Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Der dritte Grund für die Veberschätzung der gegenwärtigen Güter 153 
auch einen größeren Wert haben. So steht es mit dem Wert des 
Produkts. Wie stellt sich nun der Wert der Produktionsmit- 
tel? Wie wir aus dem entsprechenden Abschnitt über den Wert 
bereits wissen, wird der Wert der Produktionsmittel bei verschie- 
denen Gebrauchsarten vom Maximum des Produktenwertes be- 
stimmt, d. h. vom Wert des Produktes, das unter den vorteilhaf- 
testen Bedingungen hergestellt ist. 
„Bei Gütern, die alternativ eine verschiedene Verwendung mit 
verschieden großem Grenznutzen zulassen, ist der höchste 
Grenznutzen der maßgebende. Also in unserem konkreten Falle 
dasjenige Produkt; das die höchste Wertsumme dar- 
stellt?".“ 
Daraus hätte doch offenbar der Schluß gezogen werden müs- 
sen, daß der Wert der Produktionsmittel von der maximalen 
Produktenmenge, d. h. der maximalen Verlängerung des 
Produktionsprozesses abhängt. Doch in Wirklichkeit — und das 
sei dem Gedächtnis des Lesers noch besonders eingeprägt — er- 
teilt die Böhmsche Theorie eine ander e Antwort. Die 
höchste Wertsumme, sagt unser Autor, „muß nicht mit dem- 
jenigen Produkt zusammenfallen, welches die größte Stückanzahl 
enthält: Im Gegenteil, es fällt selten oder nie damit zusammen. 
Denn die größte Stückanzahl würden wir durch einen unmäßig 
langen, vielleicht 100 oder 200 Jahre dauernden Produktions- 
Prozeß erlangen. Güter aber, die erst zu Lebzeiten unserer Ur- 
enkel und Ururenkel zur Verfügung gelangen, haben in unserer 
heutigen Schätzung so gut wie gar keinen Wert*®.“ Deshalb wird 
die größte Wertsumme demjenigen Produkt entsprechen, dessen 
Stückanzahl, multipliziert mit dem Stückwert, eine maximale 
Größe ergibt, wobei berücksichtigt werden muß „das Verhältnis 
von Bedarf und Deckung in der betreffenden Wirtschaftsperiode 
und ... Rücksicht auf die bei künftigen Gütern eintretende per- 
spektivische Reduktion“ (d. h. die Wertverminderung. N. B.). 
Angenommen, es ist „der erste Grund“, d. h. „zunehmend — 
verbessernde Versorgungsverhältnisse““ gegeben; angenommen 
ferner, daß der entsprechende (abnehmende) Wert einer Produkt- 
einheit, den Böhm-Bawerk den „echten“ Wert nennt, für das 
V7.-Ib. 8,458. 
18 ]b, S.. 460. 
*® Vgl. auch S. 461 derselben Arbeit. Hier bestimmt Böhm-Bawerk unter 
anderem den Wert der Summe als einen Stückwert, multipliziert mit der Zahl 
der Stücke, was im Widerspruch zu seiner eigenen Theorie steht. Aus diesem 
Widerspruch versucht er sich auf S. 461, 462 vergeblich zu befreien. VUebri- 
gens gehört diese Frage in ein anderes Gebiet und wurde von uns an ent- 
Sprechender Stelle des I. Abschnitts erörtert.
	        
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