Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

640  Grundlagen  des  Schiffbaues.

Über  die  Richtung  und  Stärke  des  scheinbaren  Windes,  die  entsprechende  Segelstellung
und  die  erzielte  Geschwindigkeit  des  Schiffes  gibt  nebenstehendes  Diagramm  (Abb.  653)  ein
klares  Bild;  es  ist  für  dasselbe  ein  Segelschiff  mit  Raasegeln,  sowie  eine  Windgeschwindigkeit ­
  von  18  Seemeilen  pro  Stunde  entsprechend  der  Windstärke  VI  —  starke  Brise  —
zu  Grunde  gelegt.  In  diesem  Diagramm  werden  die  wirklichen  Windrichtungen  durch
die  Kompaßrose  angegeben;  die  Schiffsgeschwindigkeiten  in  Seemeilen  parallel  der  Kurslinie ­
  unter  Vernachlässigung  der  Abtrift  sind  durch  starke  Linien,  die  scheinbaren  Windrichtungen ­
  und  Stärken  durch  schwache  Linien  gekennzeichnet,  während  die  betreffenden
Segelstellungen  durch  Doppellinien  angegeben  sind.  Hiernach  erhält  das  von  Norden
nach  Süden  segelnde  Schiff  die  größte  Geschwindigkeit  bei  der  Windrichtung  HO,  d.  h.  bei
dem  sogenanntenBackstagswind  undvariiert  die  scheinbare  Windgeschwindigkeit  von  l  0,7  Seemeilen ­
  bis  21  Seemeilen.  Dieselbe  ist  nun  wiederum  zerlegt  in  eine  Normaldruckkomponente ­
  ans  die  Segelfläche  bl  und  letztere  weiter  in  die  Querschiffskomponente  Q
und  die  Längsschiffskomponente  L.  Die  letztere,  welche  das  Schiff  voraus  treibt,  wird
um  so  größer,  je  weiter  der  Wind  nach  achtern  herumgeht,  während  die  Normaldruckkomponenten
  für
alle  Segelstellungen ­
  ziemlich  gleich
bleiben.  Daß  trotzdem ­
  die  Geschwindigkeit ­
  des  Schiffes
vor  dem  Winde
verhältnismäßig
gering  ist,  hat  in
der  Hauptsache  seinen ­
  Grund  darin,
daß  die  vorderen
Segel  von  den
hinteren  bekalmt
werden,  so  daß  die
ersteren  nicht  voll
zur  Wirkung  gelangen. ­
  Diese  Erkenntnis ­
  ,  welche
sich  erst  allmählich
durch  die  theoretische ­
  Behandlung  der  Schifsbaukunst  Bahn  gebrochen  hat,  hat  dazu  geführt,  möglichst
jede  Windrichtung  zur  Fortbewegung  des  Schisses  auszunutzen.  Ist  nämlich  der  Wind
der  Fahrtrichtung  des  Schiffes  genau  entgegengesetzt,  so  kann  derselbe  zur  Fortbewegung
des  Schiffes  ausgenutzt  werden,  indem  man  gegen  den  Wind  aufkreuzt,  d.  h.  durch  einen
Zickzackknrs  das  Fahrzeug  derart  steuert,  daß  es  immer  hart  am  Winde  liegt,  d.  h.  den
Wind  um  etwa  2  Strich  gleich  22  1 / 2  Grad  von  vorn  erhält.  Hierbei  trifft  dann  der
Wind  die  Segel  abwechselnd  von  Steuerbord  und  Backbord  und  bezeichnet  man  jede
Strecke  des  Zickzackkurses  als  Schlag.  Kommt  z.  B.  der  Wind  von  Osten,  und  soll  das
Schiff  seinen  Weg  nach  Osten,  d.  h.  gegen  den  Wind  einschlagen,  so  muß  man  kreuzen.
Macht  das  Schiff  einen  Schlag  nach  Backbord,  so  daß  der  Wind  von  Steuerbord  auf  die
Segel  trifft,  so  muß  man  die  Segel  so  stellen,  daß  der  Hals  derselben,  d.  h.  die  untere
vordere  Nock  eines  Schratsegels  oder  die  untere  Nock  eines  Raasegels,  welche  bei  angebraßter ­
  Raa  nach  vorn  kommt,  nach  Steuerbord  angeholt  wird,  während  die  Schote,
die  entsprechende  Hintere  Nock  des  Segels,  nach  Backbord  festgesetzt  wird.  Man  sagt
dann,  das  Schiss  liegt  über  Backbordbug  und  segelt  über  Steuerbordhalsen.  Hat  das
Schiss  eine  genügende  Strecke  über  Backbordbug  durchlaufen,  so  wendet  man  dasselbe  in
den  Wind  und  bringt  es  auf  Stenerbordbug,  so  daß  alsdann  der  Wind  von  Backbord
vorn  einfällt  und  die  Halsen  auf  Backbord  angeholt  werden  müssen.  Diese  Wendung  des

654.  Park  mit  halbem  Mindr  segelnd  mit  Ktenerbordhallcn.
            
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