Full text : Bankpolitik

31.  Oie  Wirksamkeit  der  Notenbanken  in  Krisen-  und  Kriegszeiten.  137
Krebitbeöürftigen  nicht  entstehen.  Es  fehlt  in  London  das  moralische
Moment,  das  den  kontinentalen  Noteninstituten  verwehrt  langjährigen
Runden  im  Augenblick  der  Not  die  Türe  zuzuschließen  und  das  ermöglicht ­
  der  Bank  von  England  in  Nrisenzeiten  eine  der  festländischen
völlig  entgegengesetzte  Praxis.  Während  die  Reichsbank,  die  Bank
von  Frankreich,  die  Gesterreichisch-Ungarische  Bank  in  solchen  Tagen
dem  erweiterten  Nreditbedürfnis  der  Industrie  nachzukommen  sich
bemühen,  ihre  Nredite  ausdehnen,  schränkt  die  Bank  von  England  ihre
Kreditgewährung  ein,  verwirklicht  die  Liquidität,  um  sich  für  die  Goldansprüche ­
  stark  zu  halten.  Man  hat  der  Bank  von  England  in  den  beiden
letzten  Jahrzehnten  vielfach  zum  Vorwurf  gemacht,  daß  sie  außerhalb
des  Wirtschaftslebens  des  Reiches  stehe,  vie  Tatsache  stimmt,  aber
die  Nritik  ist  unbegründet.  Bei  den  großen  Anforderungen  aus  dem
internationalen  Verkehr  und  aus  der  inneren  Goldzirkulation,  die  sich
in  Nrisenzeiten  gegen  die  Bank  von  England  richten,  ist  die  Rückziehungsmöglichkeit ­
  der  Nredite  für  das  Zentralinstitut  eine  Notwendigkeit  —
und  das  ist  nur  dann  durchführbar,  wenn  die  Bank  auch  in  ruhigen
Tagen  nicht  direkt  im  Geldmarkt  arbeitet.
Wirksame  Intervention  der  Notenbank  wird  durch  Gewöhnung
der  Bevölkerung  an  Notenzirkulation  erleichtert.  Erfolgt  die  Thesaurierung, ­
  die  zur  Abhebung  der  Bankguthaben  führt,  in  Noten,
so  kann  die  Zentralbank  ohne  Schwächung  ihres  Status  die  bisher ­
  von  den  andern  Banken  gewährten  Nredite  übernehmen,'  die
erhöhte  Notenausgabe  bewirkt  nicht  eine  Inflation,  da  die  Noten  lediglich ­
  an  Stelle  der  Depositen  treten.  Ist  die  Bevölkerung  an  Metall
überhaupt  nicht  gewöhnt,  dann  vermag  die  Zentralbank  auch  bei  geringem ­
  Goldvorrat  hilfreich  einzugreifen,  da  sie  nur  ihr  Schuldversprechen ­
  an  die  Stelle  des  Schuldversprechens  der  andern  Institute  zu
setzen  hat.  Solange  der  innere  Verkehr  der  Notenbank  vertrauen
entgegenbringt,  ist  die  Ausgabe  von  Noten  auch  bei  niedrigem  Metallbestand
  möglich,-  Länder  mit  ausschließlicher  Notenzirkulation  werden
die  Einführung  des  Zwangskurses  nur  mit  Rücksicht  auf  das  Ausland
benötigen,  mit  dieser  Maßnahme  in  Panikzeiten  länger  zurückhalten
können  als  Reiche  mit  starkem  Goldumlauf.
Zm  innern  Verkehr  ist  die  Ausdehnungsfähigkeit  des  Notenumlaufs
unbeschränkt,'  in  Nrisenzeiten  hat  die  englische,  in  Nriegszeiten  die
französische  Bevölkerung  die  Noten  ihrer  Zentralbank  auch  dann  angenommen, ­
  wenn  deren  Emissionsbetrag  den  Metallbestand  um  das
Zehnfache  überstieg.  Schon  vor  nahezu  einem  Jahrhundert  wurden
die  schwersten  englischen  Nrisen  nicht  durch  Mangel  an  vertrauen  in
            
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