Full text : Bankpolitik

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49.  Der  Verkehr  zwischen  dem  nicht  crganisie.ten  tkapiialma.kt  usw.  217
Rentenzins  übersteigt,  während  die  Aktien  am  stärksten  bei  niedriger
Rentabilität  gekauft  werden,  verlieren  die  Rentenwerte  bei  hohem
Zins  einen  erheblichen  Teil  ihrer  Anziehungskraft,  da  steigender  Zins  sinkende ­
  Rurse  bedeutet.  Die  Spannung  zwischen  Zins  und  Rentabilität
ist  am  Tiefpunkt  der  Depression  am  stärksten,  im  Höhepunkt  der  Ronjunktur
  am  schwächsten,-  in  Epochen  steigenden  Zinses  erreicht  im  Zenith
der  Konjunkturen  der  Zins  die  Rentabilitätsrate.
Da  die  meisten  Aktienemissionen  in  den  Zähren  aufsteigender  Uonjunktur
  durchgeführt  werden,  hat  hilferding  in  seinem  „  Zinanzkapital"
die  These  aufgestellt,  bei  Aktiengründungen  werde  der  Ertrag  so  hoch
kapitalisiert,  daß  der  Räufer  nur  den  Zins  erhalte.  Dagegen  wäre  aber
einzuwenden,  daß  die  Gründungskapitalisierung  nicht  alle  Ertragssteigerung ­
  umfassen  kann.  Wer  eine  Aktie,  die  10%  trägt,  zu  200%
erwirbt,  kann  bei  12%  Dividende  eine  Rentabilität  von  6%  erlangen.
Aehnlich  wie  hilferding  kommt  auch  Lexis  in  seiner  Volkswirtschaftslehre ­
  zum  Ergebnis,  daß  der  Unternehmergewinn  bei  der  Umwandlung
eines  Unternehmens  in  eine  Aktiengesellschaft  kapitalisiert  wird  und  dem
Aktionär  nur  der  Zins  zuzüglich  eines  nach  dem  Risiko  verschiedenen
Surplusgewinnes  gelassen  wird.  Beide  Ansichten,  in  ihrem  wesentlichen ­
  Rern  tief  begründet,  gehen  indes  zu  weit  —  die  Rentabilitätsrate ­
  hat  ihre  eigenen  der  Zinsrichtung  entgegengesetzten  Bewegungen.

49.  Der  Verkehr  zwischen  dem  nicht  organisierten  Kapitalmarkt
und  dem  Effektenmarkt.
Unter  den  Anlagen  des  nicht  organisierten  Rapitalmarkts  konkurriert
der  Erwerb  von  ländlichem  Grundbesitz,  Zinshäusern  und  die  Gewährung ­
  von  hgpothekarkredit  an  erster  Stelle  mit  der  Rentenanlage.
Ein  Teil  der  Kapitalbesitzer,  welche  über  die  Voraussetzungen  des
nicht  organisierten  Kapitalmarkts  —  die  Sachkenntnis,  die  Lust  sich
um  das  Gbjekt  des  Eigentums  zu  kümmern  und  das  für  die  Anlage
erforderliche  beträchtliche  Kapital  —  verfügen,  vergleicht  die  Erträge
dieser  Anlagen  mit  denen  der  Renten.  Aber  nicht  alle  Kapitalbesitzer
ziehen  aus  denselben  Voraussetzungen  gleiche  Schlüsse;  die  Besitzer
großer  vermögen,  die  in  erster  Linie  auf  den  Ertrag  der  Anlagen  achten,
bevorzugen  die  Renten  in  Zeiten  sinkender  Kurse,  während  sich  das
Rkittel-  und  Kleinkapital  gerade  dann  von  den  Renten  abwendet,  zumal ­
  wenn  infolge  der  gleichzeitigen  Verteuerung  des  Baukredits  und
der  Pfandbriefe  die  Anlage  in  Häusern  und  Hypotheken  höheren  Ertrag ­
  abwirft.  —
            
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