Full text : Bankpolitik

35.  Oer  Berliner  Geldmarkt.

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Zahlreiche  Stimmen  haben  auf  diese  Tatsache  hingewiesen  und  Abhilfe
durch  Erhöhung  der  Akzeptprovision  der  Lanken  gefordert.  Oie  Kreditbanken ­
  haben  im  starken  Ronkurrenzkampf  ihre  Rivalen  dadurch  zu  unterbieten ­
  versucht,  daß  sie  manchen  größeren  Zirmen  an  Stelle  des  Kontokorrents- ­
  den  billigeren  Akzeptkredit  einräumten-  die  Akzeptprovision
ging  zeitweise  bis  auf  Vs  %  pro  Quartal  herunter,  eine  Rate,  die  kaum
dem  niedrigsten  in  Londost  für  die  besten  kvelthandelswechsel  gebotenen
Satz  entsprach.  Das  Ronditionenkartell,  das  außer  im  Rheinland  die
Provision  auf  y 4 %  erhöhte,  dürfte  einen  Teil  der  Rredite  vom  organisierten ­
  Geldmarkt  ableiten.  In  der  billigen  Akzeptprovision  lag  aber
nicht  der  einzige  Grund  für  den  niedrigen  Lerliner  Privatsatz.  Oie
Rreditbanken  waren  ja  nicht  die  stärksten  Geldgeber.  Oie  beiden  lange
Zeit  stärksten  Institute  legen  die  Staatsmittel  nur  auf  dem  Geldmarkt
im  engeren  Sinn  an,-  da  es  für  diese  Rapitalien  kein  Abflußventil  in
andere  Anlagen  gibt,  stehen  dem  Geldmarkt  im  engeren  Sinn  die  dem
Letrag  nach  wechselnden,  aber  außer  den  Quartalsenden  stets  erheblichen
Mittel  aus  diesen  beiden  Quellen  auch  dann  zur  Oerfügung,  wenn  die
Rachfrage  nach  Akzeptkredit  gering  ist.  §ür  die  Verzinsung  dieser  Gelder
gibt  es  prinzipiell  keine  Untergrenze,  da  hiefür  weder  die  Ronkurren;
des  Auslands  noch  jene  der  Sparkassen  noch  endlich  die  Investitionsmöglichkeit ­
  in  Betracht  kommt.  Sie  müssen  aber  in  ihrer  Gesamtheit
auf  dem  Geldmarkt  im  engeren  Sinn  angelegt  werden  und  drücken  daher
den  Privatsatz  bei  geringem  Akzeptmaterial,  zumal  der  andere  Teil  des
organisierten  Geldmarkts,  der  Markt  für  börsemäßigen  Effektenkredit,
in  Berlin  die  Elastizität  der  Aufnahmsfähigkeit  nur  in  geringem  Maß
besitzt.
Oie  Börse  ist  in  Berlin  nicht  der  starke  Rezeptor  für  anlagesuchendes
Geldmarktkapital  wie  in  London.  Gesetzliche  Bestimmungen,  strenge
Praxis  der  Zulassungsstelle,  scharfe  Rritik  der  Qeffentlichkeit,  stabile
Oividendenpolitik  einer  großen  Zahl  führender  Unternehmungen  wirken
mehr  und  mehr  dem  raschen  Entstehen  starker  Spekulationsbewegungen
entgegen;  einen  eigentlichen  „boom“  hat  Deutschland  in  unserem  Jahrhundert ­
  nicht  gehabt  •—die  Spekulation  deutschenRapitals  an  ausländischen ­
  Börsen  fällt  dem  Berliner  Geldmarkt  im  engeren  Sinn  nicht  zur
Last  —;  das  Steigen  der  Rurse  von  Wertgruppen  vollzieht  sich  nur  ausnahmsweise ­
  sprunghaft  und  die  Differenz  im  Gesamtbetrag  der  Reuemissionen ­
  in  den  einzelnen  Jahren  ist  nicht  entfernt  so  groß  wie  in  England. ­
  Infolgedessen  staut  sich  namentlich  nach  den  drei  ersten  Quartalsanfängen ­
  disponibles  Geldmarktkapital  auf  dem  Oiskontenmarkt
und  drückt  den  Privatsatz  umso  stärker  unter  die  offizielle  Rate,  je  mehr
            
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