Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Die geschlossene Hauswirtschaft. Die Stadtwirtschaft. 
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Das Geld wird weniger zur Vermittelung des Tausches gebraucht wie als Wert 
messer, als Mittel der Wertübertragung bei Abgaben, Bußen und Entschädigungen, 
endlich zur Wertaufbewahrung, zur Schatzbildung. Dementsprechend behielten alle älteren 
Geldsorten, selbst die unedlen Metalle lange die Form von Gebrauchsgegenständen bei, 
so daß sie ebensowohl als Geld wie zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung verwendet 
werden konnten. Es sei hier nur an die spiralig gewundenen Metallreifen erinnert, die 
den verschiedensten Völkern als Schmuck wie als Geld dienten. Darlehen kommen zwar 
bereits vor, sie sind aber Konsumtivkredite, hervorgegangen aus dem gegenseitigen Aus 
helfen beim Mißraten der Ernte, bei Unfällen, welche die Vorräte einer einzelnen Wirt 
schaft vernichten. Denn mit der Entwickelung geschlossener Wirtschaftseinheiten hat auch 
der Anspruch auf Mitgenuß, den wir in älterer Zeit finden, aufgehört; dementsprechend 
sind die Darlehen auch zumeist unverzinsliche, das verzinsliche Gelddarlehen ist etwas 
dem Wesen der geschlossenen Hauswirtschaft ebenso Fremdes und Widersprechendes wie 
der Tausch; wo es vorkommt, führt es rasch zum Verderben des Schuldners, wie die 
römische Agrargeschichte zeigt. Denn die geschlossene Hauswirtschaft liefert kein Geld 
einkommen, sondern nur Gebrauchsgüter für den Wirt und seine Familie, der somit wohl 
ein Naturaldarlehen zurückerstatten, nicht aber die Zinsen einer Geldschuld erschwingen 
kann. Das ist auch der innere Grund und die Rechtfertigung des kanonischen Zinsen 
verbotes, das man in fälschlicher Anwendung der Begriffe des modernen Wirtschafts 
lebens auf verflossene Epochen lange als ungerechtfertigte Übertragung moraltheologischer 
Erwägungen auf das Gebiet des Wirtschaftslebens erklärte. 
Die Stadtwirtschaft. 
Das fortgesetzte Eindringen des Tausches in den Organismus der geschlossenen 
Hauswirtschaft führte allmätflich zu ihrer Ersetzung durch eine auf den direkten Güter 
austausch zwischen den verschiedenartigen Produzenten gegründete Wirtschaftsverfassung, 
die mau als „Stadtwirtschaft" bezeichnet, weil sie in den mittelalterlichen Städten der 
deutschen und romanischen Länder am reinsten zum Ausdrucke kommt. 
Bei der Entstehung der Städte wirkten zwei Ursachen zusammen. Sie gingen her 
vor aus den Marktorten, in denen sich der primitive Tauschverkehr in den Zeiten der 
geschlossenen Hauswirtschaft abspielte, stellten jedoch ursprünglich nichts anderes dar, als 
befestigte Plätze, welche in Kriegszeiten den Bewohnern der Umgebung Schutz gewährten. 
Zwischen ihren Bewohnern und jenen des umliegenden Landes bestand in Bezug auf 
ihre Beschäftigung anfänglich kaum ein Unterschied. Jene waren Landwirte so gut wie 
diese, nur daß sie innerhalb der Stadtmauer wohnten und in erster Linie die Ver 
pflichtung zum Wachtdienste, zur Verteidigung und zur Instandhaltung der Befestigungs 
werke hatten. Das umliegende Land bildete mit der Stadt eine Art militärischen Schutz 
verbandes. Seine Bewohner hatten das Recht, sich im Kriegsfälle mit ihrer Habe in 
die Stadt zu flüchten (Burgrecht)'und mußten dafür an der Erhaltung und Verteidigung 
der Festungswerke teilnehmen. Da aber die Stadt zugleich der Marktort war, verband 
sich mit dem Burgrecht auch das Recht des freien Kaufes und Verkaufes auf dem städti 
schen Markte. Der militärische Verband wurde zu einem wirtschaftlichen, das Schutz 
gebiet der Stadt zu einem einheitlich organisierten Wirtschaftsgebiete. Mit dem Steigen 
der städtischen Bevölkerung, zu deren Ernährung die Stadtgemarkung nicht mehr aus 
reichte, erfuhr die Wirtschaft der Städter eine einseitige Fortbildung in gewerblicher 
Hinsicht. Die Stadt wurde der Sitz der Gewerbe und des Marktes, das umliegende 
Land ihr Zufuhr- und Absatzgebiet, das sich in demselben Maße über den ursprünglichen 
Burgrechtsverband hinaus ausdehnte, als die Bevölkerung der Stadt und die gewerbliche 
Spezialisierung ihrer Bewohner zunahm. Das ganze Land zerfiel gewissermaßen in 
kleine, um die einzelnen Städte sich gruppierende Wirtschaftsgebiete, die im südwest 
lichen Deutschland durchschnittlich zwei bis zwei einhalb, im mittleren und nordwestlichen 
drei bis vier, im östlichen fünf bis acht Quadratmeilen umfaßten. Nach außen hin zeigt 
die Wirtschaft dieser Gebiete eine ähnliche Geschlossenheit, wie früher die einzelnen Haus- 
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