Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Posten  und  Postwesen.

wurde  die  Post  zum  Regal  erklärt,  doch  übernahm  die  Regierung  die  Verwaltung  des
Postwesens  nicht  sogleich  selbst,  sie  verpachtete  dasselbe  vielmehr  noch  auf  mehrere  Jahre.
Erst  1716,  nach  Auflösung  des  Pachtverhältnisses  begann  die  Wirksamkeit  der  Post  als
unmittelbare  Staatsanstalt.  Durch  Einführung  von  Verbesserungen,  namentlich  von
billigen  Taxen,  und  durch  sonstige  zweckmäßige  Einrichtungen  tvurde  der  Postverkehr  so
gehoben,  daß  aus  demselben  schon  im  Jahre  1738  eine  Reineinnahme  von  3203000  Realen
erzielt  tvurde.  Das  war  zu  jener  Zeit  eine  sehr  bedeutende  Summe.  Bald  darauf  folgte
die  Einrichtung  von  Eilwagenfahrten  durch  einen  gewissen  Diego  Rudolph,  welcher  sich
zugleich  anheischig  machte,  an  den  Straßen,  auf  welchen  diese  Fahrten  stattfanden,  zur  Bequemlichkeit ­
  der  Reisenden  Gasthäuser  zu  erbauen.  Das  Unternehmen  gewann  bald  eine
große  Ausdehnung  und  trug  mit  anderen  Berkehrserleichterungen  dazu  bei,  das  Postwesen
auf  eine  sehr  hohe  Stufe  der  Vervollkommnung  zu  bringen.  Schon  im  Jahre  1764
wurde  staatlicherseits  eine  regelmäßige  Postverbindung  zwischen  Spanien  und  den  Kolonien
dieses  Landes  in  Amerika  hergestellt.  Die  zur  Beförderung  der  Postsachen  benutzten  Schiffe
verkehrten  einmal  monatlich  zwischen  der  spanischen  Hafenstadt  Coruña  und  dem  westindischen
Hafenplatze  San  Cristobal  de  la  Habanna.  Die  politischen  Ereignisse,  welche  gegen  Ende
des  18.  Jahrhunderts  sich  in  Frankreich  vollzogen,  und  später  die  langen,  andauernden
Kriegswirren  im  eigenen  Lande  übten  auf  das  Verkehrsleben  Spaniens  eine  beinahe
vernichtende  Wirkung  ans,  und  erst  in  den  40  er  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  gelang
es  den  Anstrengungen  des  an  die  Spitze  der  Verwaltung  gestellten  Grafen  de  Quinto,
die  postalischen  Zustände  des  Landes  wieder  einigermaßen  in  Ordnung  zu  bringen.  Bei
der  Neuregelung  des  Betriebsdienstes  nahm  man  ans  die  Bedürfnisse  des  Reiseverkehrs
durch  Wiedereinrichtung  von  Eilwagenkursen  besondere  Rücksicht,  denn  mit  dem  Eisenbahnbau
  war  man  damals  in  Spanien  noch  weit  zurück.  Eine  Fahrt  auf  solchem  Kurse  wird
uns,  wie  folgt,  geschildert:  „Die  Maultiere  sind  paarweise  voreinander  gespannt,  oft
acht,  zehn  und  zwölf,  mit  buntem  Kopfzeug  und  Schellengeläuten  geschmückt  und  durch
Riemen  und  Geschirr  miteinander  sehr  einfach  verbunden.  Auf  dem  Rücken  bis  zur  Hälfte
des  Bauches  sind  diese  Tiere  geschoren,  damit  sie  nicht  so  von  Ungeziefer  und  Schweiß  zu
leiden  haben.  Die  Bespannung  ist  derart,  daß  die  Stränge,  aneinander  ohne  Wage  geknüpft, ­
  bis  unter  dem  Sitze  des  Majorats  (Kondukteurs)  zusammenlaufen,  und  daß  man
von  Zügeln  und  Leitseilen,  außer  bei  den  Deichselpferden,  auch  nicht  viel  gewahr  wird.
Der  Ruf  des  Führers  und  die  gute  Abrichtung  der  Tiere  ist  die  Hauptsache,  und  man
wird  es  in  Deutschland  gar  nicht  für  möglich  halten,  daß  so  ein  langer  Postzug  vom  Bocke
aus  im  vollsten  Trabe  und  Galopp  gelenkt  tverden  kann.  In  den  engen  Straßen  der
Städte  bei  schroffen  plötzlichen  Biegungen  und  Wendungen  oder  bei  gefährlichen  Stellen
rennt  dann  der  Zagal  (Fuhrmann)  neben  den  Tieren  her,  ergreift  mit  Blitzesschnelle  das
vorderste  bei  der  Halfter,  galoppiert  über  die  gefährliche  Stelle  weg,  schwingt  sich  wieder
gewandt  auf  seinen  Sitz  und  unter  dem  Gebrülle:  auäa,  arriba  a  la  montana,  Cabrera,
Gitana  u.  s.  w.  stürmt  der  Postwagen  vorwärts.  Der  Spanier  ist  ein  vortrefflicher  Fuhrmann, ­
  insbesondere  versteht  der  Katalonier  die  Kunst,  bei  schlechten  Wegen  schnell  und
sicher  zu  fahren.  Das  spanische  Fuhrwesen  zeigt  viel  Eigentümliches,  und  der  Fremde
wird  beim  Anblick  desselben  vielleicht  ebenso  überrascht,  als  um  Hals  und  Beine  besorgt
gemacht."  So  waren  die  Postbetriebsmittel  in  Spanien  vor  40  Jahren  beschaffen;  heutzutage ­
  freilich,  wo  die  Eisenbahnen  ihr  Netz  auch  über  dieses  Land  ausgebreitet  haben
und  meist  nur  noch  Nebenkurse  von  Posten  befahren  werden,  tvird  man  ähnliche  Postzüge ­
  wohl  kaum  noch  antreffen.
Bon  den  Fortschritten,  welche  das  spanische  Postwesen  in  den  Jahren  1875  bis  1897
gemacht  hat,  legen  die  nachstehenden  Zahlen  Zeugnis  ab.  Von  diesen  beziehen  sich  die
nicht  in  Klammern  eingeschlossenen  auf  das  Jahr  1897,  die  eingeklammerten  hingegen
auf  das  Jahr  1875.  Der  Postdienst  wurde  bei  2929  (2494)  Postanstalteu  von  10425
(7370)  Beamten  und  Unterbeamten  versehen.  Briefkasten  waren  12  542  (350)  vorhanden. ­
  Zur  Versendung  kamen  129189000  (79  Millionen)  Briefe,  1057  000  (1376000)
Postkarten,  120200000  (51393000)  Drucksachen,  Zeitungsnummern,  Geschäftspapiere
            
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