Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Posteinrichtungen Frankreichs nnd Englands. 
welche jahrhundertelang unablässig darauf gerichtet gewesen war, ans dem Postwesen 
möglichst hohe Einkünfte zu erzielen. Die notwendige Folge dieses Schritts war die 
Herabsetzung des Portotarifs für den inneren Verkehr, denn man konnte für letzteren un 
möglich die hohen Portosätze beibehalten, nachdem man für den Auslandsverkehr die 
niedrigen Vereinstaxen angenommen hatte. Welchen Aufschwung des Verkehrs diese er 
lösende That zur Folge hatte, können wir am besten aus der nachfolgenden Vergleichung 
der Betriebsergebnisse der französischen Posten aus den Jahren 1876 nnd 1898 ent 
nehmen. In dem erstgenannten Jahre betrug die Zahl der beförderten Briefe 
420 Millionen, der Postkarten 27 Millionen, der Drucksachen, Zeitungsnummern, Ge 
schäftspapiere, Warenprobensendungen 415 Millionen, der Postanweisungen 7102000, 
der Briefe mit Wertangabe 1974000, die Gesamtzahl aller Postsendungen 871 Millionen; 
1898 war die Zahl der Sendungen angewachsen: bei den Briefen auf 983 Millionen, 
bei den Postkarten auf 60 Millionen, bei den Drucksachen, Zeitungsnummern, Geschäfts 
papieren, Warenprobensendungen auf 1417 Millionen, bei den Postanweisungen auf 
39 600000, bei den Briefen mit Wertangabe auf 8877 000 und bei allen Sendungen 
zusammen genommen auf 2573 Millionen. Demnach hat sich der Postverkehr in den 
22 Jahren um 295 Prozent, in jedem Jahre also durchschnittlich um mehr als 13 Prozent 
gesteigert. Im Jahre 1898 waren in Frankreich 9664 Postanstalten und 69859 Brief 
kasten vorhanden. Das Post- und Telegraphenpersonal bestand aus 72082 Beamten 
und Unterbeamten. Die Einnahmen aus dem Post- und Telegraphenwesen beliefen sich 
auf 200353856 Mark, die Ausgaben auf 147 777172 Mark, so daß sich ein Überschuß 
von 52 576 684 Mark ergab. In den vorstehenden Angaben sind die für Algerien mit 
enthalten, da dieses Land zum französischen Postgebiet gehört. 
Posteinrichtnngen Englands. Im Jahre 1481 legte Eduard IV. während 
des schottischen Krieges für Regierungszwecke Reitposten an, die stationsweise befördert 
wurden. Sie erhielten später größere Ausdehnung, aber noch zur Zeit der Königin 
Elisabeth bestand für das Publikum keine Postanstalt. Unter Jakob I. wurde in London 
eine Postanstalt für Briefe nach fremden Ländern „zum Besten der englischen Kaufleute" 
errichtet. Erst unter der Regierung Karls I. ums Jahr 1635 erfolgte die Einrichtung 
einer Postanstalt für inländische Briefe, deren Benutzung jedermann freistand. Im 
Jahre 1678 wurde die erste regelmäßig abgehende Postkutsche zwischen Edinburg und 
Glasgow errichtet. Die Entfernung beider Städte beträgt 44 englische Meilen; zur 
Überwindung aller Wegschwierigkeiten bedurfte man eines Vorspanns von nicht weniger 
als sechs Pferden und gelangte dennoch erst nach drei Tagen ans Ziel. Es ward schon als 
eine große Verbesserung angesehen, als die „Stage-Coach" jene kurze Strecke im Jahre 1750 
binnen 36 Stunden zurücklegte, während inan heute mit der Eisenbahn in einer Stunde 
von Edinburg nach Glasgow fährt. Im Jahre 1763 gab es zwischen Edinburg und London 
nur einmal monatlich eine „Stage-Coach-Verbindung", welche acht Tage zur Vollendung 
der Reise brauchte, wozu man heute wenig mehr als acht Stunden nötig hat. Die Zahl 
der Passagiere zwischen beiden Königsstädten betrug allmonatlich 25, und nur bei außer 
gewöhnlichen Gelegenheiten stieg sie auf 50. Der Fortschritt zeigte sich im Jahre 1835, 
indem damals schon mit der Post täglich 140 Personen von London nach Edinburg 
und umgekehrt fuhren, während eine mindestens gleiche Anzahl sich zum Fortkommen der 
Seedampfschiffe bediente. Der Verkehr zwischen beiden Städten war demnach 1835 bereits 
160mal so groß wie 1763. 
Mit den von Jahr zu Jahr wachsenden Bedürfnissen des allgemeinen Verkehrs 
lvurden insbesondere nach Entstehung der Eisenbahnen sowie der beschleunigten Personen 
beförderung die Gebrechen des Postwesens vornehmlich in Bezug auf Briefbefördernng 
und deren Kostspieligkeit immer empfindlicher, infolgedessen die Notwendigkeit einer Reform 
immer dringender. Den entscheidenden Antrieb zur britischen Postreform gab Rowland 
Hill in den Jahren 1837 bis 1840. Als das Eisenbahnwesen zu einer bedeutenden 
Verkehrsmacht emporwuchs und sich immer mehr entwickelte, als dessen Rückwirkung auf 
Handel und Wandel die Anforderungen des Publikums an die Posten immer höher
	        
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