Fernsprechverbiiidimgsanlagen. 857
die Linien Berlin-Paris mit 1200 km Doppelleitung, Berlin-Budapest mit 970 km
(Reichsgebiet 542 km), Berlin-Wien mit 661 km (Reichsgebiet 227 km), Berlin-
München mit 660 km (Reichsgebiet325 km), Berlin-Köln (Rhein) mit 632 km, Berlin-
Frankfurt (Main) mit 571 km, Berlin-Amsterdam mit 838 km, Berlin-Rotterdam mit
858 km, Köln-Brüssel mit 231 km, Köln-Antwerpen mit 275 km, Berlin-Kopenhagen
mit 785 km, Berlin-Posen-Königsberg-Meinel mit 1032 km, Berlin-Breslau mit
355 km u. s. w. Mittels der Verbindungsanlagen wurden täglich nicht weniger als
238134 Gespräche geführt, was für das ganze Jahr rund 87 Millionen Verbindungen ergibt.
Sehr bedeutende Ausdehnung haben die Berbindungsanlagen in Amerika gewonnen.
Die größte Entfernung, auf welche ein regelmäßiger Fernsprechverkehr bisher eingerichtet
worden ist, dürfte diejenige zwischen New Jork und Chicago mit 1600 km sein. Dann
folgen die Verbindungsanlagen zwischen Kansas City und St.Louis mit 515 km, Milwaukee-
Oskosh mit 282 km, Boston-Portland mit 187 km, Worcester-Springfield mit 160 km u.s.w.
Frankreich hat Verbindungsanlagen hergestellt zwischen Paris und allen wichtigeren Orten,
insbesondere mit Lille, Valenciennes, Rouen, Havre, Reims, Nancy, Lyon, Bordeaux u.s.w.
Ferner bestehen internationale Verbindungen zwischen Paris einerseits und London,
Brüssel und Amsterdam anderseits. England zählt ebenfalls eine große Anzahl Ver
bindungsanlagen zwischen den Hauptindustrieorten und den Nachbarorten, z. B. zwischen
London und Glasgow, Edinburg, Liverpool und den bedeutenderen Häfen, verschiedene
Kabelverbindungen mit Irland u. s. w. Zu erwähnen sind noch die Verbindungen zwischen
Liverpool und Accrington, Ashton, Blackburn, Blackpool, Bolton, Burnley, Bury u. a. m.;
zwischen Manchester und Salford; zwischen Newcastle und Sunderland, Southshields,
Northshields; zwischen Glasgow und Edinburg, Greenock, Paisley, Coatbridge, Dumbarton
und Hamilton; zwischen Birmingham und Wolverhampton, Wednesbury, zwischen Cardiff
und Newport u. a. In Schweden sind ebenfalls zahlreiche Verbindungsanlagen vor
handen. Erwähnt seien die Verbindungen Stockholm-Gotenburg, Stockholm-Christiania
und Stockholm-Kopenhagen. Eine große Anzahl von Fernsprechverbindungsanlagen
findet sich auch in der Schweiz.
Die Herstellung von Fernsprechverbindungsanlagen ist häufig mit nicht unerheblichen
Schwierigkeiten verbunden. Solange es sich nur um die Anlage einer Verbindungs
leitung zwischen zwei verschiedenen Orten handelt, läßt sich die Ausführung dadurch er
reichen, daß ein besonderes Gestänge hergerichtet und an diesem die Leitung angebracht
wird. Macht sich dagegen das Bedürfnis nach mehreren Verbindungsleitungen geltend,
so müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden, um die Induktion zwischen denselben
zu beseitigen. Das Wesen der Induktion besteht bekanntlich darin, daß, wenn in einem
von mehreren nebeneinander verlaufenden Metalldrähten ein elektrischer Strom erregt
wird, in jedem der übrigen Drähte ein dem Hauptstrome entgegengesetzt gerichteter
sogenannter Jnduktionsstrom entsteht. Dieser Vorgang vollzieht sich auch bei allen
Telegraphenleitungen, die durch Morse-, Hughes- oder sonstige Apparate bedient werden,
ohne indes auf den Betrieb schädlich einzuwirken, weil die Jnduktionsströme nur von sehr
kurzer Dauer sind und die verhältnismäßig schwerfälligen Morseapparate u. s. w. nicht
zum Ansprechen bringen können. Anders dagegen verhält sich die Sache mit dem Fern
sprecher, der bei seiner überaus großen Empfindlichkeit selbst auf die geringsten elektrischen
Ströme anspricht, so daß, wenn in einer Leitung gesprochen wird, in allen übrigen
Leitungen die geführte Unterhaltung genau mitgehört wird. Die Frage der Be
seitigung der Jnduktionserscheinungen in Fernsprechleitungen hat die Techniker lange Zeit
vergeblich beschäftigt; gleichwohl ist es gelungen, auch dieser Schwierigkeit Herr zu werden.
Seit dem Jahre 1885 ist die deutsche Reichstelegraphcnverwaltung damit vorgegangen,
induktionsfreie Fernsprechleitnngen nach einem einfachen System herzustellen. Dasselbe
besteht darin, daß die zweite, dritte u. s. w. Leitung mit einer Rücklcitung versehen und
die so gebildeten Schleifleitungen an bestimmten Punkten gekreuzt werden, wie in der
Abb. 835 angedeutet ist. Dadurch werden in den Schleifleitungen stets gleichstarke, aber
entgegengesetzt gerichtete Jnduktionsströme erzeugt, die sich gegenseitig aufheben oder ver
nichten, so daß in jeder Leitung unabhängig von den anderen Leitungen gesprochen werden
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