Object: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die Eisenbahnen. 
Ausbreitung der Bahnen in den einzelnen Ländern. 
Zehn Jahre nach den unvergleichlichen Erfolgen der Liverpool-Manchesterlinie gab 
es in England etwa 3000 lein Bahnen, und in den vierziger Jahren brach dort ein wahres 
Eisenbahnfieber aus, das in schneller Folge zahlreiche Bahnen erstehen ließ. Auch in 
Nordamerika erkannte man nach Überwindung der ersten Vorurteile frühzeitig die Be 
deutung des neuen Verkehrsmittels und baute um 1830 die erste Bahn, deren Lokomotive 
allerdings noch aus England bezogen war. Seit 1832 erstand daselbst auch ein eigener, 
bald völlig selbständig vorgehender Lokomotivbau, und 1835 gab es dort über 1700 km 
Lokomotivbahnen. Auf dem europäischen Festlande hatten die Fürsprecher der Eisenbahnen 
anfangs schweren Stand und auch mit Vorurteilen und schiefen Ansichten aller Art zu 
kämpfen. Wohl waren hier schon seit der Niederwerfung Napoleons I. einsichtsvolle Männer 
bemüht, die Vorteile der Schienenwege ihren Landsleuten klarzulegen und Stimmung 
für ihre Einführung zu machen. So trat namentlich seit 1813 in Österreich ein weit 
blickender Ingenieur, Ritter Franz v. Gerstner, Direktor des Polytechnischen Instituts zu 
Prag, lebhaft durch Wort und Schrift für diese mit Pferden zu betreibenden Kunststraßen 
ein und wies ihre Überlegenheit gegenüber den gewöhnlichen Landstraßen nach. Wie in 
öN NrrsonrntrMlsport der Lrnl-Nndwciftr Eisenbahn 1828. 
Nach einem Original von Mathias Schönerer. 
dem großen, kürzlich erschienenen Werke „Geschichte der Eisenbahnen der österr.-ungar. 
Monarchie" ausführlich erörtert ist, gelang es Gerstners Sohne Franz, Professor am 
Polytechnischen Institut in Wien, ein Jahrzehnt später die Bauerlaubnis für die 122 km 
lange Linie von Linz nach Budweis zu erhalten und daraufhin die nötigen Geldmänner 
zusammenzubringen. Im Jahre 1828 wurde die Bahn in Angriff genommen und vier Jahre 
danach eröffnet. Abb. 51, welche nebst einigen anderen der ebengenannten Quelle ent 
nommen ist, geigt den Betrieb mit Personenwagen auf dieser denkwürdigen Schienenstraße, 
der ältesten Österreichs. Eigentümlich berührt uns heute die damalige Anschauung über die 
zweckmäßigste Bauart solcher Bahnen. Man getraute sich noch nicht, die Dämme als reine 
Erdschüttung herzustellen, sondern mauerte einen Steinkern auf und hüllte diesen dann mit 
Erde ein. Auf diese Weise vergeudete man freilich infolge mangelnder Erfahrung große 
Kapitalien und baute nicht nur unnötig teuer, sondern auch langsam. Die erste Lokomotiv- 
bahn Österreichs erstand im Jahre 1837. 
In Deutschland bemühten sich besonders zwei Oberbergräte um das Zustandekommen 
von Bahnen: v. Baader in Bayern und Henschel in Kassel. Ersterer schlug schon 
1814 u. a. den Bau einer Bahn von Nürnberg nach Fürth vor, ohne aber Erfolg zu 
haben. Henschel, ein um die Entwickelung des deutschen Maschinenbaues hochverdienter, 
vielseitiger Mann und Begründer der Henschelschen Maschinenfabrik in Kassel, aus der 
später die bekannte Lokomotivfabrik hervorgegangen ist, die Anfang 1899 ihre fünf 
tausendste Lokomotive fertigstellte, trat namentlich seit den zwanziger Jahren für die Be 
förderung von Etsenbahnwagenlasten durch Seilzüge und Lustkompressoren ein. Sein 
damaliger Entwurf zu einer Preßlufteisenbahn kam mangelnder Unterstützung wegen nicht
	        
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