698 Schiffbau: Schiffsmaschinen.
Unterkesseln und einem Oberkessel, welche durch die gekrümmten Wasserrohre sowie durch
besondere Abfallrohre verbunden sind. Am verbreitetsten ist der neuere Thornycroftkessel
mit einem Unterkessel, von welchem die Wasserrohre in den Dampfraum des Oberkessels
geleitet werden. Die Berbrennungskammern sind zu beiden Seiten des Unterkessels
angeordnet und nach außen durch je eine Rohrreihe von dicht an dicht liegenden
Wasserrohren abgeschlossen, welche unten in ein U-förmig gebogenes Wasserkammerrohr
eingedichtet sind und oben in den Dampfraum des Oberkessels münden. Zur Trennung
des Dampfes von dem mitgerissenen Wasser sind im Oberkessel vor den Mündungen
der Wasserrohre Winkelbleche angeordnet. Für eine gleichmäßige Speisung sorgt ein
selbstthätiger Speisewasserregler mit Schwimmer.
Neben den Hauptkesseln wird meist auf den Handelsdampfern ein kleiner Hilfskessel
— Donkeykessel — aufgestellt, welcher im Hafen den Dampf für die Dampfwinden und
die elektrische Beleuchtung liefert,
so daß die Hauptkessel außer Betrieb
gesetzt werden können.
Der Bau der Schiffskessel erfolgt
in besonderer Werkstatt, der
sogenannten Kesselschmiede. Als
Material für Schiffskessel verwendet
man vorzugsweise Siemens-Martinstahl,
und zwar ist
für die feuerberührten Flächen
des Kessels weicher Stahl, für die
Kesselmäntel härteres Material,
neuerdings auch Nickelstahl, gebräuchlich.
Die Siederohre, sowie
die Rohre derWasserrohrkesselsind
gezogenestählerneRohre. Die Bearbeitung
des Materials erfolgt
teilweise im rotwarmen, teilweise
im kalten Zustande. Zum Erhitzen
der Bleche dienen Glühöfen und
Schmiedefeuer. Die Bearbeitung
im rotwarmcn Zustand erfolgt
für die Börtclungen. Die geschweißten
und gewellten Flammrohre
werden meist von den
Hüttenwerken fertig geliefert.
Zur Bearbeitung im kalten Zustand dienen schwere Blechwalzen, meist mit vertikal
angeordneten Walzen zum Biegen des Kesselmantels, ferner Kantenhobelmaschinen, sowie
eine große Anzahl von Bohrmaschinen, da für den Kesselbau alle Nietlöcher sauber passend
gebohrt werden müssen. Das Bohren der Nietlöcher erfolgt bei Überlappungen meist nach
dem Zusammenpassen der Bleche durch beide Blechdickeu zugleich. Man verwendet daher
vielfach transportable Bohrmaschinen mit beweglichen Wellen oder mit elektrischem Antrieb.
Besondere Sorgfalt erfordert die Nietung der Kesselwändc, und im besonderen für die
dicken Mantelbleche finden hydraulische Nietmaschinen Verwendung. Jedes Niet muß
sauber gestemmt werden, und es ist, um ein Dichthalten der Kessel bei hohen Dampfspannungen
zu ermöglichen, besondere Sorgfalt darauf zu verwenden, daß beim Bohren
der Nieilöcher kein Öl verwendet wird, da an fettigen Stellen sich kein Rost bilden kann
und dementsprechend leicht sich Leckagen zeigen. Besondere Sorgfalt erfordert bei den
Cylinder- und Lokomotivkesseln das Einziehen und Eindrillen der Siederohre in den Rohrwänden,
sowie die Herstellung der Verankerungen der flachen Wände der Rauchkammer
bezw. Feuerbüchse. Für den Bau der Wasserrohrkessel sind für die einzelnen Kesseltypen
besondere Werkzeugmaschinen erforderlich zum Stauchen und Gewindeschneiden der Rohrenden
bei den Bellevillekesseln, zum Biegen der Rohre bei den Thornycroftkesseln.
a Unterkessel, b Oberkessel, c Wasserrohre, d Wasserkammerrohr,
e Rost, f Fallrohre.