860
Die Welttelegraphie.
Die Anforderuitgen, welche an die Einrichtung einer Fernsprechvermittelungsanstalt
gestellt werden müssen, wachsen nicht in gleichem Verhältnis mit der Zahl der Teilnehmerleitungen,
sondern in einem wesentlich höheren. Daher kommt es, daß Einrichtungen,
welche für kleinere Fernsprechnetze ihren Zweck vollständig erfüllen, für größere Fernsprechanlagen
unzureichend sind, und daß wiederum auch die Einrichtungen großer Vermittelungsanstalten
sich als unvollkommen erweisen, sobald eine weitere Steigerung der
Teilnehmerzahl eintritt. Die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten hat man zunächst
dadurch zu umgehen versucht, daß man statt einer Vermittelungsanstalt mehrere solche
einrichtete. Die Vermehrung der Vermitteluugsanstalten ist aber für den Betrieb nicht
förderlich, lveil die Verbindung der an zwei verschiedene Vermittelungsanstalteu angeschlossenen
Teilnehmer in der Regel die Mitwirkung von drei Beamten und demnach
auch mindestens die dreifache Zeit beansprucht. Abgesehen von den höheren Betriebskosten,
welche das Verfahren erfordert, entstehen für die Teilnehmer durch die verzögerte
Ausführung der Verbindungen viele Unbequemlichkeiten, und es leidet auch die Sicherheit
des Betriebes in nicht geringem Maße. Gleichwohl wird man dieses Auskunftsmittels
nicht immer entraten können. Schon jetzt sind nach dieser Richtung bedeutende Fortschritte
837. Linke untere Gcke eines Klappcnschrankes.
838. Stromtaufskixxr.
zu verzeichnen, so daß es möglich geworden ist, in einer Vermittelungsanstalt bis zu
12 500 Teilnehmerleitungen unterzubringen, während man anfangs nicht wagte, mehr
als etwa 200 Teilnehmerleitungen in einer Vermittelungsstelle zu vereinigen.
Die für eine Fernsprechvermittelungsanstalt erforderlichen Apparate bestehen der
Hauptsache nach in der Anrufsvorrichtung, durch welche die Beamten der Vermittelungsstelle
seitens der Teilnehmer von ihrem Wunsche, mit anderen Teilnehmern sprechen zu
wollen, benachrichtigt werden, und in der Umschaltevorrichtung, mittels deren die einzelnen
Teilnehmerleitungen untereinander verbunden werden.
Als Anrufsvorrichtung wird allgemein ein
elektromagnetisches Apparatsystem verwendet. Über
einem Elektromagneten ist ein leicht drehbarer Anker
angebracht, welcher im Ruhezustände mittels eines
aufgesetzten Häkchens eine Fallscheibe festhält. Geht ein elektrischer Strom durch die
Drahtumwindungen des Elektromagneten e (Abb. 836), so erfolgt die Anziehung des
Ankers A, und die bisher durch das Häkchen II festgehaltene Scheibe wird durch eine
kleine Blattfeder B abgedrückt, bzw. zum Fallen gebracht, wobei sie sich auf den kleinen
Stift I auflegt. Hinter der Fallscheibe befindet sich die Nummer der mit dem betreffenden
Anrufsapparat verbundenen Teilnehmerleitung, und der Beamte wird daher durch
das Fallen der Klappe sofort in Kenntnis gesetzt, welcher Teilnehmer zusprechen wünscht.
— Die von den verschiedenen Verwaltungen benutzten Anrufsapparate stimmen im