Besegelung. 641
Fahrzeuges durch den Wind von einem Bug zum anderen nennt man über Stag gehen,
während das Manöver, welches das Schiff vor dem Winde herum über den anderen
Bug bringt, mit Halsen bezeichnet wird.
Fällt die Windrichtung nicht mit dem Schiffskurs zusammen, sv tritt neben der
Fortbewegung des Schiffes in der Kielrichtung eine Seitwärtsbewegung, die Abtrift nach
Lee ein. Unter Zugrundelegung des einfachsten Falles, ein Schiff mit einem Raasegel,
ergeben sich folgende Verhältnisse. Ist AI! die Kiellinie des Schiffes, Ov die Stellung
der Raa bezw. des Segels und UL die relative Windrichtung und Stärke des Windes,
so zerlegt sich UL in FG parallel der Segelfläche und UL normal zu derselben. Für
die Fortbewegung des Schiffes kommt jedoch nur UL in Frage, da UL auf die Segel
keine Wirkung ausübt. UL kann man nun zerlegen in eine Kraft UL in der Richtung
der Kiellinie und UU normal zu derselben, d. h. querschiffs gerichtet. Die Kraft UL
wirkt allein auf Vorwärtsbewegung, die Kraft UU erzeugt die Abtrift nach Lee. Um
nun den Segelschiffen möglichst günstige Fahrt voraus zu erteilen, muß man bestrebt
65b. Nollschiff am Minde segelnd. Nach „The Engineer“.
sein, den Widerstand des Schiffes in der Kielrichtung möglichst klein, denjenigen querab
jedoch möglichst groß zu gestalten. Bei Segeljachten, welche bei jeder Windrichtung eine
möglichst große Geschwindigkeit herauspresseu und daher beim Amwindesegeln ihr bestes
Können beweisen müssen, sucht man den seitlichen Widerstand entweder für kleinere,
flachgehende Boote durch Kielschwerte, für größere Fahrzeuge durch Verlängerung des
Totholzes und des Kieles nach unten so weit zu vergrößern, daß die Abtrift auf ein
Minimum beschränkt wird, um beim Kreuzen möglichst viel Höhe herauszusegeln, d. h. mög
lichst hart am Winde liegen zu können.
Je geringer nun der Frontwiderstand eines Segelschiffes gegenüber dem seitlichen sich
ergibt und je größer die Segelfläche gewählt werden kann, um so mehr wird sich die
Geschwindigkeit steigern lassen. Es ist hiernach keine Fabel, daß Segelschlitten, welche infolge
ihrer Bauart große Stabilität und großen seitlichen Widerstand, aber äußerst geringe Reibung
in der Kielrichtung besitzen, größere Geschwindigkeiten als der quer einfallende Wind er
reicht haben. Entsprechend dem Diagramm (Abb. 653) erlangt bei einer Windgeschwindigkeit
von 18 Seemeilen der scheinbare Wind eine Geschwindigkeit von 34 Seemeilen und der
Segelschlitten eine solche von 28 Seemeilen, d. h. die 1fache Windgeschwindigkeit.
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