Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

eine  solche  der  Oiskontfestsetzung  ergänzt  werden.  Ansätze  hiezu  finden
sich  nur  in  Nlarshalls  Ausführungen  vor  der  englischen  Silberkommission
von  1888  und  in  Wicksells  „Geldzins  und  Güterpreise".
Wicksell  stellt  der  Diskontpolitik  die  Aufgabe  gleichmäßige  Warenpreise ­
  zu  sichern.  Um  dieses  Ziel  zu  erreichen,  muß  der  Bankzins  bei
steigenden  preisen  erhöht,  bei  fallenden  erniedrigt  werden  und  jeweils
auf  dem  so  erreichten  Stand  bleiben,  bis  eine  weitere  Bewegung  der
preise  eine  neue  Veränderung  des  Zinssatzes  verlangt,  von  der  klassischen ­
  Doktrin  unterscheidet  sich  diese  Lehre  grundwesentlich:  dort
bedeutet  die  Diskontfestsetzung  eine  Uonstatierung  auf  Grund  des
Status  der  Notenbank  und  der  Wechselkurse,  Erhöhung  des  Diskonts
geschieht  nur  im  Interesse  der  Liquidität  der  Bank.  Nach  wicksells
Vorschlag  aber  würde  die  Erreichung  eines  wirtschaftspolitischen  Ziels  —
die  Stabilisierung  des  Geldwerts  —  den  Entschließungen  der  Bankleitungen
  zugrunde  zu  legen  sein.  Es  erübrigt  sich  hier  die  Krage  zu
diskutieren,  ob  die  Notenbank  zu  einer  derartigen  teleologischen  Oiskontnormierung
  berechtigt  ist,-  die  praktische  Durchführung  der  Korderung
würde  jedenfalls  auf  große  Schwierigkeiten  stoßen.  Nkan  müßte  zunächst ­
  feststellen,  bei  welcher  Preisänderung  —  jener  von  Effekten
oder  von  waren  —die  Notenbank  einschreiten  sollte,  da  die  Bewegungen
dieser  beiden  Gruppen  durchaus  nicht  in  gleicher  Entwicklungslinie
verlaufen,  und  welche  von  den  bisher  durchaus  mangelhaften  Indexziffern ­
  als  Grundlage  angesehen  werden  sollten,  vor  allem  aber  könnte
eine  derartige  Diskontpolitik  nur  im  gemeinsamen  Einvernehmen
aller  Notenbanken  betrieben  werden.  Venn  ein  Land,  dessen  Zentralbank ­
  auf  Preiserhöhungen  sofort  mit  Hinaufsetzung  der  Bankrate
antwortet,  würde  bald  vom  Ausland  kurzfristiges  Napital  erholten
und  die  Spannung  zwischen  Bank-  und  Privatsatz  würde  so  groß  werden,
daß  der  Notenbank  die  Aufrechthaltung  ihrer  Note  wohl  sehr  erschwert ­
  würde.  —
Dagegen  scheint  mir  die  Korderung  wicksells,  die  Notenbank  solle
ihre  Zinspolitik  nach  dem  natürlichen  Zins  richten  —  dem  Zins,  der
sich  ergeben  würde,  wenn  sich  nicht  Geld  zwischen  die  wirtschaftlichen
Transaktionen  einschieben  würde—theoretisch  sehr  beachtenswert,-  aber
für  die  Praxis  ist  damit  kein  fester  Anhaltspunkt  gegeben.
Es  kann  nicht  Aufgabe  der  Notenbank  sein,  im  Interesse  der  Stabilisierung ­
  des  Geldwerts  die  Nonjunkturbewegungen  durch  Ausübung
dauernden  Drucks  auf  die  Volkswirtschaft  aus  der  Welt  zu  schaffen
suchen.  Sie  muß  vielmehr  im  Interesse  ihrer  Liquidität  Nonjunkturpolitik
  treiben,  das  heißt  auf  Grund  der  Erfahrungen  der  letzten  Perioden
            
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