Holzschiffbau: Vollendung des Rumpfes.
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leicht zerfressen wird. Man sagt dann, das Schiff ist kupferfest. Die über Wasser
liegenden Bauteile können ohne Gefahr durch eiserne Bolzen verbunden werden. Die
Befestigung der Decksplanken auf den hölzernen Balken erfolgt durch eiserne, verzinkte
Spieker oder Stumpfbolzen, und werden dieselben so tief versenkt geschlagen, daß sie durch
einen hölzernen Deckspfropfen bedeckt werden können.
Ist die Außenhautbeplankung geschlichtet und gedichtet, so wird in der Regel zum
Schutz des Unterwasserteils derselben ein Kupfer- oder Muntzmetallbeschlag angebracht.
Derselbe soll das Unterwasserschiff nicht allein gegen die Angriffe der Bohrwürmer
schützen, sondern zugleich einen Anwuchs von Muscheln, Algen u. s. w. verhindern. Vor
dem Anbringen der Metallhaut wird die Außenhantbeplankung mit Teer bezw. Marine
leim gestrichen und dann mit einer Lage geteerten Filzes oder groben Papiers bedeckt,
auf welche alsdann streifenweise die Metallplatten von 1 bis 1,5 mm Dicke und Ab
messungen von 1,2 m X 0,s5 bis 0,5 m mittels kupferner Nägel befestigt werden. Die
Platten überdecken sich derart an den Rändern, daß die oberen Kanten von dem nächsten
Plattengang überdeckt werden. Die Dauer einer Kupferhaut beträgt etwa 5 Jahre, und
nach diesem Zeitraum muß dieselbe zum großen Teil erneuert werden.
Neben den Arbeiten am eigentlichen Schiffsrumpf wird nach dem Legen der Decks
und der Abdichtung der Außenhaut mit den einzelnen Arbeiten begonnen, welche für den
Ausbau und die
Ausstattung des
Schiffes erforderlich
sind. Es gehören
hierher die Vorkeh
rungen für die Be
mastung und Take
lage , wie Mast
spuren, Bugspriet
stuhl , Rüsten mit
Püttingsschienen,
diejenigen für die
Ankereinrichtung,
wie Ankerspille,
Ankerkran oder Kranbalken und Ankerklüsen, das Steuerruder nebst Pinne und Steuer
einrichtung, die Pumpen, die Einrichtungen zum Übernehmen der Ladung, wie Lade-
luken, Lade- und Ballastpforten, Ladewinden, sowie zur Unterbringung der Mann
schaften, wie Niedergangsluken, Fallreepstreppen, Kajüten und Mannschaftslogis, Wasser
tanks und dergl.
Die Mastspur ist eine Plattform von starken Balken, welche mit dem Kielschwein
verbolzt ist, sie erhält eine Auskerbung, in welche der Mastfuß mittels vierkantigen
Zapfens eingesetzt wird. Der Bugsprietstuhl bildet in ähnlicher Weise die Stütze für den
Fuß des Bugspriets. Die Rüsten, eine aus Planken zusammengefügte Plattform in Höhe
der Oberdecksbalken, welche mittels Durchbolzen mit dem Schergang und den Spant
hölzern verbunden und durch eiserne Kniee an der Außenhaut gestützt werden, dienen den
oberen Enden der Püttingsschienen als Auflage. An diesen Schienen werden am oberen
Ende mittels Auge die Jungfernblöcke der Wanten befestigt, während der untere Teil
derselben derartig an die Außenhaut gebogen ist, daß die Resultante aus den Spannungen
im Want und im Püttingeisen in der Mittellinie der Rüst liegt. Das untere Ende der
Püttingsschienen wird durch die Püttingsbolzen gehalten.
Die Schiffswinden zum Lichten (Heben) der Anker werden auf dem Oberdeck im
Bug aufgestellt. Die Winden oder Spille mit liegender Welle und mit Handantrieb
mittels Spaken heißen Bratspille, diejenigen mit vertikaler Welle Gangspille. Auf Handels
schiffen findet allgemein, um an Bedienungsmannschaft zu sparen, das Pumpenspill Ver
wendung, ein Spill mit liegender Welle und Antrieb mittels Pallen durch Bewegung eines
Pumpenhebels. Der Kranbalken dient zum Andeckholen des vorgehievten Ankers. Die
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670. Ankerwinde (Pnniplpili). a Hauptansicht, b Seitenansicht.