Photographische Trockenplatten. 340
Phtalsäure
dichter gedeckt als gewöhnliche Platten, wieder,
während die schwarzen Linien usw. ganz glasklar,
viel klarer als bei gewöhnlichen Platten, kommen,
so daß hier große 'Kontraste erzielt werden und
die Kopien wirklich schwarze Linien auf ganz
weißem Grunde ergeben, wie man dies bei gewöhnlichen
Platten selbst durch Verstärkung
nicht erzielen kann. Zur Herstellung von Projektionsbildern
oder Stereoskop- bzw. Fensterbildern
— sog. Diapositiven — benutzt man
„Diapositivplatten“, die sehr schöne, gefällige
Töne erzielen lassen, sehr fein im Kom sind und
außerordentlich klar arbeiten. Sie werden gewöhnlich
mit Chlor-Bromsilber-Emulsion hergestellt
und können, da sie im Verhältnis sehr wenig
lichtempfindlich sind, für gewöhnliche Aufnahmen
kaum benutzt werden. — Was die Haltbarkeit
aller dieser Plattensorten anbetrifft, so sind
am haltbarsten dierwenigst empfindlichen Plattensorten,
wie sie der Durchschnittsamateur, Landschaftsphotograph
und auch technische Photograph
vielfach benutzt. Solche sehr wenig empfindlichen
Platten haben sich schon, bis io Jahre
lang brauchbar erhalten, abgesehen von einem
leichten „Randschleier“. Sehr hoch empfindliche
Platten sind doch noch über i Jahr haltbar. Verhältnismäßig
am wenigsten haltbar sind orthochromatische
Platten, aber auch von diesen
Platten hat man Beispiele, namentlich von or-i
tho-lichthoffreien (Isolar- oder Doppelschicht-)
Platten, daß sie sich über 2 Jahre gut gehalten
haben. Besonders schädliche Einwirkung auf
die Haltbarkeit aller Trbckenplatten haben Gasausdünstungen,
selbstverständlich auch Schwefelwasserstoffausdünstungen.
In einem gut ventilierten,
trockenen, nicht zu sehr überheizten
Raume halten sich die Platten am längsten. Hingewiesen
sei noch auf die möglicherweise schädliche
dauernde Einwirkung von elektrischem
Bogenlicht, das viel ultraviolette Strahlen enthält,
welche die Pappschachteln durchdringen
und die Platten nach und nach verschleiern
können. — Neben den auf Glas präparierten
Platten hat man auch Zelluloid-Films,, entweder
als Rollfilms oder als Planfilms. Alle
diese Zelluloid-Films sind weniger haltbar
als Trockenplatten (auf Glas), da die Ausdünstungen
des im Zelluloid enthaltenen Kampfers der
Emulsion schaden und sind wohl auch nicht
stets ganz so zuverlässig wie Glasplatten, so daß
Forschungsreisende die Trockenplatten verziehen.
Große Vorteile der Zelluloid-Films
sind ihre ungemeine Leichtigkeit, so daß man auf
Reisen, bei Bergbesteigungen usw. viel Aufnahmematerial
bequem mit sich führen kann. Dazu
kommt die Unzerbrechlichkeit und die Möglichkeit,
beliebig viele Aufnahmen auf den sog. Tageslicht-Rollfilms,
oder Film-Packs, oder Einzel-Filmpackungen,
die durch besondere Vorkehrungen
bei Tageslicht gewechselt werden können,
zu machen, ohne eine Dunkelkammer benutzen
zu müssen. Die Rollfilms können auch bei
Tageslicht ohne Dunkelkammer in bestimmten,
dafür eingerichteten Apparaten entwickelt und
fixiert werden. Zelluloid-Films sind wesentlich
höher im Preise als Glasplatten (s. Films). — Seitdem
die letzte Ausgabe dieses Werkes erschienen
ist, sind einige neuere Fortschritte und Erfahrungen
in der Verwendung der Trockenplatten
zu verzeichnen. So werden orthochromatische
Platten jetzt vielfach mit einem Schichtfilter ver
sehen, d. h., ein gelber oder gelbgrünlicher Farbstoff
wird der orthochromatischen Emulsion beigefügt,
so daß die Schicht der Platte selbst als
Farbfilter wirkt. Natürlich ist die Absorption
des Ultraviolett und Violett nicht vollkommen,
so daß, wo höhere Aufgaben an genaue Wieder
gäbe der Farbenwerte gestellt werden müssen,
z. B. bei der Reproduktion farbiger Originale,
trotzdem ein für den Zweck besonders abgestimmtes
Farbenfilter erforderlich ist. Aber für
sehr viele Zwecke genügen diese Ortho-Platten
mit Farbfilter in der Schicht und ersparen dadurch
die nicht immer angenehme und bequeme
Verwendung der Gelbscheibe, z. B. bei Land
schaftsaufnahmen usw. Die im letzten Kriege so
außerordentlich viel verwandten sog. Fliegerplatten
sind teilweise recht hoch empfindliche
orthochromatische Platten sehr hoher Gelbempfindlichkeit
und mit Farbfiltern in der Schicht,
oder auch hoch empfindliche Platten mit recht
ausgeprägter Orange -Rotempfmdlichkeit. Die
Photomechanischen Platten werden jetzt, namentlich
auch in den Photomechanischen Verfahren,
außerordentlich viel verwandt und sind
als panchromatisch-phototnechanische Platten
für die Reproduktion farbiger Originale mit viel
Gelb, Grün und Rot ganz unentbehrlich geworden.
Die orthochromatischen Photomechanischen
Platten werden sehr viel zu Reproduk
tionen von schlecht lesbaren Schriftstücken, vergilbten
Plänen und Zeichnungen u. dgl. verwandt.
Phtaleinfarbstoffe bilden eine 1871 von A.
v. Baeyer entdeckte Gruppe der Xanthene (s. d.),
welche durch Kondensation von Phtalsäureanhydrid
mit Phenolen entstehen. Sie können auch
als Abkömmlinge des Triphenylmethans ange
sehen werden und werden daher vielfach als
Untergruppe der Triphenylmethanfarbstoffe be
zeichnet. Farbstoffbildende Phenole sind besonders
das Resorzin, von dem sich das Fluoreszein
und die Eosine ableiten, und die Pyrogallussäure,,
von welcher das Gallein abstammt.
Phtalsäure (B enzolor t ho dikar bonsäure),
C 6 H 4 (COOH) 2 , entsteht bei der Oxydation von
Naphtalin und Naphtalintetrachlorid durch Salpetersäure,
oder von Orthoxylol und Orthotoluylsäure
mit Kaliumpermanganat, oder auch von
Alizarin mit Salpetersäure oder mit Braunstein
und Schwefelsäure. Sie wird technisch in großen
Mengen, hauptsächlich aus Naphtalin und
Schwefelsäure unter Zusatz von Quecksilbersalzen
oder seltenen Erden als Kontaktsubstanzen hergestellt.
Die reine, aus Wasser umkristallisierte
P. bildet farblose Kristalle, die in kaltem Wasser
schwer, in heißem Wasser, Alkohol und Äther
leicht löslich sind. Beim raschen Erhitzen auf
213 0 schmilzt sie und verwandelt sich dabei unter
Abspaltung von Wasser in das Phtalsäureanhydrid,
C 6 H 4 (CO) 2 0. Das letztere, das gewöhnlich
im Handel als Phtalsäure geführt wird,
bildet bei 128° schmelzende Kristalle, die bei
284° sieden und in langen Nadeln sublimieren-Die
P. und ihr Anhydrid vereinigt sich mit
Phenolen zu sog. Phtaleinen, mit Resorzin z. Bzu
dem Fluoreszein, und bildet ein wichtiges
Ausgangsmaterial für die Teerfarbenindustrie.