Berichte über die Lage gebracht, die er vorlas oder
dem Präsidenten überreichte.
Aus Minuten wurden Stunden. Was in der Gruppe
im Weißen Haus besprochen wurde, wußte die Finanz-
welt. Andere Firmen und Personen konnten Maß-
regeln treffen, um sich gegen den unvermeidlichen Zu-
sammenbruch zu sichern, aber Morgan, für den viel
auf dem Spiel stand, saß ruhig da und hörte zu. Man
fragte ihn nicht nach seiner Meinung; der Präsident
versuchte, mit seinen offiziellen Ratgebern einen Aus-
weg aus den Schwierigkeiten zu finden, und hielt
immer noch an seinem Entschluß fest, wenn möglich,
die Hilfe von Wall Street nicht in Anspruch zu neh-
men. Schließlich aber besagte ein telephonisch über-
mittelter Bericht, daß die Filiale des Schatzamts in
New York nur noch 9 Millionen Dollar in Gold
hatte.
Jetzt brach Morgan sein Schweigen und sagte:
„Herr Präsident, der Schatzsekretär weiß von einem
fälligen Scheck über 12 Millionen. Wenn dieser Scheck
präsentiert wird, ist alles aus!”
Carlisle hatte ihm am Abend vorher im Hotel von
diesem Scheck erzählt,” und er hatte während der
ganzen Zeit unablässig an ihn gedacht. Carlisle be-
stätigte Morgans Worte sofort. Nun wandte sich der
Präsident das erstemal an Morgan: „Was haben Sie
vorzuschlagen?“
Für einen Mann wie John Pierpont Morgan, der
gewohnt war, stets die Initiative zu haben, zu sagen
„Tun Sie dies’ oder „Tun Sie jenes‘, war es eine Tor-
tur gewesen, den ganzen Vormittag schweigend und
untätig im Weißen Haus zu sitzen. Nun überstürzten
* Nach einer anderen Lesart hatte Morgan selbst diesen
Scheck in Besitz und benützte ihn nun als Druckmittel.
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