Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

730  Schiffbau.
Mit  Einführung  der  Nickelstahlplatten  im  Jahre  1891  hat  auch  die  Firma
Friedr.  Krupp  die  Fabrikation  von  Panzerplatten  aufgenommen  und  durch  Vervollkommnung ­
  der  Fabrikationsmethoden  derartige  Fortschritte  gemacht,  daß  sie  mit  ihren
gehärteten  Nickelstahlplatten  die  Fabrikate  aller  bestehenden  Walzwerke  in  den  Schatten
stellte.  Dabei  hatten  sich  in  allen  Ländern  die  Werke  zur  Herstellung  von  Panzerplatten
bedeutend  vermehrt.  In  England  ivaren  neben  Cammel  und  Brown,  Vickers  und
Beardmore  mit  der  Fabrikation  von  Panzerplatten  vorgegangen,  in  Frankreich  neben
Schneider  in  Creuzot,  St.  Chamond,  Chatillon-Commentry  und  Marrel  Frères.  In
Amerika  traten  die  Carnegie  und  Bethlehem-Werke  in  den  Wettbewerb  ein,  in  Italien  die
Terni-Werke  und  in  Rußland  die  Obuckowschen  Stahlwerke  sowie  die  Kama-Werke,  während
in  Deutschland  und  Österreich  neben  Dillingen,  Krupp  und  Witkvwitz  sich  entlvickelten.

763.  Grusons  Hartgirtzpainrrturm  für  die  Forts  von  Kpcma.
A  Süfelteiiidjtittcii,  B  hydraulischer  Cylinder  für  die  Hiihenrichlung,  C  MoniNonSauszug,  r>  hydraulischer  Seher,  rl  Plaitform
  für  den  Geschützführer,  F  RollenIraiiz,  II  Turmdrehiuaschtne,  J  Hartgubpanzerplatten.

Im  März  1895  stellte  Krupp  auf  dem  Schießplatz  zu  Meppen  eine  300  ININ  dicke
Nickelstahlplatte  mit  gehärteter  Stirnseite  zur  Verfügung,  welche  mit  drei  Schuß  aus  der
35  Kaliber  langen  35  oni-Kanone  mit  Stahlgranaten  von  325  kg  Gewicht  auf  115  m
Entfernung  beschossen  wurde.  Die  Platte  leistete  im  ganzen  einer  Angriffskraft  von
16  286  Metertonnen  Widerstand,  ohne  durchschlagen  zu  werden  oder  einen  durchgehenden
Riß  zu  zeigen.  Die  Erfolge  dieser  Beschießung  waren  so  überzeugend,  daß  die  englischen
und  amerikanischen  Werke  alsbald  das  Kruppsche  Patent  erwarben  und  zu  der  Kruppschen
Fabrikationsmethode,  welche  zur  Zeit  noch  Geheimnis  ist,  übergingen.
Nach  Einführung  der  Compound-Panzerplatten  sowie  der  Stahlplatten,  erfuhr  die
Befestigung  der  Platten  am  Schiffsrumpf  eine  Änderung.  Die  Panzerbolzen  werden  von
innen  etwa  90  min  tief  in  die  Panzerplatten  mittels  Vierkant  eingeschraubt,  um  die
gehärtete  Stirnseite  der  Platten  unbeschädigt  zu  lassen,  und  an  der  doppelten  Haut  des
Schiffsrumpfes  durch  eine  Sechskantmutter  befestigt.  Die  Mutter  wird  mittels  Unterlagscheibe
  auf  eine  Gummiplatte,  welche  in  einer  Schale  gelagert  ist,  gepreßt,  damit  dieselbe,
ivenn  nach  dem  Auftreffen  eines  Geschosses  die  Planzerplatte  wieder  zurückfedert,  das
Abreißen  der  Mutter  verhindert  wird.
Die  gewaltigen  Fortschritte  in  der  Entwickelung  der  Fabrikation  der  Geschütze  und
der  Panzerplatten  für  die  Kriegsmarinen  brachten  naturgemäß  auch  einen  Umschwung
in  dem  Bau  und  der  Armierung  der  Küstenbefestigungen  mit  sich,  welche  dazu  bestimmt
            
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