylindern von 0,91 in Durchmesser
und 0,9i in Hub und war mittschiffs montiert. Die Übertragung der Kraft auf die
achtern unterhalb des Zwischendeckes gelagerte Schraubenwelle erfolgte durch zwei Satz
Zahnräder mit einer Übersetzung von 1:5. Der Propeller war 1,5 in im Durchmesser
und 2,4 na lang und war aus eisernen Platten gefertigt und auf der Schraubenwelle
verkeilt. Das Gewicht von Maschine, Kessel, Schraube u. s. w. betrug 64 t. Rach
den ersten Fahrten, bei welchen eine Geschwindigkeit von 9 3 / 4 Seemeilen erreicht wurde,
wurde die Schraube in eine zweigängige, d. h. zweiflügelige geändert. Mit dieser