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II. Oer Geldmarkt.
stimmenden Einfluß der Zinanzverwaltung, die Kreditbanken sind
infolge des Ronzessionssgstems von der Regierung, infolge der Re
diskontierungsgewohnheit von der Notenbank abhängig. Gold ist in
der Zirkulation nur in geringen Quantitäten vorhanden, der Nietall
vorrat der Notenbank gegen innere Einlösungsbedürfnisse und gegen
jene Anforderungen im Auslandsverkehr, die nicht Schuldzahlungen
bezwecken, durch den Zwangskurs geschützt. Infolge dieser Rette von
Maßnahmen tritt die Diskontpolitik in den Hintergrund, zumal die
Erhöhung der Rate wegen des landwirtschaftlichen und industriellen
Lharakters der Monarchie ungleich langsamere Zusammenziehung der
Wirtschaft und wegen der geringeren Auslandsbeziehungen nicht starke
Verschiebung der kurzfristigen Rapitalien hervorruft.
Die Beispiele Englands und Oesterreich-Ungarns versinnbild
lichen am deutlichsten die beiden Gegensätze der Diskontpolitik. Ruß
land und Italien nähern sich der österreichischen Situation, Deutschland
und Frankreich halten die Mitte, in ihrer Lage als Gläubiger- und
Exportstaaten eher England als Oesterreich ähnlich. Geschichtliche
Entwicklung, das Verhältnis zwischen Staat und Notenbank, die Macht
stellung der Notenbank in der Volkswirtschaft sowie der Grad der Po
sition des Staates in der Weltwirtschaft, von dem die Wirksamkeit der
Diskontpolitik abhängt, sind für die Bankpolitik der einzelnen Reiche
entscheidend geworden. Diese grundlegenden Unterschiede werden in
der neueren Literatur gewöhnlich übersehen. —
Zn England ist die Diskontpolitik das Hauptmittel der Bankpolitik,
in Oesterreich nur ein subsidiäres Mittel- aber es ist trotz Zwangskurs,
Devisenpolitik und internationalem Postscheckverkehr selbst dort nicht ent
behrlich. Der Zwangskurs beseitigt die Ansprüche an die Notenbank aus
dem innern Verkehr und schränkt Auslandsgeschäfte ein, die zum Goldent
zug führen können, der internationale Ueberweisungsv erkehr und der Vevi-
senkauf wirken als Brücke zwischen Zeitpunkten aktiver und passiver Zahl
ungsbilanz ; aber wenn die Summen sich nicht vollständig ausgleichen und
die Zahlungsbilanz dauernd passiv bleibt, dann vermögen nur Aus
ländsanleihen eine künstliche Aktivpost der Zahlungsbilanz zu schaffen,
die aber für die Folgezeit durch den Zinsen- und Eilgungsdienst eine
weitere Passivpost entstehen läßt. Da dauernd Ausländsanleihen aus
Währungsgründen nicht vorgenommen werden können, so ist doch
auch in den durch alle bankpolitischen Mittel vom Auslandseinfluß
behüteten Reichen die Anwendung der Diskontpolitik nötig, weniger
um kurzftistige Rapitalien aus dem Ausland heranzuziehen (was doch
auch nur Erleichterung der zeitlichen Ausgleichung zwischen Momenten