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Industrielle Entwickelung der wichtigsten Staaten.
Für die Vereinigten Staaten von Nordamerika gibt der alle 10 Jahre statt
findende Census Aufschluß über die Verhältnisse aller industriellen Betriebe mit einer
Produktion im Mindestwerte von 500 Dollar. Im Jahre 1890 wurden 355415 Be
triebe dieser Art gezählt. In diesen Betrieben waren 4 712 622 Personen beschäftigt.
Über Wert und Kosten der Produktion enthält der Census folgende, allerdings meist auf
Schätzungen beruhende Angaben:
Wert der Produktion 9372,4 Millionen Dollar,
Angelegtes Kapital 6525,2
Kosten für Materialverbrauch 5162
Jahreslohnsumme der beschäftigten Arbeiter 2283,2 „ „
Verschiedene Ausgaben bei der Fabrikation 631,2 „
Mechanische Kraft wurde in 100 735 Betrieben verwendet, die Gesamtzahl der Pferde
stärken betrug 5 954 655, wovon 4581595 auf Dampfkraft, 1255206 auf Wasser,
15569 auf Elektrizität entfielen. Die motorische Kraft, die in diesen Betrieben ver
wendet wurde, übertrifft somit weitaus die in sämtlichen Betrieben des Deutschen Reiches
vorhandene. Ein Vergleich mit den Censusergebnissen früherer Jahre ergibt, wenn man
zur Herstellung der Vergleichbarkeit die neuen, etwas erweiterten Erhebungen auf den
Umfang der alten zurückführt, von 1870 auf 1890 eine Vermehrung in der Zahl der
Betriebe von 252148 auf 322 638; in derselben Zeit stieg die Zahl der Beschäftigten
auf mehr als das Doppelte, von 2 053 996 auf 4476 884. Die Summe des in der
Industrie angelegten Kapitals erhöhte sich von 1694,8 Millionen auf 6139,4 Millionen
Dollar, also auf mehr als das Dreifache, der Wert der Produktion von 3385,9 aus
9056,8 Millionen Dollar. Das Ganze liefert ein treffendes Bild der gigantischen Ent
wickelung, welche die amerikanische Volkswirtschaft auch auf industriellem Gebiete ge
nommen hat.
Für das Deutsche Reich enthält die auf der nächsten Seite folgende Tabelle auf
Grund der Gewerbezählung von 1895 die wichtigsten Ziffern über die Zahl der Betriebe
und der darin beschäftigten Personen, über die Verbreitung der Hausindustrie und die
Benutzung von Motoren, gesondert nach den einzelnen Gewerbegruppen, und zwar sowohl
für die eigentliche Industrie wie für die Gärtnerei, Tierzucht, Fischerei und für die
Handels- und Verkehrsgewerbe.
Die Gesamtzahl der Hauptbetriebe, das ist jener Betriebe, wo mindestens eine Person
ihrem Hauptberufe nach thätig ist, betrug hiernach 3144977, außerdem wurden jedoch
513111 Nebenbetriebe gezählt, das ist Betriebe, die von einer in einem anderen Berufe
thätigen Person nebenbei geführt werden, ohne daß irgend jemand seinem Hauptberufe
nach in diesem Betriebe thätig wäre. Die Gesamtzahl der gewerbethätigen Personen, die
sich hiernach selbstverständlich nur auf die Hauptbetriebe bezieht, betrug 10 269 269.
Weitaus die überwiegende Mehrheit der Betriebe — 2146 972 — und der darin be
schäftigten Personen — über acht Millionen — entfallen auf die eigentliche Industrie
einschließlich des Bergbaues und Baugewerbes. Auf Handel und Verkehr, Gast- und
Schankwirtschaft kommen 955684 Betriebe mit 2 165688 darin beschäftigten Personen,
der kleine Rest entfällt auf die Gewerbe der Urproduktion. Unter den einzelnen Gruppen
der Industrie sind der Zahl der Personen wie jener der Betriebe nach am stärksten ver
treten die Bekleidungsgewerbe und die Industrie in Nahrungsmitteln. Hieran schließen
sich die Baugewerbe, die Industrie in Holz- und Schnitzstoffen und die Textilindustrie.
Zn einem anderen Bilde gelangt man, wenn man den Umfang der Betriebe mit in Be
tracht zieht und zunächst nur die Großindustrie ins Auge faßt. Innerhalb dieser weist
die größte Arbeiterzahl auf die Textilindustrie, der Berg- und Hüttenbetrieb und die
Maschinenindustrie. Zusammen mit der chemischen Industrie zählen diese Gewerbegruppen
gleichzeitig zu jenen, in denen die Mehrzahl der beschäftigten Personen (beim Bergbau
und Hüttenbetrieb 95,3 °/ 0 , bei der chemischen Industrie 61,7 °/ 0 , bei der Maschinen- und
Textilindustrie je 59°/g) in großindustriellen Unternehmungen in Arbeit stehen. Im