Full text: Bankpolitik

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II. Oer Geldmarkt. 
überwiegen schien, da wandte sich in seinem Gutachten mit großer Ent 
schiedenheit Thiers dagegen: „Ich habe mich gegen die Gegner des 
Papiergeldes ausgesprochen,- aber wenn man auch ein bequemes und 
ökonomisches Geld einführt, darf man nicht zu weit gehen. Metall 
ist besser als Papier für den täglichen Gebrauch eines großen Landes, 
es ist starkes Blut an Stelle von schwachem. Jedes unglückliche Ereignis 
hallt schmerzhaft wieder in einem Land der Papiergeldzirkulation. 
Denken Sie an eine verlorene Schlacht — und man wird bald schätzen 
lernen, wie viel mehr Wert es hat, wenn die Bevölkerung Gold statt 
Papier in der Tasche trügt" (Vvqußte sur les faits qui rßgissent la 
cireulation, Band 3, 5. 419). Wenige Jahre später konnte Frankreich 
die Richtigkeit dieser Worte erproben. Die Bank von Zrankreich stand 
seit den Erfahrungen des Jahres 1870 auf dem Standpunkt die kleinen 
Noten nur als Nrisgsreserve zu verwenden, politisch exponierte Staaten 
können über diese Erfahrung nicht leicht hinweggehen. Sie setzt dem 
Maß der aus ökonomischen Gründen gerechtfertigten Goldzentrali 
sation eine Grenze entgegen. — Der Kriegszustand selbst läßt freilich die 
kleine Note überall zur Notwendigkeit werden- England hat in den 
Napoleonkriegen die kleine Note eingeführt, Zrankreich 1870 über eine 
Milliarde Zranks Noten in Zirkulation gesetzt und im gegenwärtigen 
Weltkrieg hat kein einziges Land sie entbehren können, ja an 
manchen Orten ersetzte sie nicht bloß das Gold, sondern selbst 
das Silber,- nach Zriedensschlutz ist man berechtigt, eine Gewöhnung 
der Bevölkerung an das Papiergeld selbst in jenen Staaten anzunehmen, 
die bisher der Goldzirkulation den Vorzug gegeben hatten. Wo nicht 
kriegspolitische Gründe dagegen sprechen, werden die Notenbanken 
leicht in der Lage sein, den Zwangskurs durch das Ricardianische System 
der Barrenzahlung zu ersetzen. 
28. Das Wirkungsgebiet der Diskontpolitik in der Gegenwart. 
Die Praxis der Veränderungen der Bankrate entstand in England 
unmittelbar nach Einführung einer Bankverfassung, welche die Noten 
emission der Zentralbank an starre Grenzen band, in einem Reich, in 
welchem die Notenbank große Verpflichtungen dem Ausland gegenüber 
zu befriedigen hatte, wo infolge der Geldzirkulation das durch die 
Zahlungsbilanz angezogene Metall zum größten Teil in den Verkehr 
ging, wo überdies die Herrschaft der dity mit den alten Merkantil- 
einwirkungen auf einzelne Posten der Zahlungsbilanz aufgeräumt 
hatte. In dieser außerordentlich schwierigen Situation war und ist
	        
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