Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

732 Schiffbau. 
einem Schiff in Berührung kamen, hervorbringen ließen; er baute sogar ein Unterwasser 
boot, welches von einem Mann bewegt wurde und mit welchem er thatsächliche jedoch 
ohne Erfolg, sich einer englischen Fregatte näherte, um am Schiffsboden derselben eine 
Mine zu befestigen. Im Jahre 1797 nahm dann Fnlton diese Gedanken wieder auf 
und entwickelte in der Konstruktion von Unterwasserwaffen eine erstaunliche Erfindungs 
gabe. Er führte auch zuerst den Namen Torpedo, nach der lateinischen Bezeichnung für 
Zitterrochen, ein. Mit seinen Seeminen, Schlepp- und Spierentorpedos, sowie mit 
einem Unterwasserboot wußte er das Interesse Napoleons zu erwecken. Im Jahre 1801 
machte er alsdann in Brest eingehende Versuche mit einem Unterwasserboot und legte 
mit demselben vier Stunden lang eine Strecke von 15 Seemeilen unter Wasser zurück, 
ohne daß das Boot am Wasserspiegel sichtbar wurde. Trotz dieser anscheinend günstigen 
Erfolge ging Napoleon I. auf Fnltons Ideen nicht weiter ein. Als dann Fnlton auch 
in England für seine Erfindungen keine rege Unterstützung fand, kehrte er nach Amerika 
zurück, um sich ganz dem Ban von Dampfschiffen zu widmen. 
Seit dieser Zeit ruhte die Entwickelung der Unterwasserwaffen mehrere Jahrzehnte, 
bis der nordamerikanische Bürgerkrieg die Wichtigkeit derselben mehr in den Vordergrund 
brachte. Im besonderen bedienten sich die Südstaaten mit großem Geschick der Seeminen 
und Spierentorpedos, und durch dieselben wurden im ganzen 27 Schiffe zum Sinken 
gebracht bezw. kampfunfähig gemacht. Trotz 
dieser bedeutenden Erfolge der Unterwafferwaffen 
legte man denselben anfänglich keinen so großen 
Wert bei, da in diesem Kriege meist Schiffe 
älterer Konstruktion in Aktion traten, welche in 
größter Eile für den Krieg hergerichtet waren 
und durchweg gegen Unterwasserexplosionen in 
keiner Weise geschützt waren. Auch hielt man 
diese heimtückischen und hinterlistigen Waffen, 
welche ein Schiff gewissermaßen wehrlos, ohne 
Kampf, ohne Geschützfeuer und Pulverdampf, 
zum Sinken brachten, diesseit des Ozeans nicht 
7M. s-rührunssmin-. für ebenbürtig mit den bisherigen Kampfmitteln. 
Erst nachdem der österreichische Fregattenkapitän 
Luppis in den Jahren 1864—1868 im Verein mit dem Ingenieur Robert White- 
head dazu überging, den Torpedos eigene Bewegung zu geben und sie als automobile 
Torpedos gleich einem Geschoß auf das feindliche Schiff zu richten, wurde der Torpedo 
neben den Geschützen als Angriffswaffe bald allgemein anerkannt und in allen Kriegs 
marinen eingeführt. Und so ergab sich eine schnelle und glänzende Entwickelung des 
Torpedowesens, welche wiederum weitere Umwälzungen in dem Bau der Kriegsschiffe 
und Änderungen der Taktik zur See zur Folge hatte. 
Als Defensivwaffe hatten die sogenannten Seeminen seit Mitte des Jahrhunderts 
als Hafensperren und zum Schutz der Küsten und Flußmündungen in Verbindung mit 
den Küstenbefestigungen eine wichtige Rolle gespielt, da sie die feindlichen Schiffe ver 
anlaßten, in den Hafen mit größerer Vorsicht und geringerer Fahrt einzulaufen, und 
auf diese Weise das Feuer der Küsteugeschütze wirkungsvoller gestalteten. In der That 
wurde auch im Jahre 1848 der Hafen von Kiel durch Seeminen vor dem Einlaufen 
einer dänischen Flotte geschützt. Gleichen Erfolg hatten im Krimkriege die Seemiuen, 
welche den Hafen von Kronstadt sperrten, als eine englische Flotte denselben bedrohte. 
Im Jahre 1859 sperrte man den Hafen von Venedig mit Seeminen, 1866 dienten die 
selben zur Verteidigung von Triest und 1870/71 verhinderte» sie einen Angriff der franzö 
sischen Flotte auf die deutschen Küsten und Flußmündungen. 
Die älteren Seemineu waren sogenannte Berührungs- oder Kontaktminen, d. h. 
sie wurden durch den Stoß oder Kontakt eines Schiffes entzündet. Das Minengefäß 
bestand aus einem aus Eisenblech genieteten Schwimmkörper von eylindrischer oder 
birnenförmiger Gestalt, welcher mit einer Ladung Sprengstoff — meist nasse, gepreßte
	        
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