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Posten und Postwesen.
jede Division eine Feldpostexpedition etabliert. Das Personal einer jeden Feldpostanstalt
besteht aus 3 — 7 Beamten und der erforderlichen Anzahl von Feldpostschaffnern und
Postillonen. Ferner wird dieselbe mit der nötigen Zahl von Pferden und Fahrzeugen
versehen und mit den für den Postbetrieb bestimmten Utensilien, Drucksachen u. s. w. aus
gerüstet, so daß sie jederzeit selbst auf freiem Felde ihre Thätigkeit aufnehmen kann.
Die Sendungen für die Truppenteile werden von den Feldpostanstalten durch Ordonnanzen
abgeholt. Der Feldwebel nimmt dann die Verteilung vor, sowie er es auch ist, der die
von seinen Soldaten geschriebenen Briefe zur Weiterbeförderung sammelt. Bei Adressierung
der Soldatenbriefe ist natürlich die Angabe des Truppenteils, des Regiments, der Com
pagnie, Schwadron, Batterie erforderlich, da der Absender ja nie zuverlässig wissen kann,
wo der Adressat sich befindet. Die Beförderung der Sendungen durch die Feldpost er
folgt größtenteils portofrei.
Wie großartig die Leistungen der deutschen Feldpost im Kriege gegen Frankreich
in den Jahren 1870 — 71 waren, geht zur Genüge daraus hervor, daß durch die
deutschen Feldpostanstalten in der Zeit vom Beginn des Krieges (Juli 1870) bis zum
31. März 1871 über 89 Millionen Briefe und zwei Millionen Zeitungsexemplare be
fördert worden sind. Die Thätigkeit der Feldpost erstreckte sich aber nicht bloß auf die
Beförderung von Briefen und Zeitungen, sondern auch auf die Zuführung von Packereien
an die Soldaten. Die Zahl dieser Gegenstände betrug in derselben Zeit beinahe
zwei Millionen.
Bevor die Briefe u. s. w. an die Feldpostanstalten gelangten, wurden sie nach den
Truppenteilen, für die sie bestimmt waren, bereits im Jnlande sortiert und zu dem Be
hufe von den Postanftalten auf Sammelstellen geleitet, deren sich je eine in Berlin,
Hamburg, Leipzig, Kassel, Köln, Frankfurt a. M. und Saarbrücken befand. Bei diesen
Sammelstellen waren sehr viele Personen, bei der Sammelstelle in Berlin beispielsweise
zu gewissen Zeiten 150 Mann thätig. Zur Zeit des regsten Verkehrs wurden allein bei
der Sammelstelle in Berlin täglich 130 000 gewöhnliche Briefe und beinahe 3000 Geld
briefe expediert.
Die Beförderung der Feldpostbriefe zur Armee erfolgte von Berlin aus mit dem
um 8^2 Uhr abends vom Anhaltischen Bahnhöfe nach Frankfurt a. M. abgehenden
Kurierzuge, und zwar in einem für diesen Zweck besonders eingestellten Postwagen. Zum
Transport der Briefsäcke von der Sammelstelle nach dem Bahnhöfe waren 5 bis 7 zwei-
spännige Güterpostwagen erforderlich.
Taubenpost. Erwähnenswert ist eine andere Einrichtung, welche mit der Brief
beförderung im Zusammenhange steht. So gut die Zugvögel von ihren weiten Reisen
den Rückweg nach ihrer Heimat zu finden wissen, so kehren auch unsere Haustauben dahin
zurück, von woher sie ausgeflogen sind. Auf Grund dieser Wahrnehmung hat man schon
in den frühesten Zeiten Brieftauben als Boten verwendet, namentlich im Orient, wo
man sich dazu der türkischen Taube bediente und heute noch bedient. Schon der griechische
Dichter Anakreon (530 v. Chr.) spricht von den Tauben als Briefboten. Auch den
Römern war der Taubenpostdienst bekannt. Die Sarazenen unterhielten im 12ten und
13ten Jahrhundert viele Verbindungen durch Tauben. Kaufleute zu Aleppo ließen sich
vor mehr als 200 Jahren die Ankunft von Schiffen im Hafen von Alexandrette durch
Brieftauben melden. Holländische Schiffer, die in Ägypten den Wert des Taubenpost-
dienstes kennen gelernt hatten, verpflanzten ihn im 16 ten Jahrhundert nach Europa. Er
wurde bei der Belagerung von Haarlem und Leyden im Jahre 1573 mit großem Nutzen
angewandt. Napoleon I. machte zur Übersendung von Nachrichten gleichfalls von Brief
tauben Gebrauch. In neuerer Zeit bedienten sich die Bankiers der großen Wechselplätze
der Tauben als Briefträger, um Nachrichten über den Stand der Kurse schnell weiter zu
befördern. Doch hat der Entwickelungsgang der elektrischen Telegraphie auch dieses ver
hältnismäßig schnelle und leichte Verkehrsmittel zurückgedrängt. — Die zu Briefträgern
bestimmten Tauben werden an ihren Bestimmungsort gebracht und dort, nachdem man
ihnen den in Wachs getränkten Brief unter dem Flügel an die Fußwurzcl befestigt, los-