Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Entwickelung  des  Postwesens  in  Österreich,  Ungarn  und  der  Schweiz.  767
schenkte  sie  besondere  Aufmerksamkeit  und  verschaffte  dem  bezüglichen  Verkehr  durch  Errichtung ­
  österreichischer  Postanstalten  an  verschiedenen  fremden  Hafenplätzen,  z.  B  Konstantinopel, ­
  Salonichi,  Beirut,  Alexandrien  u.  a.  sehr  schätzbare  Erleichterungen.  Die
Zahl  der  Pvstanstalten  und  Postverbindungen  im  Inneren  des  Landes  wurde  erheblich
vermehrt,  die  früher  ziemlich  hohen  Portvtaxen  erfuhren  eine  bedeutende  Ermäßigung,
und  verschiedene  andere  zweckmäßige  Einrichtungen  und  Anordnungen  trugen  zur  Hebung
des  Verkehrs  lvesentlich  bei.  Im  Jahre  1897  gab  es  in  Österreich  5658  Postanstalten  und
19  929  Postbriefkasten.  Post-  und  Telegraphenbeamte  waren  43  687  im  Dienste.  Befördert
wurden  im  ganzen  1096  Millionen  Postsendungen,  darunter  befanden  sich  606  Millionen
Briefe,  201  Millionen  Postkarten,  2>4  Millionen  Drucksachen,  Zeitnngsnnmmern,  Geschäftspapiere ­
  und  Warenprobensendungen,  22  394000  Postanweisungen,  45  326000
Pakete  und  5  597  000  Briefe  mit  Wertangabe.  Die  Einnahmen  betrugen  76001448
Mark,  die  Ausgaben  69  286  326  Mark.  Die  Beträge  ans  dem  Telegraphenwesen  sind
hierin  mit  enthalten.
Was  die  Posten  in  Ungarn  betrifft,  so  wurde  die  Verwaltung  derselben  ursprünglich
von  Wien  ans  geführt.  Später,  als  in  Österreich  die  Regierung  das  Postwesen  übernahm,
geschah  dies  auch  von  seiten  der  ungarischen  Regierung,  doch  befaßte  sich  diese  nur  mit
der  Briefpost,  lvährend  die  Fahrpost  in  Ungarn  von  der  obersten  Hofpostverwaltung  in
Wien  für  eigene  Rechnung  betrieben  wurde.  Dieses  Verhältnis,  welches  die  weitere  Ausbildung ­
  der  Posteinrichtnngen  nicht  ivenig  beeinträchtigte,  fand  erst  1849  seine  Endschaft,
als  Ungarn  die  selbständige  staatliche  Stellung  verlor  und  samt  seinem  Postwesen  in
österreichische  Verwaltung  genommen  wurde.  Auf  die  postalischen  Zustände  des  Landes
wirkte  diese  Veränderung  so  vorteilhaft  ein,  daß  eine  erhebliche  Besserung  der  Verhältnisse ­
  sehr  bald  zu  bemerken  war.  Bei  der  Zweiteilung  der  österreichisch-ungarischen
Monarchie  im  Jahre  1867  übernahm  die  ungarische  Regierung  die  Verwaltung  des  Postwesens ­
  des  Landes  im  ganzen  Umfange  und  führte  dieselbe  mit  sichtlichem  Erfolge  weiter.
Über  den  Stand  des  Postbetriebs  und  Postverkehrs  im  Jahre  1898  gewähren  die  nachfolgenden ­
  Angaben  einen  Überblick.  Die  Zahl  der  Postanstalten  betrug  4352,  die  der
Briefkasten  8649.  Im  Post-  und  Telegraphendienste  waren  19  781  Personen  beschäftigt.
Der  gesamte  Versendungsverkehr  umfaßte  441  Millionen  Gegenstände,  darunter  180  Millionen ­
  Briefe,  69  Millionen  Postkarten,  151  Millionen  Drucksachen,  Zeitungsnummern,  Geschäftspapiere
  und  Warenprobensendungen,  18678000  Postanweisungen,  286000  Postaufträge, ­
  20106000  Pakete,  1736000  Briefe  mit  Wertangabe.  Die  Einnahmen  aus
dem  Post-  und  Telegraphenwesen  bezifferten  sich  auf  34413000  Mark,  die  Ausgaben
auf  25  707000  Mark.
In  der  Schweiz  bildete  die  Post  vor  dem  Jahre  1798  keine  einheitlich  verwaltete
Verkehrsanstalt;  der  Betrieb  wurde  vielmehr  in  einzelnen  Kantonen  von  diesen  selbst
wahrgenommen,  in  anderen  hingegen  an  Privatunternehmer  abgetreten.  Demnach  gab  es
in  dem  an  und  für  sich  schon  kleinen  Lande  eine  Menge  von  Postgebieten,  welche  ihre
besonderen  Vorschriften  und  Einrichtungen,  auch  verschiedene  Tarife  hatten.  Diese  Zerrissenheit ­
  und  Ungleichheit  wirkten  natürlich  hemmend  auf  die  Fortentwickelung  des  Postwesens ­
  ein  und  waren  die  Ursache,  daß  letzteres  dem  allgemeinen  Verkehrsbedürfnisse
auch  nicht  im  entferntesten  zu  genügen  vermochte.  Es  kann  nicht  befremden,  daß  unter
solchen  Verhältnissen  zur  notwendigen  Ergänzung  der  Verkehrseinrichtungen  noch  Privatbotenanstalten ­
  hinzukamen,  welche  freilich  die  Verwirrung  noch  vermehrten,  so  daß  die
Post  in  der  Schweiz  zu  jener  Zeit  ein  Bild  der  Unordnung  und  Zerfahrenheit  darbot,
wie  tvir  es  uns  bei  unseren  jetzigen  musterhaften  postalischen  Zuständen  kaum  noch  vorstellen ­
  können.  Nach  Gründung  der  helvetischen  Republik  im  obenerwähnten  Jahre  ging
man  dazu  über,  das  Postwesen  für  das  ganze  Gebiet  der  schweizerischen  Eidgenossenschaft
nach  einheitlichen  Grundsätzen  zu  regeln  und  einer  einzigen  Verwaltungsbehörde  zu  unterstellen. ­
  Aber  schon  nach  fünf  Jahren  gab  man  gleichzeitig  mit  der  neuen  Regierungsform
auch  diesen  ersten  Versuch  zur  Zusammenfassung  der  postalischen  Einrichtungen  wieder
auf  und  kehrte  damit,  daß  man  den  Kantonen  die  Postgerechtsame  von  neuem  übertrug,
            
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