Full text : Bankpolitik

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III.  Der  Kapitalmarkt.

Die  950  Millionen  würden  somit  zur  Deckung  des  Bedarfs  genügen.
Werden  aber  die  Erträge  der  Aktiengesellschaften,  weil  das  publikuni
Steigerung  der  Dividende  erwartet,  mit  5%  kapitalisiert,  so  sind  für
die  Aktien  15.  10 %=  300  Millionen  M.  erforderlich.  Renten  zum  Zinssatz ­
  des  Dorjahrs  kapitalisiert  und  Aktien  würden  somit  1000  Millionen
erfordern,  da  aber  nur  950  vorhanden  sind,  bleiben  für  die  Renten  nur
650  Millionen  übrig,  und  wenn  nicht  50  Millionen  durch  Verschiebung
der  Emission  oder  Deckung  außerhalb  des  Effektenmarktes  vom  Nachfrageplatz ­
  verschwinden,  können  die  Renten  nur  zu  65 / 70  oder  ia / lt  des
Dorjahrskurses  aufgenommen  werden.  Standen  vierprozentige  Renten
!m  Dorjahr  auf  100,  so  sinken  sie  im  neuen  Jahr  auf  92%.
Auf  den  ersten  Blick  dürfte  die  Unterscheidung  zwischen  Kentenund
  Aktienwerten  willkürlich  erscheinen.  Warum  unterliegen  Aktien
der  subjektiven  Bewertung,  während  die  Renten  nur  von  den  objektiven
Marktverhältnissen  abhängig  sind?  Darauf  ist  zu  erwidern,  daß  der
Aktienkurs  von  den  Ertragsaussichten  abhängt,  die  fortwährend  wechseln,
während  beiin  gleichmäßigen  Rentenertrag  eine  Aenderung  der  Bewertung ­
  nur  in  jenen  Fällen  erfolgen  kann,  in  welchen  sich  die  Ansicht
über  die  Sicherheit  des  Schuldners  ändert.  Don  diesem  Moment  —
das  bei  Uebergang  von  Friedens-  zu  Rriegsperioden  besonders  intensiv
wirkt  —  abgesehen  ist  der  Rurs  der  festverzinslichen  Werte  nur  Resultat
der  Marktlage.
Der  Rentenzins  und  die  Rentabilitätsrate  für  Aktien  haben  darum
die  Tendenz  sich  in  entgegengesetzter  Richtung  zu  bewegen.  Rach  alter
Erfahrungsregel  kauft  das  große  Publikum  Aktien  nur  in  Zeiten  der
Hausse,  wenn  die  Berufsspekulation  die  Rurse  schon  eniporgetrieben
hat.  Schwankt  die  Dividende  eines  Unternehmens  zwischen  6  und  10%,
so  neigt  das  Publikum  zur  Rapitalisierung  der  10%,  und  der  Organismus ­
  der  Börse  begünstigt,  wie  später  gezeigt  wird,  den  Rauf  in  Zeiten
niedrigster  Rentabilitätsrate.  Ebenso  haben  alle,  welche  neue  Werte
auf  den  Effektenmarkt  bringen,  ein  starkes  Interesse  an  der  Emission
zur  Zeit  niedriger  Rentabilität,  sowohl  wegen  des  höheren  Erlöses  für
ihr  Unternehmen  wie  wegen  der  in  diesen  Jahren  besonders  hohen  Aufnahmelust ­
  des  Publikums.  Das  Zusammentreffen  einer  niedrigen
Rentabilitätsrate  und  hoher  Emissionstätigkeit  steigert  in  doppelter
Weise  den  Bedarf  des  Aktienmarkts  und  drückt  den  Rentenkurs  umso
tiefer  herunter  als  die  Ouote  des  neuen  Sparkapitals,  welche  sich  dem
Kentenmarkt  zuwendet,  mit  fortschreitender  Ronjunktur  sich  vermindert
und  die  Zuflüsse  des  Geldmarkts  von  jenein  Augenblick  an  für  den  Rentenmarkt ­
  nicht  mehr  in  Betracht  kommen,  wo  der  Effektenkreditzins  den
            
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