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Rotglühhitze des Eisens sich der Oberfläche des letzteren mitteilt und die Zusammen-
schweißung beider Metalle ohne äußeren Druck herbeiführt. In ähnlicher Weise begann
die Sheffielder Konkurrenzfirma John Brown L Co. die Herstellung von Componnd-
panzern nach dem Patent Ellis. Ellis erzeugt eine Grundplatte von Schmiedeeisen und
eine Deckplatte von weichem Stahl und geringerer Dicke. Beide Platten werden, ans
Rotglut erhitzt, in eine gußeiserne Gußgrnbe derart eingebracht, daß zwischen beiden
Platten ein Spielraum von etwa 125 mm verbleibt. In diesen Spielraum wird nun
flüssiger Stahl gegossen und nach dem Erkalten auf Rotglut wird dann die ganze Masse
herausgenommen und unter der Walze bearbeitet.
Die Cvmpoundplatten entsprachen den gehegten Erwartungen vollkommen und
wiesen nach der Beschießung auch mit großen Kalibern keine oder nur unbedeutende
Risse durch die ganze Platte hindurch auf. Die englische Admiralität führte daher den
Componndpanzer sehr bald allgemein ein. In der deutschen Marine fand derselbe
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zuerst bei dem Panzerschiff „Oldenburg" Verwendung, und waren die Compoundplatten
von der Dillinger Hütte nach dem Patent Ellis hergestellt.
Schneider in Creuzot blieb jedoch seinem System, dem reinen Stahlpanzer, treu
und konnte durch Verbesserung seiner Fabrikationsmethoden sehr bald den Kampf mit
Compoundplatten aufnehmen. Auch dieses Mal war es wiederum die italienische Regie
rung, welche auf dem Schießplatz zu Mnggiano Bergleichsversuche zwischen Stahl- und
Compoundpanzer veranstaltete. Es trat eine Stahlplatte von Schneider mit je einer
Compoundplatte von Cammel und Brown in Wettbewerb. Alle Platten waren 480 mm
dick und besaßen eine Länge von 3,3 m bei 2,62 m Höhe. Die Platten wurden von
einem 100 Tonnen-Armstrongvorderlader beschossen, dessen Geschosse im Durchschnitt
900 kg wogen. Während die Compoundplatten durch den zweiten Schuß vollkommen
zerstört wurden, zeigte die Stahlplatte von Schneider nur fünf bis sechs unbedeutende
Risse und ging erst durch den vierten Schuß zu Bruch. — Zur Herstellung der stählernen
Panzerplatten verwendet Schneider Siemens-Martin-Stahl. Das Gewicht der Jngots
im Verhältnis zur fertigen Platte beträgt 1,8 zu 1. Die Stahlingots werden alsdann
in Gasöfen erhitzt und unter einem 100 Tonnen Dampfhammer oder unter hydraulischen