56 Straßenbau: Römerstraßen.
Die Anzahl der heiligen Straßen war eine sehr grvße; als die hervorragendsten sind
zu nennen: die Straßen von Delphi, Eleusis, Olympia, Miletos, Anaphe und die
Apollonische Straße des Battos in Kyrene (in Afrika).
Bon besonderer Bedeutung für den Wegebau und namentlich für die Ausbildung
des auf diesen Straßen stattfindenden Verkehrs erwies sich die Thätigkeit des persischen
Volkes. Die Schaffung des großen persischen Reiches gab die Möglichkeit zur Herstellung
ausgedehnter Verkehrswege, auf welchen der Warentransport ohne Selbstschutz und ohne
Furcht vor willkürlicher Belastung erfolgen konnte. Die Einteilung des Reichs in Satrapien
rief das Bedürfnis nach regelmäßiger und schneller Verbindung zwischen der Hauptstadt
des Landes und denjenigen der einzelnen Provinzen hervor. Von Susa, der Residenzstadt,
erstreckten sich Straßen nach Kleinasien, Ekbatana, nach Persepolis und Babylon.
Von Susa nach Sardes und Ephesus führte die Königstraße in einer Länge von 2600 Km,
und diese Straße war geschmückt mit zahlreichen Skulpturen, Palästen, Feuertempeln und
Brücken. Die Straßen waren nach Parasangen (Längenmaß = etwa 5300 m) eingeteilt
und diese Entfernungen durch Meilensteine kenntlich gemacht. Die Ausbildung des Schnellverkehrs
auf diesen Straßen diente den späteren römischen Leistungen als Vorbild.
Die Römerstraßen. Die Schöpfungen aller antiken Völker auf dem Gebiete des
Wegebaues wurden bekanntlich durch die Straßenbauten der Römer übertroffen. Einerseits
ist es die außerordentliche Gediegenheit der Ausführung, anderseits die ungeheuere
Ausdehnung des Straßennetzes der Römer, die immer wieder von neuem den Menschen
das Gefühl der Bewunderung und des Erstaunens entlockt. Zweck und Ziel dieser
Straßenanlagen waren sowohl das Streben nach einer möglichst großen Erhöhung der
Kriegsbereitschaft als auch der Wunsch einer weitgehenden Erleichterung des Handelsverkehrs.
Der Eigenart der Römer entsprach es, diese Straßen im allgemeinen unbekümmert um
die durch natürliche Verhältnisse gebildeten Hindernisse zur Ausführung zu bringen. Sie
scheuten weder vor der Durchstechung mächtiger Höhenrücken noch vor der Überbrückung
breiter Thäler zurück, wenn es galt, ihr Tracierungsprinzip, die Verbindung zweier Orte
Ivomöglich durch die gerade Linie zwischen denselben zu bewirken, zur Geltung zu bringen.
Ganz im Gegensatz hierzu schmiegten sich die Griechen den gegebenen Bodenverhältnissen
an und folgten mit ihren Straßen den Thalwindungen, überall vor einem gewaltsamen
Eingreifen in die Naturverhältnisse zurückschreckend, jedoch nicht aus Furcht vor
der etwaigen Größe der zu bewältigenden Arbeit, sondern veranlaßt dnrch ein fein ansgebildetes
Gefühl, das sich in technischer Beziehung häufig als ein guter Berater erwies.
Um ein anschauliches Bild von dem außerordentlichen Umfange der Römerstraßen
zu gewinnen, sollen kurz, in Anlehnung an die von dem berühmten verstorbenen Generalpostmeister
Stephan vorgenommene Einteilung der römischen Straßen in 5 Gruppen, die
Hauptrouten Erwähnung finden.
Sämtliche Straßen gingen von dem Mittelpunkt der Welt, dem Koruna romanum aus,
woselbst durch Augustus ein vergoldeter Meilenstein (Milliarium aureum) errichtet worden
war. Die erste Hauptroute bildete die Verbindung Rom-Afrika. Die Straße ging von
Rom über Capua nach Rhegium. Hier fand die Überfahrt nach Sizilien statt, an dessen
Nordrand die Straße nach Lilybäum führte, von wo aus man in 24 Stunden nach Karthago
segelte. Von Karthago erstreckten sich die Straßen westwärts bis zu den Säulen des Herkules,
ostwärts bis Alexandria und Pelusinm. — Tie zweite Hauptroute war hie Straße Rom-Asien.
Die Straße führte von Rom über Capua nach Brundisium, dem Überfahrtsort nach Makedonien.
Ein großer Zweig erstreckte sich südlich,, bis nach Thessalien und Griechenland, ein
anderer östlich bis zum Chersonnes. An die Überfahrt über den Hellespont schlossen sich
Straßen an, die sich verzweigten a) nach Armenien und dem Phasis, b) bis zum Euphrat,
o) durch Syrien, Palästina über die Landenge von Suez nach Alexandria. — Die dritte
Hauptroute bildete die Verbindung Roni-Byzanz. Die Straße führte von Roni über Ariminum
und Aquileja durch Istrien, Jllyrien, Pannonien, Mösien, Thrakien nach Byzanz, von
hier über den Bosporus nach Asien. — Die vierte Hauptroute war der Straßenzug Rom-Hispanieu.
Die Route ging über Centumcellä (den berühmten Hafenort Trajans), Pisa,
Genua, Massilia, Narbo und über die Pyrenäen nach Hispanien, welches Land von einer
großen Zahl Straßen durchzogen war. — Die fünfte Hauptroute bildeten die Straßenzüge
von Rom nach Germanien und Britannien.
Die Route Rom-Afrika enthielt die oft genannte und viel gerühmte, von den Dichtern
als die „Königin der Straßen" gepriesene Via Appia, von welcher Abb. 23 eine Ansicht