Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Weltwirtschaft.

hauptsächlichen  Sammelpunkte  der  großen  Vermögen  und  Einkommen;  aber  auch  die
arbeitenden  Klassen  finden  in  den  Städten  günstigere  Lebensbedingungen,  wie  die  geringere ­
  Zahl  der  städtischen  Einkommen  unter  900  Mark  zeigt.
Jedenfalls  geht  aus  diesen  Zahlen  hervor,  daß  das  Wachstum  des  Volkseinkommens
und  des  Volksvermögens  keineswegs  auf  die  obersten  Klassen  beschränkt  blieb,  sondern
daß  auch  die  kleinen  Einkommen  eine  günstige  Entwickelung  verzeichnen.  Daß  insbesondere ­
  das  Einkommen  des  Arbeiters  an  der  allgemeinen  Steigerung  des  Volkseinkommens ­
  seinen  Anteil  nimmt,  wird  auch  durch  die  Statistik  der  Arbeiter-Jnvaliditätsund
  Altersversicherung  bestätigt.  Die  Jnvaliditätsvcrsicherung  unterscheidet  vier  Lohnklassen, ­
  von  denen  die  unterste  die  Jahreslöhne  bis  350,  die  2.Klasse  die  von  350—550,
die  dritte  jene  von  550—850,  die  4.  Klasse  endlich  die  Jahreslöhne  von  mehr  als
850  Mark  umfaßt.  Nun  entfallen  von  den  Beitragenden
auf  die  Lohnklasse
unter  350  Mark  350—550  Mark  550  -  850  Mark  über  850  Mark
im  Jahre  1891  25,3%  38,4°/«  21,7°/ 0  14,6°/«
im  Jahre  1897  •  21,4%  37,9°/«  24,2%  16,5%
Es  hat  sich  somit  in  diesen  sechs  Jahren  die  Besetzung  der  beiden  oberen  Klassen
zusammen  um  4,4°/«  gehoben.  Damit  stimmt  überein,  daß  der  Durchschnittsbetrag  der
anrechuungsfähigen  Löhne  bei  den  Berufsgenossenschaften  der  Unfallversicherung  von
612  Mark  im  Jahre  1888  auf  704  Mark  im  Jahre  1897  gestiegen  ist.
Was  die  Verwendung  des  Volkseinkommens  betrifft,  so  werden  in  Deutschland ­
  jährlich  etwa  3  —  4  Milliarden  erspart  und  in  Unternehmungen,  Papieren  oder
Sparkassen  angelegt.  Von  den  hiernach  noch  verbleibenden  22  Milliarden  Mark  werden
rund  5  Milliarden  in  Form  von  Steuern  und  Abgaben  für  die  Aufgaben  der
öffentlichen  Verwaltung  in  Anspruch  genommen,  der  Rest  stellt  mit  ungefähr  17  Milliarden ­
  den  jährlichen  Verbrauch  des  Volkes  dar;  3—4  Milliarden  gehen  von  dieser
Summe  für  eingeführte  Nahrungemittel  und  Rohstoffe  in  das  Ausland.  Alles  übrige
kommt  wieder  der  heimischen  Produktion  zu  gute,  die  somit  den  ganz  überwiegenden
Vorteil  von  der  Steigerung  des  Volkseinkommens  und  des  allgemeinen  Verbrauches  hat.
Gegenüber  diesem  ungeheueren  Bedarf  der  heimischen  Bevölkerung  erscheint  die  nur
3,7  Milliarden  betragende  Ausfuhr  an  Erzeugnissen  der  heimischen  Industrie  und  Landwirtschaft ­
  eigentlich  gering,  und  dieses  Verhältnis  hat  vielfach  zu  dem  Schluffe  geführt,
daß  es  verfehlt  sei,  das  Heil  für  die  Zukunft  in  der  gesteigerten  Entwickelung  unseres
Exportes  zu  suchen.  Viel  wichtiger  als  dieser  sei  die  Steigerung  der  Kaufkraft  des
eigenen  Volkes,  die  Hebung  des  inneren  Verbrauches.  Hierdurch  werde  der  vaterländischen ­
  Produktion  ein  sicherer,  allen  Zufälligkeiten  entrückter  Markt  geschaffen,  wie
ihn  der  Export  nimmer  zu  bieten  vermöge.  Man  übersieht  jedoch  hierbei,  daß  diese
Steigerung  der  Konsumtionskraft  nicht  anhalten  kann,  wenn  wir  auf  den  Export  verzichten ­
  müssen.  Gewiß  hängt  die  Blüte  unserer  Industrie  in  hohem  Grade  von  der
Steigerung  des  inneren  Verbrauches  ab.  Diese  Steigerung  erfordert  jedoch  bei  dem
raschen  Wachstum  unserer  Bevölkerung  eine  steigende  Zufuhr  an  Nahrungsmitteln  und
Rohstoffen  von  auswärts,  die  aus  unserer  Ausfuhr  an  Fabrikaten,  aus  unseren  Zinseneinnahmen ­
  von  auswärtigen  Kapitalsanlagen  und  aus  dem  Verdienst  im  Transportwesen ­
  bezahlt  werden  müssen.  Geben  wir  unsere  Ausfuhr  preis,  versäumen  wir  die
Sicherung  unserer  Schiffahrt  und  unserer  auswärtigen  Niederlassungen,  so  wird  die
passive  Handelsbilanz  zu  einer  passiven  Zahlungsbilanz,  wir  müssen  Teile  des  Volksvermögens ­
  hingeben,  um  die  auswärtigen  Zufuhren  zu  bestreiten,  unsere  gestiegene
Bevölkerung  zu  ernähren  und  unsere  Industrie  mit  Rohstoffen  zu  versehen.  Wohin  die
Andauer  solcher  Verhältnisse  führt,  zeigt  uns  das  Beispiel  von  Staaten  wie  Portugal.
Trotz  der  überwiegenden  Bedeutung  des  inneren  Marktes  für  unsere  Industrie  und
Landwirtschaft  ist  somit  unsere  Ausfuhr  ein  unentbehrlicher  Bestandteil  unserer  Volkswirtschaft, ­
  unsere  künftige  Entwickelung  abhängig  von  der  Sicherung  unserer  Stellung
in  der  Weltwirtschaft.
            
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