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Holzschiffbau: Außenhautbeplankung.
Plankengänge ans diese Weise eine tiefere Dichtungsnaht und vergrößert dementsprechend
die Reibungsfläche in den Plankennähten zur Übertragung der Schubspannung. Auch
bieten die starken Berghölzer eine größere Sicherheit bei lokalen Beanspruchungen von
außen durch Eisschollen, Wrackstücke und dergl. Ferner werden die Schergangsplanken,
welche die Außenhaut am Oberdeck abschließen, stärker gewählt, um den dort auftreten
den Zugspannungen zu begegnen; dieselben müssen daher auch vollkommen astfrei sein.
Die Zahl der Plankengänge richtet sich nach dem Umfang des Hauptspantes und
der Plankenbreite, welche 360 min selten überschreitet. Da die Spantumfänge nach den
Schiffsenden kleiner werden, so läßt man nicht alle Plankengänge bis zu den Steven
durchlaufen, da sie sonst zu schmal ausfallen würden. Einzelne Gänge hören daher vorher
auf, sie heißen verlorene Gänge, und die beiden benachbarten Gänge werden entsprechend
verbreitert. Besondere Sorgfalt ist auf ein gutes Verschießen der Stöße zu legen, und
dieselben sind stets auf einem Spant anzuordnen, damit die Plankenenden solide befestigt
werden können; die Plankennähte öffnen sich durch die meist konvexe Spantkurve nach
außen, so daß das Einbringen der Dichtung bequem erfolgen kann. Enge Nähte müssen
mit Hilfe des Klameieisens, eines stählernen Keils mit Stiel, aufgetrieben werden. Die
Dichtung oder Kalfaterung der Nähte zum wasserdichten Abschluß der Außenhaut erfolgt
durch Werg und Pech. Das Werg wird aus geteertem Tauwerk durch Aufdrehen der
einzelnen Garnfäden gepflückt und vom Kalfaterer in einen „Draht" gedreht. Je nach
der Dicke der Außenhautplanken werden zwei bis vier Drähte in die Nähte mittels des
Dichteisens mit dem Kalfat- oder Dichthammer nacheinander eingetrieben, und hierbei ist
darauf zu achten, daß alle Planken gleichmäßige Pressungen erhalten. Der letzte ein
geschlagene Draht wird mittels eines Teerqnastes mit heißem Teerpech bestrichen, so daß
er die Rille der Naht ausfüllt. Die Dauer einer guten Kalfaterung beträgt höchstens fünf
Jahre, in der Regel kalfatert man das Schiff aller drei bis vier Jahre, wobei das ver
faulte Werg aus den Nähten zunächst entfernt werden muß.
Die Wegerungsplanken werden nicht durch Werg und Pech abgedichtet; sie schließen
den Schiffsraum zur Aufnahme der Ladung u. s. w. gegen die Spanthölzer ab und dienen
zugleich als Längsverband. Im Raum tragen sie ferner zur Verstärkung der Stöße
zwischen den Bodenwrangen und Aufsitzern — Stoßweger — sowie zur Versteifung der
Kimm — Kimmweger — bei. In Höhe der Decks werden sie besonders stark gehalten zur
Auflagerung der Balken und Verbindung derselben mit den Spanthölzern — Balkweger. —
Die Befestigung der Wegerungsplanken erfolgt teilweise auf den Spanten allein mittels
Stumpfbolzen, teilweise mit den Spanten und den Außenhautplanken zusammen durch
Durchbolzen, welche von außen geschlagen und innen verklinkt werden.
Der Querverband des Schiffes wird durch die Decksbalken hergestellt, welche zugleich
den Zweck haben, die einzelnen Decks mit Hilfe der Decksplanken zu bilden zur Lagerung
von Gütern, Geschützen u. s. w. und zur Aufnahme der Wohnräume für Passagiere und
Mannschaften. Die Stärke und die Zahl der Decksbalken hängt daher ab von der voraus
sichtlichen Belastung des Decks und der Breite des Schiffes. Die oberen Decks erhalten
zum besseren Wasserabfluß querschiffs nach oben eine leichte Krümmung — Decks- oder
Balkenbucht — die Raumbalkeu sind meist gerade; längsschiffs sind die Balken auf den
Balkwegern nach dem Deckssprung gelagert. Die Balken haben rechteckigen Querschnitt
und ruhen an den Enden auf den Balkwegern auf, mit denen sie durch Cylinderzapfeu
und Bolzen verbunden werden. Mit der Wegerung und den Spanten werden sie mit
Hilfe hölzerner oder eiserner Kniee derart verbolzt, daß ein Verziehen des Spantes qner-
schiffs durch den Zug der Wanten des Mastes oder das Arbeiten des Schiffes in See
möglichst verhindert wird. Bisweilen führt man die hängenden Arme der eisernen Kniee
im Winkel von 45° geneigt auf die Kimmwegerung herunter und bildet sie auf diese
Weise als Diagonalbänder ans. Auf den Enden der Decksbalken werden zur Verstrebung
derselben untereinander, sowie zum Abschluß gegen die Spanthölzer die Leibhölzer und
die Wassergangsplanken aufgelegt und mit denselben verbolzt. Auf dem Leibholz setzt
sich dann der Setzweger auf und bildet den Übergang zur Seitenwegernng. Wo Öffnungen
(Luken) im Deck angeordnet werden, werden längsschiffs laufende Balkenschlingen ein-