Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

632  Grundlagen  des  Schiffbaues.
Neigung  durch  äußere  Kräfte  umfallen  oder  kentern.  Ist  OM  ---06-,  so  daß  M  mit  6
zusammenfällt,  so  ist  der  Gleichgewichtszustand  indifferent.  Es  besteht  alsdann  die  Gefahr
des  Kenterns,  wenn  beim  Neigen  des  Schiffes  OM  kleiner  wird.  Wird  OM  jedoch  größer,
so  wächst  auch  6M  und  demnach  das  aufrichtende  Moment.  Der  Wert  OM,  welcher
allein  von  der  Form  des  Schiffes  abhängig  ist,  läßt  sich  durch  folgende  Formel  ausdrücken:
„„  Trägheitsmoment  der  Schwimmebene  K.LB 3  KLB 3  L  B' 2
Deplacement  in  cbm  Deplacement  L.  B  T  8  <5  T
Der  Koeffizient  K:  8  schwankt  von  0,08  bis  0,io.
CM  ist  also  um  so  größer,  je  größer  bei  gleichem  Deplacement  das  Trägheitsmoment
der  Schwimmebene,  d.  h.  im  besonderen  je  größer  die  Schiffsbreite  B  gewählt  wird,
da  das  Trägheitsmoment  mit  der  dritten  Potenz  von  B  sich  ändert  oder  aber  je  kleiner
bei  gleichbleibender  Schwimmebene  das  Deplacement  ausfällt,  d.  h.  je  schärfer  das
Unterwasserschiff  gemacht  wird.  Hiernach  ergeben  sich  die  einzelnen  Stabilitätsverhältnisse ­
  der  verschiedenen  Schiffstypen  in  Verbindung  mit  der  Gewichtsstabilität.
Nachgehende,  breite  Schiffe  -  Floß,  flache  Küstenpanzerschiffe  —  besitzen  große  Formstabilität ­
  wegen  des  großen  Trägheitsmoments  der  Schwimmcbene,  schnellsegelnde  Schoner
und  Jachten  wegen  des  scharfen  llnterwasserschiffes,  doch  wird  bei  den  letzteren  wegen
der  scharfen  Wasserlinien  außerdem  eine  große  Gewichtsstabilität  durch  eine  möglichst
tiefe  Lage  des  Systemschwerpnnktes  erzielt,  indem  man  am  Kiel,  am  tiefsten  Punkt,  schwere
Bleimassen  befestigt.  Die  Form-  und  Gewichtsstabilität  muß  nun  bei  dem  Entwurf  des
Schiffes  so  zu  einander  abgestimmt  werden,  daß  die  metazentrische  Höhe  M6  =  CM  —  CG
eine  den  praktischen  Verhältnissen  entsprechende  Größe  erhält.  Zu  kleines  MG  bringt
die  Gefahr  des  Kenterns  mit  sich,  bietet  jedoch  den  Vorteil  langsamer  und  sanfter  Bewegungen ­
  auf  See.  Großes  GM  bietet  vollkommene  Sicherheit  gegen  Kentern,  hat
jedoch  schnelle  und  heftige  Bewegungen  zur  Folge,  welche  teilweise  für  die  Schiffsbesatzung
unerträglich  werden  können,  teilweise  den  Schiffsverband  lockern  und  die  Verwendung
des  Schiffes  für  bestimmte  Zwecke,  wie  z.  B.  für  das  Schießen  auf  See,  in  Frage  stellen.
Die  nachstehende  Tabelle  gibt  für  die  einzelnen  Schiffsklassen  im  voll  ausgerüsteten  Zustande ­
  die  gebräuchlichsten  Werte  von  MG.  Im  allgemeinen  geht  man  mit  MG  nicht
unter  0,4  m;  einige  transatlantische  Schnelldampfer  besitzen  noch  geringere  metazentrische
Höhen.  Diese  Schiffe  haben  dementsprechend  sehr  angenehme  Bewegungen  auf  See,  und
ihre  Sicherheit  liegt  in  der  Hauptsache  in  dem  hohen  Freibord  über  Wasser.  Wenn
sie  mehrere  Grade  überliegen,  also  Schlagseite  erhalten,  stellt  sich  die  nötige  Stabilität
ein  infolge  der  hierdurch  wachsenden  Breite  der  Schwimmebene  und  der  Steigerung
des  Trägheitsmomentes  derselben.
Alte  Segelfregatten  MG  2,2  m
„  Schraubenfregatten  und  Korvetlen  „  1,2—1,5  „
Ältere  Panzerschiffe  „  1,2—2,i  „
Monitors  „  2,1—4,3  „
Neuere  ungetakelte  Panzerschiffe  0,8—1,5  „
Panzerdeckkreuzer  „  0,8—1,3  „
Ungeschützte  Kreuzer  „  0,5—0,8  „
Avisos  „  0,45—1,0  „
Kanonenboote  „  0,45—0,8  „
Torpedoboote  „  0,3—0,5  „
Transatlantische  Dampfer  „  0,1—0,3  „
Fracht-  und  Handelsdampfcr  „  0,45—0,9  „
Segelschiffe  „  0,8—1,0  „
Schleppdampfer  „  0,45—0,6  „
Flußschiffe  „  0,3—0,5  „
Der  Wert  von  MG  ist  jedoch  für  ein  und  dasselbe  Schiff  kein  konstanter,  da  einesteils ­
  die  Tauchungen  und  Tiefgänge  des  Schiffes  je  nach  der  Ausrüstung  und  Ladung
sich  ändern,  anderenteils  auch  die  Belastung  des  Schiffes  und  demnach  die  Lage  des
Systemschwerpunktes  eine  verschiedene  sein  kann,  im  besonderen  bei  Handelsschiffen,  bei
denen  die  Ladung  stets  eine  wechselnde  ist.  Man  muß  daher  beim  Stauen  der  Ladung
auf  Handelsschiffen  besonderen  Wert  darauf  legen,  daß  der  Systemschwerpunkt  dcs  voll-
            
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