Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Posten  im  Altertum.  747

von  Ort  zu  Ort.  Viel  älter  ist  der  Gebrauch  brieflicher  Mitteilungen;  hat  man  doch  in
Ägypten  unter  Ruine»  Briefe  aufgefunden,  die  ans  dem  15.  Jahrhundert  v.  Chr.
herrührten  und  auf  Thontafeln  mit  babylonischer  Keilschrift  geschrieben  waren;  bekannt
ist  ferner  aus  der  Bibel  (II.  Buch  Samnelis  11,  14)  der  Uriasbrief,  den  König  David
an  Joab  schrieb;  auch  Homer  erlvähnt  einen  Brief,  und  Sappho  dichtete  im  7.  Jahrhundert ­
  (v.  Chr.)  ein  Rätsel,  dessen  Auflösung  wir  dem  Leser  überlassen:
Es  gibt  ein  Wesen,  dessen  zarte  Brut  Zu  allen  Menschen,  die  sie  hören  sollen,
Im  falt'gen  Kleide  seiner  Mutter  ruht;  Bon  Land  zu  Land  und  durch  der  Wogen  Grollen,
lind  sind  die  Kleinen  auch  der  Stimme  bar,  Selbst  der  Entfernteste  vernimmt  sie  noch;
Dringt  ihre  Sprache  dennoch  wunderbar  Er  hört  sie  nicht,  und  er  versteht  sie  doch.

Von  den  späteren  Griechen  und  Römern  haben  wir  ganze  Briefsammlungen  in  gebundener ­
  und  ungebundener  Rede,  die  in  jeder  Beziehung  den  schönsten  Erzeugnissen  der
klassischen  Litteratur  beigezählt  tverden.  Die  äußere  Form  der  Briefe  war  sehr  verschieden.
In  ältester  Zeit  beschrieb  man  Thon-  oder  Holztafeln  und  Lammfelle,  während  man  später
meist  kunstreich  ans  Papyrosrohr
  verfertigtes,  zartes  ägyptiches
  Papier  benutzte,  selbiges
parfümierte,  zierlich  zusammenrollte, ­
  mit  seidenen  Bändern
umwand  und  diese  mit  Siegeltvachs
  und  gestochenen  Petschaften ­
  oder  Ringen  schloß.
Ähnlich  den  persischen  waren ­
  auch  die  alten  römischen
Posteinrichtungen.  Schon  unter
der  Republik  mußten  die  in  den
Provinzen  reisenden  Beamten
von  den  Bewohnern  nach  gesetzlichen ­
  Bestimmungen  verpflegt ­
  und  mit  Vorspann  weiter
befördert  werden.  Ebenso  verschmähten ­
  die  Senatoren  nicht,
mit  Freipässen,  die  mehrere
Jahre  gültig  waren,  kostenfrei  765.  Komischer  Eilbote,
zu  reisen.  Cäsar  bediente  sich
immer,  wenn  er  sich  znm  Heere  begab,  einer  Tag  und  Nacht  fahrenden  Kalesche,  deren
Vorspann  ihm  gratis  geleistet  wurde.  In  den  Provinzen  unterhielten  die  Statthalter
Ordonnanzen  und  Eilboten  sowohl  für  ihre  amtlichen  Berichte  als  auch  für  Privatbriefe. ­
  Nach  dem  Falle  der  Republik  wendete  der  Kaiser  Augustus  der  Vervollkommnung ­
  der  postalischen  Einrichtungen,  welche  nunmehr  „cursus  publicus“  genannt
wurden,  seine  besondere  Aufmerksamkeit  zu,  weil  ihm  dieselben  zur  Beherrschung  des
großen,  weiten  Weltreiches  außerordentliche  Dienste  leisteten.  Er  führte  an  den  Hauptpunkten ­
  des  Reichs  auf  Kosten  der  Provinzen  Fahrposten  ein,  durch  deren  Vermittelung
er  seine  Befehle  und  Anweisungen  entweder  schriftlich  oder  durch  geeignete  Personen
mit  großer  Schnelligkeit  bis  an  die  äußersten  Grenzen  des  Reichs  gelangen  lassen
konnte,  und  die  ihm  zugleich  dazu  dienten,  von  wichtigen  Vorfällen  und  Ereignissen  in
den  Provinzen  und  den  angrenzenden  Ländern  in  kürzester  Frist  Kenntnis  zu  erhalten.
Der  kaiserliche  Postdienst  war  so  gut  geregelt,  daß  Augustus  Nachrichten  aus  Kleinasien
in  zwanzig,  aus  Parma  in  fünf  Tagen  empfing.  Zu  bemerken  ist  hierbei  jedoch,  daß,  wie
schon  oben  erwähnt,  alle  diese  Einrichtungen  lediglich  zu  Regierungszwecken  hervorgerufen
und  unterhalten  wurden,  und  daß  für  den  Privatverkehr  davon  kein  Gebrauch  gemacht
werden  konnte.  Zur  Übermittelung  privater  Nachrichten  und  Sendungen  mußte  man
daher,  wenn  sich  dazu  keine  andere  Gelegenheit  darbot,  besondere  Boten  verwenden.  So

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