Automobile Torpedos. 739
Torpedolancier- oder Ausstoßrohre verfolgen den Zweck, den gefechtsbereiten Torpedo
vom Schiff ins Wasser zu befördern und demselben hierbei eine bestimmte Laufrichtung
zu geben. Sie haben daher dieselben Dienste zu verrichten wie die Kanonenrohre, nur
mit dem Unterschied, daß der Impuls des Torpedos nur ein geringer zu sein braucht,
da er im Wasser mit eigener Kraft sich fortbewegt. Mau verwendet daher zum Treiben
des Torpedos komprimierte Luft oder auch eine Pulverpatrone. Anfänglich baute man
die Lancierrohre in den Decks über Wasser ein und zwar entweder fest, in Bug und Heck,
so daß das Nichten des Torpedos allein mit dem Schiff erfolgen mußte, oder zum
Schwenken eingerichtet in der Breitseite, so daß das Richten des Torpedos bei beliebiger
Fahrtrichtung des Schiffes mit Hilfe des Rohres geschah. Um eine Ablenkung des
Torpedos beim Anftreffen aufs Wasser zu vermeiden, erhielten die Breitscitrohre nach
761. Lanriernng eines Torpedos.
außen eine löffelförmige Verlängerung, in welcher der Torpedo mit Hilfe seiner über
seinem Schwerpunkt angebrachten "P-förmigen Hängewarze so lange geführt wurde, bis
er horizontal frei herabfallen konnte. Da die Überwasserrohre den feindlichen Geschossen
ausgesetzt sind und daher im Gefecht durch einen Treffer leicht der Gefechtskopf dcS
Torpedos durchschlagen und zur Detonation gebracht werden kann, so ist man neuerdings
zu den Unterwasserlancierrohren übergegangen. Die Bauart dieser Rohre erforderte
jedoch wiederum eigenartige und ingenieuse Einrichtungen, da der Torpedo, sobald er
aus dem Rohr tritt, von den an der Schiffswand entlanggleitenden Wasserfäden abgelenkt
wird und überdies das Schwanzende desselben durch Anstoßen an die Schiffswand leicht
beschädigt werden kann. Es wurden daher starke Führnngsstangen aus dem Schiffskörper
vor dem Lancieren des Torpedos hinausgeschoben, welche selbst bei hoher Geschwindigkeit
genügende Festigkeit gegen den Wasserdruck besaßen und nach dem Torpedoschuß teil
weise selbstthätig zum Einrennen gebracht wurden. Die Unterwasserrohre erfordern
ferner besondere Schlensenschieber, welche das Innere des Rohres nach außenbords
abschließen, wenn der Torpedo ins Rohr eingeführt wird. Nach dem Schließen des
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