Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Der  telegraphische  Verkehr  in  Württemberg,  in  der  Schweiz  und  in  Großbritannien.  849
Zur  Belebung  des  internen  Telegraphenwesens  in  der  Schweiz  hat  auch  die  Einführung ­
  eines  für  das  ganze  Bundesgebiet  einheitlichen  Worttarifs  beigetragen  (30  Centimes,
dazu  2!/ 2  Centimes  für  jedes  Wort).  Im  Jahre  1896  hatte  die  Schweiz  1936  Telegraphenanstalten, ­
  7145  km  Linien  und  20308  km  Drähte.
Bei  dem  Telegraphenverkehr  hat  sich  das  allgemein  gültige  Verkehrsgesetz,  daß  die
Ermäßigung  jedes  Tarifsatzes  nicht  nur  eine  verhältnismäßig  weit  höhere  Belebung  des
Verkehrs  zur  Folge  hat,  sondern  auch,  den  Vorteilen  des  Massenumsatzes  und  der  besseren
Ausnutzung  der  Verkehrsmittel  entsprechend,  schließlich  auf  die  Ertragsfähigkeit  der  Verkehrsanstalt ­
  selbst  wohlthätig  zurückwirkt,  ebenfalls  bewährt,  insbesondere  nach  der  allgemeinen ­
  Einführung  des  Worttarifs.  Wenn  auch  überall  die  Wahrnehmung  gemacht
worden  ist,  daß  mit  der  Steigerung  des  Telegrammverkehrs  die  Einnahmen  nicht  in
demselben  Verhältnis  gewachsen  sind,  so  ist  dies  noch  kein  Beweis,  daß  das  finanzielle
Ergebnis  ein  ungünstiges  gewesen  ist.  Die  Leistungen  der  Telegraphenverwaltungen
haben  in  den  Einnahmen  ein  entsprechendes  Entgelt  gefunden,  weil  die  Telegramme
kürzer  geworden  sind,  d.  h.  das  Publikum  hat  gelernt,  sich  kürzer  und  präziser
auszudrücken  und  sich  immer  mehr  an  die  Anforderungen  unserer  raschlebigen  Zeit
zu  gewöhnen.
In  solchem  Sinne  hält  uns  die  Telegraphie  den  praktischen  Satz,  daß  Zeit  Geld  ist,
mehr  als  jede  andere  Erfindung  in  Erinnerung.  Im  Jahre  1873  passierten  nahe  an
40  000  Telegramme  die  europäisch-indischen  Linien.  Ein  Brief  brauchte  durchschnittlich ­
  42  Tage,  um  von  Europa  nach  Indien,  Australien  oder  China  zu  gelangen,
ein  Telegramm  nicht  mehr  als  höchstens  zwei  Tage.  Dies  ergibt  für  jedes  Telegramm
einen  Gewinn  von  40  Tagen,  für  die  40  000  Telegramme  somit  einen  Zeitgewinn  von
40  Jahrhunderten;  die  nämliche  Berechnung  auf  die  Telegramme  angewendet,  welche
jährlich  die  transatlantischen  Kabel  durchlaufen,  ergibt  einen  noch  höheren  Zeitgewinn,
so  daß  durch  die  gegenwärtig  bestehenden  transozeanischen  Telegraphen  in  jedem  Jahre
die  Zeit  von  mehr  als  10  000  Jahren  gewonnen  wird.
Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  natürlich  die  möglichst  weite  Verzweigung  eines  gut
organisierten  Telegraphennetzes  in  Staaten  von  großer  Ausdehnung  oder  in  Reichen,  deren
Teile  durch  weite  Entfernungen  getrennt  sind,  wie  Großbritannien  mit  seinen  indischen
Besitzungen  und  Kolonien,  ferner  das  weit  ausgedehnte  russische  Reich,  endlich  Amerika.
Über  die  mehrfache  telegraphische  Verbindung  zwischen  England  und  Indien  ist  schon
früher  gesprochen  worden;  der  Dienst  in  Indien  selbst  ist  auf  allen  Stationen  des  weitverzweigten ­
  Telegraphennetzes  vortrefflich  geregelt,  und  die  Beförderung  der  Telegramme
erfolgt  mit  großer  Präzision  wie  auf  den  besten  europäischen  Telegraphenämtern,  obschon
auf  allen  Stationen  auch  Hindus  beschäftigt  sind,  die  sich  übrigens  für  diese  Thätigkeit
besonders  geschickt  zeigen.  Durch  die  neuere  Gebührenberechnung  unter  Einführung  des
Worttariss  ist  der  Verkehr  bedeutend  erleichtert  und  beträchtlich  erweitert  worden.  Im
Jahre  1896  umfaßte  das  indische  Telegraphennetz  80  993  km  Linien  mit  249  267  km
Leitung;  in  demselben  Jahre  wurden  dort  5  713  227  Telegramme  befördert.  Die  Gesamteinnahme ­
  belief  sich  auf  21  583  585  Frank.
Weiterhin  haben  die  Engländer  auch  für  eine  gute  Telegraphenverzweigung  in
ihren  Besitzungen  am  Kap  der  guten  Hoffnung  Sorge  getragen,  wo  im  Jahre  1889
7257  km  Linie  mit  18  219  km  Leitungen  und  404  Telegraphenanstalten  dem  Verkehr
übergeben  waren.  Der  früher  gebräuchliche  Zonentarif  ist  im  Jahre  1882  einem  neuen
Worttarif  gewichen,  indem  für  ein  gewöhnliches  Telegramm  bis  zu  zehn  Worten  1  Schilling
und  für  jede  weiteren  fünf  Worte  6  Pence  als  Beförderungsgebühr  festgesetzt  wurden.
In  Australien  selbst  haben  die  Telegraphenlinien  ebenfalls  schon  eine  ziemliche  Ausdehnung ­
  erlangt;  jede  der  vier  Provinzen,  Queensland,  Neusüdwales,  Viktoria  und
Südaustralien,  hat  ihr  eigenes  telegraphisches  Netz,  das  sich  täglich  weiter  ausdehnt;  die
Zahl  der  im  Jahre  1885  durch  sämtliche  Provinzen  sowie  durch  Tasmanien  und  Neuseeland ­
  beförderten  Telegramme  belief  sich  auf  nahe  an  3  Millionen.
Rußland  hat  eine  außerordentliche  Thätigkeit  entwickelt,  um  nach  allen  Richtungen
hin  Telegraphenlinien  über  sein  weithin  gedehntes  Gebiet  auszuspannen.  Trotz  aller
            
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