Object: Die baltische Wirtschaft

Polnisches Tabakmonopol /Polski Monopol Tytuniowy/ 
Das Tabakmonopol in Polen hat eine alte Tradition, die 
noch vor die Zeit der Teilungen reicht. Dem Beispiel der 
arsten Staaten in Europa folgend, welche das Tabakmonopol 
in verschiedenen Formen bereits im 17. Jahrhundert einführ- 
ten, wie Frankreich und England, welch letzteres das Monopol 
in eine Steuer umwandelte, hat auch Polen auf der Suche nach 
neuen Finnahmequellen bereits zur Zeit Wladislaws IV. die 
Besteuerung des Tabaks in Erwägung gezogen. Der außer- 
ordentliche Warschauer Seim vom Jahre 1775 hat die Besteu- 
erung der Tabakhändler beschlossen, während der Sejm 
vom Jahre 1786 das Fabrikations- und Handelsmonopol ein- 
führte. Das unsichere Leben in der damaligen Zeit sowie die 
Teilungen ließen eine Realisierung des Monopols nicht zu, und 
Dr. Aleksander Kreutz, Generaldirektor des Staatlichen Tabakmonopols 
erst in der Zeit des Warschauer Fürstentums und später des 
Königreichs Polen wurde das Tabakmonopol Jahrzehnte hin- 
durch in Form einer gemischten Verwaltung, die Sich aus 
Staatsbeamten und Pächtern zusammenseizte, geführt. Zur 
Zeit des Ministers Lubecki, der sich um die Entwicklung der 
Wirtschaft des Landes so verdient gemacht hat, betrugen die 
Finnahmen aus diesem Monopol 2 Millionen polnische Zloty, 
daneben entwickelte sich der Tabakanbau, durch den die In- 
landsfabriken mit Rohstoffen versehen wurden, immer mehr, 
während ein Teil des Rohstoffes sorar aus dem Auslande ein- 
geführt wurde. | ; 
In dem Maße, als Rußland jede Selbständigkeit des König- 
reichs Polen unterband, ist auch das Tabakmonopol im Jahre 
1860 „versuchsweise“ aufgehoben und an Stelle dessen die 
Akzise eingeführt worden. Der Tabakanbau wurde gleichzeitig 
vollständig eingestellt. ” nn 
Lediglich in dem früheren Österreichischen Teilgebiet 
konnten sich das Tabakmonopl und der Tabakanbau erhalten. 
Nach der Wiedererstehung \der Republik Polen haben die Be- 
hörden des wiedergeborenen Staates die: Reste dessen über- 
nommen, was der Krieg nicht vernichtet hat, und zwar eine 
Fabrik, die in Betrieb war, und vier vollkommen zerstörte 
Unternehmen. Die Tabakplantagen sind während des Krieges 
derart zerstört worden, daß die Verwaltung des damaligen 
Monopols im Jahre 1919 alles in allem nur 14000 kg Rohstoff 
ufkaufen konnte. Erst durch das Seijmgesetz vom 1. Juni 
922, welches das volle Tabakmonopol ab 1. August 1924 ein- 
ührte, wurde die Grundlage für die Entwicklung dieses staat- 
"chen Unternehmens, das zu den bedeutendsten und ertrag- 
‚eichsten gehört, geschaffen. Die Entwicklung des polnischen 
F"abakmonopols bewegte sich in zwei Richtungen: erstens 
uf dem Wege der Fabrikation und Organisation sowie in 
Zichtung der Verbesserung des Verkaufsapparats, anderer- 
:eits handelt es sich darum, die inländischen Tabakplantagen 
auf ein hohes Entwicklungsniveau zu bringen. 
(Gemäß dem Gesetz über das Tabakmonopol sind sämtliche 
privaten Tabakfabriken aufgekauft worden. Während die 12 
zrößten Fabriken wieder aufgebaut wurlden, ist der Rest nach 
lem Aufkauf der Rohstoffe und der Maschinen liquidiert wor- 
den. Diese Fabriken sind ietzt.anderen Zwecken dienstbar ge- 
macht worden. 
Die nach dem österreichischen Monopol übernommenen 
Fabriken wurden wieder aufgebaut. Gegenwärtig sind 18 Fa- 
briken in Betrieb, welche zirka 11000 Arbeiter und Arbeite- 
rinnen beschäftigen. Die Entwicklung bewegt sich in der Rich- 
tung, daß die kleinen Fabriken, in denen die Produktionskosten 
natürlicherweise höher sind liquidiert werden, während die 
großen Fabriken einer Erweiterung und Modernisierung unter- 
zogen werden. Alljährlich werden Remontierungen und Er- 
weiterungen durchgeführt. Auch in dem diesjährigen Budget 
1928/29 sind bedeutende Investitionsarbeiten auf dem Gebiete 
des Tabakmonopols vorgesehen, 
Die rapide Entwicklung der polnischen Tabakindustrie 
wird durch folgende Ziffern illustriert: Im Jahre 1919 verar- 
Deiteten die staatlichen Tabakfabriken insgesamt 470992 kg 
Rohstoffe, nach der Einführung des Monopols und dem Wie- 
deraufbau der staatlichen Fabriken im Jahre 1923 wurden be- 
reits 3 363920 kg und nach Einführung des vollen Tabakmono- 
pols im Jahre 1925 bereits 7497267 kg verarbeitet. Im Jahre 
1927 hat die Menge des verarbeiteten Rohstoffs 18 Millionen 
Kilogramm bereits überschritten. Die Zunahme der Tabak- 
produktion ist nicht nur auf die steigende Konsumtion, sondern 
vor allen Dingen auf den immer mehr zurückgehenden 
Schmuggel von Tabakerzeugnissen zurückzuführen. 
Die Steigerung der Produktion. 
In den letzten Jahren wurden folgende Tabakmengen ver- 
kauft (in Kilogramm): 
1925 17 303 209 
1926 17 212 209 
1927 18 694 691 
Die Zahl der verkauften Zigaretten aller Sorten betrug: 
1925 7 754 293 725 Stück 
1926 7 064 174 732 » 
| 1927 8 153 971 825 ” 
Die Zahl der verkauften Zigarren: 
1925 52159 035 Stück 
1926 56214 027 rn 
1927 61 716 853 x 
Die verkauften Mengen von Tabak sämtlicher Sorten he- 
Tusen- 
1925 11242 165 kg 
1926 11736136 „ 
. 1927 12382676 „ 
Aus diesen charakteristischen Zahlen geht hervor, daß 
ıach dem gewissen Rückgang des Tabakkonsums im Jahre 
1926 mit Ausnahme der Zigarren im Jahre 1927 wieder eine 
yedeutende Steigerung gegenüber den beiden Vorjahren Platz 
zegriffen hat, was zweifelsohne teilweise auf die gestiegene 
<aufkraft der Bevölkerung zurückzuführen ist, andererseits 
ıber auf eine ständige Hebung der Qualität sämtlicher Tabak- 
erzeugnisse in Polen hinweist, und dies ist der heste Schlutz 
vor dem Schmuggel. 
Die steigenden Einnahmen des Staates. 
Für die allgemeine Finanzpolitik des Staates stellen die 
Summen, die aus dem polnischen Tabakmonopol einfließen, 
ne äußerst wichtige und ergiebige Position dar, machen sie 
loch den sechsten Teil aller Einkünfte aus. Ueber die Ein- 
1ahmen aus dem polnischen Tabakmonopol in den letzten 
Jahren gibt folgende Tabelle Aufschluß: 
Jahr Präliminiert: Tatsächliche Einnahmen: 
1923 45 000 000 Zloty 42 407 624 Zloty 
1924 70000000 133767933 
1925 162000000 182437677 
1926 200000000 ., 270033265 
1927 270000 000 343000 000
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.