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II. Der Geldmarkt.
Dezentralisierung der Bankanstalten durch Errichtung zahlreicher Filia
len und durch den postscheckoerkehr, niedrige Mindestguthaben oder
selbst Verzicht auf solche, Verzinsung der Guthaben, Gestattung der
Einzahlungen auf Kontis auch durch Nichtdeponenten, geringe Nosten
der Uebertragung namentlich auch bei Sendungen von Grt zu Grt,
Veröffentlichung von Listen der Giroteilnehmer haben zur Verbrei
terung des Bankzahlungsverkehrs wesentlich beigetragen. Sein Anteil
am gesamten Zahlungsverkehr wurde wiederholt zu schätzen versucht.
Oie englischen und älteren amerikanischen Erhebungen legten die
Ein- und Ausgänge bei den Kreditbanken zugrunde; eine englische
Schätzung der fünfziger Zähre des vorigen Zahrhunderts ergab bei
den Einnahmen eines Bankhauses 89% in Schecks, bei den Auszah
lungen 96%; eine andere englische Schätzung in den sechziger Zähren
ergab, daß 96.8% aller Ein- und Ausgänge eines Bankhauses in Schecks
geleistet wurden. Eingehendere Untersuchungen wurden in der Union
1872, l88l und namentlich seit 1890 veranstaltet: Zn den vereinigten
Staaten, die frühzeitig ausgebildeten Scheckverkehr besaßen, wurden
die Depositen der Nationalbanken 1871 zu 12% in lvährungsgeld und
zu 88% in Schecks, 1908 zu 6% in lvährungsgeld und 94% in Schecks
eingezahlt. Aber die Einnahmen und Ausgaben der Banken geben
kein richtiges Bild, da sie nur mit der Mittel- und Oberschicht der Ge
sellschaft verkehren: Mehrere Erhebungen der Comptrollers ok the
Currency und neuerdings Professor Kinlegs versuchten darum die
Zahlweise im Detailhandel festzustellen, indem sie die Art der Ein
zahlung der Bankdepositen nach Branchen sonderten, während die
Großhandelsgeschäfte im Durchschnitt der Union zu 96.4%, in manchen
Staaten sogar zu 99% Schecks ablieferten, lieferten die Detailhändler
im Durchschnitt nur 73%, in manchen Staaten erheblich weniger in
Schecks ab — immerhin ein Verhältnis, das in keinem europäischen
Staat auch nur annähernd erreicht werden dürfte.
Aber auch die beste Organisation des Bankzahlungsverkehrs kann
das Währungsgeld nicht überflüssig machen; auch in den vereinigten
Staaten werden ungeachtet des Verzichts der Banken auf Mindest
guthaben nur 30% der Arbeitslöhne in Schecks gezahlt. Für den, der
von der Hand in den Mund lebt und von seinem Lohn sofort die Aus
gaben begleichen muß, ist Lankzahlung unmöglich — und die Zahl
dieser Personen ist umso größer, je geringer der Wohlstand ist und in
je kleineren Zwischenräumen Gehalte und Löhne gezahlt werden, die
Bankzahlung ist ferner unmöglich bei Zahlungen Zug um Zug zwischen
Unbekannten, zum Beispiel an der Bahnkasse und bei den kleinen Zah