Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Torpedowesen.  735

trieben,  besaß  am  Heck  zwei  Steuer,  welche  vom  Lande  aus  durch  Leinen  bewegt  wurden,
und  enthielt  am  Kopf  eine  Sprengladung,  welche  durch  einen  Perkussionszünder  zur
Detonation  gebracht  wurde.  Dieses  Modell,  welches  Luppis  Küstenretter  taufte,  mußte
wegen  der  Steuerung  vom  Lande  aus  an  der  Oberfläche  schwimmen  und  war  daher  den
Einflüssen  von  Wind  und  Wetter,  sowie  den  feindlichen  Blicken  preisgegeben.  Als  sich
daher  Luppis  zur  Vervollkommnung  seines  Torpedos  mit  dem  Ingenieur  Whitehead
vereinigte,  erkannte  dieser  sehr  bald,  daß,  um  den  Torpedo  lebensfähig  zu  gestalten,  es
notwendig  sei,  denselben  in  einer  bestimmten  Wassertiefe,  d.  h.  unsichtbar,  gegen  das
feindliche  Objekt  zu  bewegen  und  überdies  die  Triebkraft  desselben  zu  verbessern.  Als
solche  wählte  er  Druckluft,  die  sich  noch  heute  als  bestes  Mittel  zur  Fortbewegung  des
Torpedos  erhalten  hat.  Um  den  Torpedo  während  seines  Laufes  in  einer  bestimmten
Tiefenlage  unterhalb  der  Wasseroberfläche  zu  erhalten,  erfand  dann  Whitehead  den
sogenannten  Tiefenregulator.  Mit  eisernem  Fleiß  arbeitete  nun  Whitehead  mit  zwei
Arbeitern  und  seinem  zwölfjährigen  Sohn  persönlich  zwei  Jahre  lang  an  dem  Bau  eines
Torpedos.  Derselbe  war  aus  Stahlblech  gebaut,  hatte  Zigarrenform  mit  zugespitzten  Enden
und  ergab  bei  einer  Länge  von  3,85  na  und  einem  größten  Durchmesser  von  0,855  in  ein
Gewicht  von  136  kg.  Er  besaß  vorn  und  hinten  in  seinem  Längsschnitt  zwei  feste
Flossen  und  am  vorderen  Ende  ein  horizontal  liegendes,  drehbares  Flossenpaar,  welches
vom  Tiefenregulator  gestellt  wurde.  Die  Wirkung  desselben  beruht  auf  dem  wechselnden

Wasserdruck  in  verschiedenen  Tiefen  und  bestand  aus  einer  beweglichen  Ventilplatte,  auf
welche  von  außen  der  Wasserdruck,  von  innen  eine  Feder  drückt,  welche  für  bestimmte
Wassertiefen  eingestellt  werden  kann.  Geht  z.  B.  der  Torpedo  tiefer,  als  der  Federspannung
  entspricht,  so  treibt  der  überwiegende  Wasserdruck  die  Ventilplatte  nach  einwärts ­
  und  bewegt  hierdurch  die  horizontalen  Flossen  nach  oben,  so  daß  der  Torpedo
bei  der  Fahrt  nach  oben  abgelenkt  wird.  Läuft  der  Torpedo  zu  flach,  so  überwiegt  der
Federdruck  und  treibt  die  Ventilplatte  nach  außen;  die  Horizontalflossen  werden  dann
nach  unten  gedreht  und  bewirken  ein  Tiefergehen  des  Torpedos.  Die  Maschine  bestand
aus  zwei  oscillierenden  Cylindern,  welche  auf  eine  Kurbel  wirkten  und  eine  am  Hinterteil ­
  des  Torpedos  in  einer  Aussparung  der  vertikalen  Flossen  gelagerte  Schraube
treiben.  Die  Druckluft  von  25  Atmosphären  war  in  einem  Reservoir  aufgespeichert.  Die
Raumeinteilung  des  Torpedos  war,  von  vorn  beginnend,  folgende:  Zündspitze  mit  8  kg
schwerer  Sprengladung,  dann  die  Kammer  mit  dem  Tiefenregulator,  die  Maschinenkammer, ­
  das  Luftreservoir  und  das  Schwanzstück  mit  der  Schraube.  Bei  der  im  Jahre  1866
vorgenommenen  Erprobung  des  Torpedos  hielt  derselbe  bei  einer  Geschivindigkeit  von
6  bis  7  Knoten  im  allgemeinen  seine  Richtung  sowie  seine  Tiefenlage  inne  und  rechtfertigte ­
  demnach  die  von  Whitehead  gemachten  Verbesserungen.
Da  der  Torpedo  noch  erhebliche  Tiefenschwankungen  zeigte  —  bei  der  geringen
Masse  des  Torpedos  bewirkte  die  Bewegung  der  Horizontalflossen  eine  sehr  kräftige
Ablenkung  desselben  —  so  war  Whitehead  zunächst  darauf  bedacht,  den  Tiefenregulator
empfindlicher  zu  gestalten.  Er  fügte  daher  ein  Kontrollpendel  hinzu,  welches  mit  einem
zweiten,  vor  der  Schraube  angebrachten  Flossenpaar  in  Verbindung  stand  und  dem
vorderen  Flossenpaar  entgegenwirkend,  die  Ablenkungen  desselben  milderte.  Bei  horizontal
            
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