706 Schiffbau: Schiffsmaschinen.
See für Postdampfer auf kurze Strecken verwendet, da die Räder an Wirksamkeit verlieren,
wenn sie in bewegter See verschieden eintauchen und bei längeren Reisen die Eintauchung
der Schaufeln nach Verbrauch der Kohlen geringer wird. Man unterscheidet Räder
mit festen und solche mit beweglichen Schaufeln. Erstere verwendet man vorzugsweise
für Schlepper. Ihr Nutzeffekt ist wegen der flachen Ein- und Austauchnng der Schaufeln
und der hierdurch auftretenden Erschütterungen gering. Für Paffagierdampfer bevorzugt
man daher Räder mit beweglichen Schaufeln, welche an den Radarmen drehbar gelagert
sind und durch Lenkstangen, welche an einer zur Radwelle exzentrisch gelagerten Scheibe
befestigt sind, derart gestellt werden, daß sie während des Durchziehens durch das Wasser
eine steilere Lage annehmen. Je nach der Richtung der Schaufeln beim Wasserein- und
-anstritt entstanden die Räder von Buchanan, Oldham und Morgan.
Die Schiffsschraube ist zur Zeit der wirksamste Propeller zum Treiben der
Schiffe, da der von derselben nach hinten geworfene Wafferstrom den größten Quer
schnitt besitzt und die Umdrehungsgeschwindigkeit der Schraube leicht gesteigert werden
kann. Während die Umdrehungszahl der Schaufelräder nicht über 50 gesteigert werden
kann, sind Umdrehungen der Schraube von
100 bis 300 nicht selten. Die Schiffs
schraube ist gewissermaßen eine Druckschraube,
welche durch den Druck, den die Hintere
oder Druckfläche gegen das umgebende Wasser
ausübt, das Schiff nach vorn treibt. An
fänglich bestand die Schraube aus einem
Blatt, welches die Länge eines Schrauben
ganges von großer Steigung hatte. Da
jedoch der Raum im Hinterschiff zur Unter
bringung der Schraube beschränkt ist, so
mußte man, um die nötige Druckfläche zu
, vfr/r ,'->¡1// | erhalten, den Schraubengang mehrgängig
machen, um sich mit einem Bruchteil des
^ Ganges begnügen zu können. Es entstanden
so die zwei- und mehrflügeligen Schrauben,
t, Man ging mit der Zahl der Flügel bis zu
727. Schrauürnproprllrr. sechs, doch ist man zur Zeit bei drei und
a Seitenansicht, b Hinteransicht. vier Flügeln geblieben, da mehrflügelige
Schrauben größere Reibungs- und Verdrängungsarbeit beanspruchen. Die Wirksamkeit
der Schraube ist von den verschiedensten Umständen, der Schiffsform, der Maschinen
leistung und der Schraubenform abhängig, und daher lassen sich bestimmte Regeln zur
Bestimmung der Schraubenelemente nicht feststellen. Die Zahl der Schraubenformen
ist eine sehr große, doch haben sich nur wenige in der Praxis eingebürgert. Sie unter
scheiden sich in der Hauptsache nach der Gestalt der Erzeugungslinie, d. h. derjenigen
Seite der Querschnittsfigur des Schranbenganges, welche die Druckfläche erzeugt. Die
gebräuchlichsten Schranbenformen zeigen die gewöhnliche Schraube, die Griffithschraube,
die Thornycroftschraube und die Hirschschraube.
Die Schrauben werden aus Gußeisen, Bronze oder geschmiedetem Stahl gefertigt.
Die kleinen Schrauben werden aus einem Stück gegossen, die größeren bestehen aus
der Schraubennabe, auf welcher die einzelnen Schraubenflügel mittels Schrauben
und Keile befestigt werden. Für Kreuzer der Kriegsmarine, welche längere Strecken
unter Segel zurücklegen sollen, pflegt man eine zweiflügelige Schraube in einem Hebe
rahmen zu lagern, um sie beim Segeln in den Schraubenbrunnen zu heben und so
dem störenden Einfluß des Wassers zu entziehen. Man verwendet auch in diesem
Falle die Bevisschraube, deren Schraubenflügel mittels einer in der hohlen Schaftwelle
gelagerten Stange derart gedreht werden können, daß die beiden Schraubenflügel fast
parallel zur Längsschiffsebene stehen und dementsprechend einen geringen Wasserwider
stand verursachen.