Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Grundlagen  des  Schiffbaues.

radius  des  Schiffes  und  je  kleiner  seine  metazentrische  Höhe  ist  und  umgekehrt.  Man  ist
daher  beim  Entwurf  des  Schiffes  im  stände,  die  Schwingungszeit  desselben  im  voraus
festzulegen.  Da  jedoch  die  Gewichtsverteilung  im  Schiff  in  der  Hauptsache  von  anderen
Gesichtspunkten,  wie  Geschützarmierung,  Panzerung  u.  s.  W.  abhängig  ist,  so  liegt  es  nicht
immer  in  der  Macht  des  Konstrukteurs,  dem  Trägheitsradius  im  voraus  eine  bestimmte
Größe  zu  geben;  dagegen  bietet  die  Wahl  von  ein  Mittel,  die  Schwingungszeit
innerhalb  bestimmter  Grenzen  festzulegen.  Diese  Resultate  stimmen  vollkommen  mit  der
praktischen  Erfahrung  überein.  Auch  hat  sich  ergeben,  daß  für  Schwiuguugsausschläge
bis  zu  15  Grad  die  Schwingungszeit  für  kleine  und  große  Ausschlagwinkel  gleich  ist,  so
daß  das  Schiff  als  ein  isochronschwingendes  Pendel  angesehen  werden  kann.
In  Wirklichkeit  treten  nun  beim  Schlingern  des  Schiffes  die  Widerstände  desselben
im  Wasser  hinzu.  Dieselben  setzen  sich  zusammen  aus  der  Oberflächenreibung,  dem
direkten  Wasserwiderstand  der  flachen  Schiffsteile  und  dem  wellenbildendeu  Widerstand,
d.  h.  dem  Kraftverlust,  welcher  durch  die  Erzeugung  der  beim  Schlingern  entstehenden
Wellen  aufgewendet  wird.  Zur  Ermittelung  dieser  Widerstände  sowie  zur  Bestimmung
der  Schwingungsdauer  eines  Schiffes  und  zur  Ermittelung  seines  Trägheitsmoments
dienen  Schlingerversuche  mit  fertig  ausgerüsteten  Schiffen.  Dieselben  bestehen  darin,
Laß  man  das  Schiff  durch  regelmäßiges  Überlaufen  von  Mannschaften  von  Bord  zu
Bord  in  Schwingungen  versetzt  und  nach  plötzlichem  Stillstehen  der  Mannschaft  mittschiffs
das  Schiff  ausschwingen  läßt.  Hiernach  hat  sich  ergeben,  daß  durch  Vergrößern  der
Widerstände  die  Schwingungen  des  Schiffes  bis  zur  Ruhelage  erheblich  abnehmen,
während  die  Zeit  einer  Schwingung  sich  nur  um  einige  Zehntel  Sekunden  ändert.  Die

Vermehrung  des  Widerstandes ­
  erzielt  man  durch
Anbauen  von  Kimm-649.

  Schwingung  eines  Flosses  nuf  einer  Welle.

649.  Schwingung  eines  Flosses  nuf  einer  Welle.

haut  befestigt  werden  und  beim  Schlingern  einen  bedeutenden  Widerstand  im  Wasser
erzeugen,  oder  durch  Einbauen  von  Wasserkammern,  querschiffs  angeordneten  Tanks,
welche  mit  einer  bestimmten  Menge  Wasser  gefüllt  sind.  Ihr  Prinzip  besteht  darin,
daß  beim  Schlingern  des  Schiffes  das  Wasser  nach  der  geneigten  Schiffsseite  überläuft
ähnlich  dem  Überlaufen  von  Mannschaften  beim  Schlingerversuch,  nur  mit  dem  Unterschied, ­
  daß  das  Wasser  der  Zeitfolge  nach  sich  in  entgegengesetzter  Richtung  bewegt  und
demnach  dem  aufrichtenden  Moment  entgegenwirkt.
Betrachtet  man  nun  das  Schiff  auf  einer  Ozeanwelle  und  zwar  in  der  ungünstigen
Lage  querstes,  mit  der  Breitseite  auf  der  Welle  schwimmend,  so  gestalten  sich  die  Verhältnisse ­
  der  Schlingerbewegungen  anders.
Während  der  Auftrieb  des  Schiffes  in  ruhigem  Wasser  stets  vertikal  nach  oben  gerichtet ­
  ist,  stellt  sich  die  Richtungslinie  des  Auftriebs  beim  Schwimmen  des  Schiffes  auf
einer  Welle  stets  normal  zur  Wasseroberfläche  ein,  d.  h.  zur  Oberfläche  desjenigen  Teils
der  Welle,  in  welcher  das  Schiff  schwimmt.  Die  Richtungslinie  des  Auftriebs  ändert
sich  daher  von  Punkt  zu  Punkt  der  Wellenkontur,  und  die  Neigungsänderungen  derselben
gleichen  den  Schwingungen  eines  Pendels,  welches  eine  Periode  besitzt  gleich  der  Periode
der  halben  Wellenlänge.  Infolge  der  Stabilitätskraft  hat  nun  das  Schiff  das  Bestreben,
sich  nach  der  jeweiligen  Richtungslinie  des  Auftriebes  einzustellen.  Bei  Schiffen  mit  großer
metazentrischcr  Höhe  und  kleiner  Schwingungsperiode  wird  das  Einstellen  um  so  schneller
geschehen,  je  größer  die  Schwingungsdauer  der  Richtungsliuie  des  Auftriebes  d.  h.  der
halben  Wellenperiode  ist.  Das  Deck  des  Schiffes  wird  daher  fast  parallel  zur  Wellenkontur ­
  liegen,  ähnlich  einem  Floß  (Abb.  648).  Als  Beispiel  für  diesen  Fall  dienen  die
amerikanischen  Monitors,  welche  eine  sehr  große  metazentrische  Höhe  und  dementsprechend
eine  sehr  kleine  Periode  —  2 3 / 4  Sekunden  —  besitzen  und  welche  bei  der  Fahrt  über  den
Atlantischen  Ozean  beim  Schlingern  quersees  fast  kein  Wasser  auf  das  sehr  niedrig  über
Wasser  liegende  Deck  bekommen  haben.  Sie  bieten  jedoch  keine  stetige  Plattform,  da  sie
            
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