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einem Schiff in Berührung kamen, hervorbringen ließen; er baute sogar ein Unterwasser
boot, welches von einem Mann bewegt wurde und mit welchem er thatsächliche jedoch
ohne Erfolg, sich einer englischen Fregatte näherte, um am Schiffsboden derselben eine
Mine zu befestigen. Im Jahre 1797 nahm dann Fnlton diese Gedanken wieder auf
und entwickelte in der Konstruktion von Unterwasserwaffen eine erstaunliche Erfindungs
gabe. Er führte auch zuerst den Namen Torpedo, nach der lateinischen Bezeichnung für
Zitterrochen, ein. Mit seinen Seeminen, Schlepp- und Spierentorpedos, sowie mit
einem Unterwasserboot wußte er das Interesse Napoleons zu erwecken. Im Jahre 1801
machte er alsdann in Brest eingehende Versuche mit einem Unterwasserboot und legte
mit demselben vier Stunden lang eine Strecke von 15 Seemeilen unter Wasser zurück,
ohne daß das Boot am Wasserspiegel sichtbar wurde. Trotz dieser anscheinend günstigen
Erfolge ging Napoleon I. auf Fnltons Ideen nicht weiter ein. Als dann Fnlton auch
in England für seine Erfindungen keine rege Unterstützung fand, kehrte er nach Amerika
zurück, um sich ganz dem Ban von Dampfschiffen zu widmen.
Seit dieser Zeit ruhte die Entwickelung der Unterwasserwaffen mehrere Jahrzehnte,
bis der nordamerikanische Bürgerkrieg die Wichtigkeit derselben mehr in den Vordergrund
brachte. Im besonderen bedienten sich die Südstaaten mit großem Geschick der Seeminen
und Spierentorpedos, und durch dieselben wurden im ganzen 27 Schiffe zum Sinken
gebracht bezw. kampfunfähig gemacht. Trotz
dieser bedeutenden Erfolge der Unterwafferwaffen
legte man denselben anfänglich keinen so großen
Wert bei, da in diesem Kriege meist Schiffe
älterer Konstruktion in Aktion traten, welche in
größter Eile für den Krieg hergerichtet waren
und durchweg gegen Unterwasserexplosionen in
keiner Weise geschützt waren. Auch hielt man
diese heimtückischen und hinterlistigen Waffen,
welche ein Schiff gewissermaßen wehrlos, ohne
Kampf, ohne Geschützfeuer und Pulverdampf,
zum Sinken brachten, diesseit des Ozeans nicht
7M. s-rührunssmin-. für ebenbürtig mit den bisherigen Kampfmitteln.
Erst nachdem der österreichische Fregattenkapitän
Luppis in den Jahren 1864—1868 im Verein mit dem Ingenieur Robert White-
head dazu überging, den Torpedos eigene Bewegung zu geben und sie als automobile
Torpedos gleich einem Geschoß auf das feindliche Schiff zu richten, wurde der Torpedo
neben den Geschützen als Angriffswaffe bald allgemein anerkannt und in allen Kriegs
marinen eingeführt. Und so ergab sich eine schnelle und glänzende Entwickelung des
Torpedowesens, welche wiederum weitere Umwälzungen in dem Bau der Kriegsschiffe
und Änderungen der Taktik zur See zur Folge hatte.
Als Defensivwaffe hatten die sogenannten Seeminen seit Mitte des Jahrhunderts
als Hafensperren und zum Schutz der Küsten und Flußmündungen in Verbindung mit
den Küstenbefestigungen eine wichtige Rolle gespielt, da sie die feindlichen Schiffe ver
anlaßten, in den Hafen mit größerer Vorsicht und geringerer Fahrt einzulaufen, und
auf diese Weise das Feuer der Küsteugeschütze wirkungsvoller gestalteten. In der That
wurde auch im Jahre 1848 der Hafen von Kiel durch Seeminen vor dem Einlaufen
einer dänischen Flotte geschützt. Gleichen Erfolg hatten im Krimkriege die Seemiuen,
welche den Hafen von Kronstadt sperrten, als eine englische Flotte denselben bedrohte.
Im Jahre 1859 sperrte man den Hafen von Venedig mit Seeminen, 1866 dienten die
selben zur Verteidigung von Triest und 1870/71 verhinderte» sie einen Angriff der franzö
sischen Flotte auf die deutschen Küsten und Flußmündungen.
Die älteren Seemineu waren sogenannte Berührungs- oder Kontaktminen, d. h.
sie wurden durch den Stoß oder Kontakt eines Schiffes entzündet. Das Minengefäß
bestand aus einem aus Eisenblech genieteten Schwimmkörper von eylindrischer oder
birnenförmiger Gestalt, welcher mit einer Ladung Sprengstoff — meist nasse, gepreßte