Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Weltwirtschaft.

insbesondere  aber  die  gesetzliche  Fixierung  des  Verhältnisses  beider  Metalle  in  der
französischen  Gesetzgebung  mit  1:15,5  bewirkte  trotz  der  gesteigerten  Silberproduktion
diese  Gleichmäßigkeit.  Doch  geht  in  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  die  Richtung
der  Entwickelung  im  ganzen  schon  auf  eine  Verbilligung  des  Silbers  hin.  Diese
Preisentwickelung  erlitt  jedoch  eine  Unterbrechung  durch  die  Entdeckung  der  kalifornischen
und  australischen  Goldfelder  und  die  infolgedessen  eintretende  plötzliche  Steigerung  der
Goldproduktion.  In  der  Zeit  von  1850  bis  1865  steht  der  Silberpreis  auf  dem  offenen
Weltmärkte  unter  dem  von  der  französischen  Münzgesetzgebung  festgesetzten  Wertverhältnisse ­
  beider  Metalle,  und  Frankreich  mußte  besondere  Maßregeln  ergreifen,  um  zu  verhüten, ­
  daß  sein  Silbergeld  ausgeführt  und  im  Auslande  nach  dem  Silberwerte  verkauft
werde.  Die  Folge  des  gestiegenen  Silberpreises  war  ein  bedeutender  Aufschwung  der
Silberproduktion,  namentlich  in  den  Vereinigten  Staaten.  Gleichzeitig  begannen  die
Goldfelder  in  Kalifornien  und  Australien  weniger  ergiebig  zu  werden,  nachdem  die  Lager
leicht  zu  gewinnenden  Waschgoldes  erschöpft  waren  und  man  zur  bergmännischen  Gewinnung ­
  des  Goldes  aus  festem  Gestein  übergehen  mußte.  Endlich  wurde  die  Nachfrage
nach  Silber  für  Münzzwecke  erheblich  herabgemindert,  indem  zunächst  Deutschland  im
Jahre  1871  zur  Goldwährung  überging  und  einen  großen  Teil  seines  gemünzten  Silbers
auf  den  Markt  brachte.  Das  Zusammenwirken  dieser  Umstände  hatte  ein  Sinken  des  Silberpreises ­
  zur  Folge,  das  einem  förmlichen  Preisstürze  Platz  machte,  als  auch  Frankreich  und
die  übrigen  Staaten  der  lateinischen  Münzunion  die  freie  Silberprägung  einstellten  und
gleichzeitig  die  skandinavischen  Staaten  und  die  Niederlande  zur  reinen  Goldwährung
übergingen.  Wiederholte  gesetzgeberische  Maßnahmen  in  den  Vereinigten  Staaten,  welche
den  jährlichen  Ankauf  bedeutender  Silbermengen  durch  das  Schatzamt  vorschrieben,  blieben
ohne  Wirkung,  da  die  Produktion  sich  vervielfachte.  Bald  mußten  auch  Staaten  mit
Papierwährung,  wie  Österreich-Ungarn  und  Rußland,  die  freie  Silberprägung  einstellen,
und  als  sie  endlich  auch  in  Ostindien  suspendiert  wurde,  sank  der  Preis  des  fast  überall
demonetisierten  Silbers  bis  auf  30  Pence,  entsprechend  einem  Wertverhältnisse  von  1:  31,4.
Die  Folge  dieser  raschen  Wertveränderungen  war,  daß  das  Silber  als  internationales
Zahlungsmittel  hinter  dem  Golde  zurücktreten  mußte  und  Gold  als  das  wertbeständigste
Metall  heutzutage  zum  hauptsächlichsten  Wertmesser  geworden  ist.  Nur  in  den  ostasiatischen ­
  Ländern  ist  Silber  noch  das  überwiegende  Münzmetall,  und  die  durch  Ausfuhr
europäischer  Jndustrieerzeugnisse  nicht  gedeckten  Bezüge  an  Kolonialwaren  aus  diesen
Ländern  werden  heute  noch  zum  größten  Teile  mit  Silber  bezahlt.
Wenn  somit  das  Gold  zum  vorherrschenden  Wertmesser  im  Verkehre  der  Kulturstaaten
  untereinander  geworden  ist,  würde  man  doch  irren,  wenn  man  glauben  wollte,
daß  alle  aus  dem  internationalen  Verkehr  sich  ergebenden  Zahlungen  effektiv  mit  Gold
geleistet  werden.  Der  weitaus  größte  Teil  der  internationalen  Zahlungen  vollzieht  sich
ohne  Geldbewegung  im  Wege  des  Kreditverkehrs  durch  das  hochentwickelte  moderne
Bankwesen.  Der  Wechsel,  der  Kontokorrentkredit,  die  Banknote  treten  ergänzend  neben
die  metallenen  Unilaufsmittel,  die  gegenseitigen  Zahlungen  werden  im  internationalen
Verkehre,  um  ein  Bild  zu  gebrauchen,  gewissermaßen  durch  gegenseitige  Kompensation
der  Forderungen  ausgeglichen  und  erst  wo  dieses  Mittel  versagt,  tritt  die  Bargeldsendung
ein.  Es  betrugen  im  Jahre  1892  in  Millionen  Mark

in

Der  Vorrat  an  gemünztem

England

Literreich-Ungarn


Deutschland

Frankreich

Rußland

Vereinigte
Staaten

Edelmetall  ....
Der  Papiergeld-  und  Bank-2951



893

3384

6364

1609

5096

Notenumlauf  .  .  .
Stand  d.  Wechfelportefeuilles

21,4

934,7

256,g

61

2433,7

522,8

in  den  Notenbanken.

475

292

769

476

?

9118

Die  verhältnismäßig  geringen  Mengen  von  Metallgeld  und  Banknoten,  mit  denen
England  seinen  Geldumlauf  bestreitet,  werden  erklärlich  durch  die  hoch  ausgebildete  Ent-
            
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