Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Weltwirtschaft.

wachsen  der  Umsätze  ein,  das  den  Ausdruck  der  in  den  letzten  Jahren  zu  beobachtenden
allgemeinen  Blüte  der  Industrie  und  der  dadurch  gesteigerten  Kaufkraft  der  Bevölkerung ­
  bildet.
Das  gleiche  Bild  bietet  im  allgemeinen  die  Bewegung  der  Ausfuhrsziffern.
Doch  bleiben  diese  in  der  Höhe  regelmäßig  hinter  den  Ziffern  der  Einfuhr  zurück.  Dieser
für  den  ersten  Augenblick  befremdliche  Umstand  ist  einesteils  darauf  zurückzuführen,  daß
die  Einfuhrstatistik  wegen  ihres  engen  Zusammenhanges  mit  der  Zollerhebung  fast  in
sämtlichen  Ländern  genauer  und  verläßlicher  ist  als  jene  der  Ausfuhr.  Außerdem  kommt
in  der  größeren  Höhe  der  Einfuhrswerte  der  Wertzuwachs  zum  Ausdrucke,  den  die
Waren  durch  die  Verfrachtung  erfahren.  Selbstverständlich  ist  ja  beispielsweise  Getreide
in  Argentinien  billiger  zu  kaufen,  als  es  nach  geschehener  Überfahrt  auf  dem  Londoner
Markt  verkauft  wird;  es  erscheint  daher  auch  in  den  englischen  Einfuhrlisten  mit  einem
höheren  Werte  als  in  der  Ausfuhrstatistik  Argentiniens.
Von  den  einzelnen  Weltteilen  hat  den  größten  Anteil  am  Welthandel  Europa.
Es  ist  gewissermaßen  zum  städtischen  Wirtschaftszentrum  der  Erde  geworden.  Aus  allen
Teilen  der  Welt  werden  ihm  zur  Erhaltung  seiner  riesenhaft  gestiegenen  Bevölkerung,  zu
deren  Ernährung  die  Ernten  des  heimischen  Bodens  nicht  mehr  ausreichen,  und  zur  Versorgung ­
  seine  Industrie  mit  Rohstoffen,  Bodenerzeugniffe  zugeführt,  nach  allen  Seiten
sendet  es  im  Austausche  dafür  die  Erzeugnisse  seiner  hochentwickelten  Industrie  hinaus.
Ihm  zunächst  steht  Amerika,  im  weiteren  Abstande  folgen  Asien,  Australien  und
Afrika.  Über  die  Verteilung  der  Welthandelsziffern  auf  die  einzelnen  wichtigeren  Länder
der  Erde  gibt  die  Tabelle  auf  Seite  943  Aufschluß.
Obenan  steht  unter  allen  Staaten  England,  dessen  Gesamtumsatz  im  internationalen ­
  Warenverkehr  im  Jahre  l898  die  Riesensumme  von  13,m  Milliarden  Mark
(16,8%  der  gesamten  Umsätze  im  Welthandel)  erreichte.  Rechnet  man  die  Ein-  und  Ausfuhr ­
  der  britischen  Kolonien  jener  des  Mutterlandes  zu,  so  entfällt  auf  das  britische  Reich
nahezu  %  der  gesamten  Handelsbewegung  der  Erde.  An  zweiter  Stelle  steht  das
Deutsche  Reich  mit  einer  Umsatzziffer  von  8,83  Milliarden  Mark  in  Ein-  und  Ausfuhr. ­
  Ihm  zunächst  kommen  die  Vereinigten  Staaten  und  Frankreich.  Dabei  hat
der  deutsche  Handel  eine  fortschreitende  günstige  Entwickelung  genommen.  Von  dem  gesamten ­
  Warenverkehr  der  in  der  obigen  Tabelle  enthaltenen  Staaten  entfielen
im  Jahre

auf  das  deutsche  Zollgebiet

1882
10,3%

188b
10,1%

1890
10,9%

1895
10,8%

1898
11,3%

auf  Frankreich

11,1%

10,2  %

9,7  %

8,4  %

8,3%

auf  Frankreich  samt  seinen  Kolonien  .  .

—

9,3%

auf  Großbritannien

19,7%

18,8  %

18,4%

17,4%

16,8  %

auf  Großbritannien  samt  seinen  Kolonien

31,7%

31,6  %

31,5  %

30,6  %

—

auf  die  Vereinigten  Staaten

9,9  %

9,5  %

9,9%

9,2%

9,7  %

Hiernach  ist  der  Anteil  Deutschlands  am  Welthandel  in  stetiger  Zunahme
begriffen;  während  es  im  Jahre  1882  noch  hinter  Frankreich  zurückstand,  hat  es  seit
1890  dieses  überholt  und  ist  in  die  zweite  Stelle  gerückt,  so  daß  es  heute  schon  einen
größeren  Umsatz  verzeichnet  als  Frankreich  samt  seinen  Kolonien.  In  überaus  rascher
Entwickelung  ist  auch  der  Handel  der  Vereinigten  Staaten  begriffen.  Unter  dem
Einflüsse  einer  prohibitiven  Zollgesetzgebung  ist  ihre  Einfuhr  ständig  zurückgegangen,
während  ihre  Ausfuhr,  die  bis  1890  rund  3  Milliarden  jährlich  betrug,  von  1890
bis  1898  auf  mehr  als  5  Milliarden  angewachsen  ist  und  heute  nicht  nur  mit  landwirtschaftlichen, ­
  sondern  auch  mit  industriellen  Erzeugnissen  auf  den  europäischen  Märkten
in  Wettbewerb  tritt.
Im  Gegensatze  zu  den  hohen  Ausfuhrüberschüssen  Amerikas  ist  es  eine  auffallende
Erscheinung,  daß  die  großen  Industriestaaten  Westeuropas  durchaus  eine  passiveHandelsbilanz
  zeigen,  d.  h.  daß  die  Einfuhr  die  Ausfuhr  überwiegt  und  zwar  durchweg  in  sehr
bedeutendem  Maße.  England  hat  einer  Einfuhr  von  8,3?  Milliarden  nur  eine  Ausfuhr
von  4,76  Milliarden  Mark  gegenüberzustellen.  In  Deutschland  beträgt  der  Überschuß
            
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