Full text : Bankpolitik

23.  Die  Bedeutung  der  Jahreszeit  für  den  Geldmarkt.  83
formte  ausbezahlt  werden,  ist  die  Nachfrage  nach  Währungsgeld  für
den  inneren  Verkehr  namentlich  im  September  und  Oktober  gegenüber
den  vorhergehenden  Monaten  wesentlich  verstärkt.  In  England  wurde
die  Erscheinung  des  „autuinval  drain“,  des  Geldentzugs  im  Herbst
schon  lange  konstatiert,  ehe  man  die  Wirkung  der  Jahreszeit  auf  den
Geldmarkt  kannte.  Er  übt  besonders  große  Bedeutung  in  der  Union.
Deutschland  und  Rußland.  In  den  Getreideeinfuhrländern  ist  im  letzten
Jahrzehnt  an  Stelle  des  inländischen  ein  herbstlicher  Geldbedarf  für
Auslandszahlungen  eingetreten:  Große  Quantitäten  von  Getreide
und  Baumwolle  werden  im  Herbst  eingeführt,  denen  im  selben
Monat  gleichhohe  Ausfuhrwerte  nicht  gegenüberstehen;  da  auch  die
andern  Posten  der  Zahlungsbilanz  das  im  September  und  Oktober
sich  ergebende  starke  Passivum  der  Handelsbilanz  nicht  sofort  ersetzen ­
  können  und  auch  die  Zahlung  durch  Ankauf  von  Wechseln,
welche  andere  Länder  auf  die  Erportreiche  besitzen,  deshalb  versagt,
weil  eben  die  Getreide-,  Baumwolle-  und  Raffee-  ausführenden  Staaten
in  diesen  Monaten  gegen  alle  andern  Reiche  eine  aktive  Zahlungsbilanz
haben,  sind  regelmäßig  Goldausfuhren  zur  Begleichung  des  momentanen ­
  Passivsaldos  nötig.  Der  autumval  drain  für  Auslandszahlungen
ist  in  England  viel  wichtiger  geworden  als  jener  für  den  inländischen
L  andwirtschaftsb  edarf.
Die  Bedeutung  der  Jahreszeit  für  den  deutschen ­
  Geldmarkt.
In  den  ersten  Januartagen  werden  in  Deutschland  eine  große  Zahl
von  Rupons  fällig,  die  Eingänge  aus  Mietzinsen  bei  den  Banken  hinterlegt. ­
  Die  Rreditbanken,  die  zu  Jahresende  im  Interesse  der  Verschönerung
der  Bilanz  nach  Liquidität  gestrebt  hatten,  leihen  freigebiger.  Dadurch
wird  der  Leihpreis  des  Geldes  auf  dem  offenen  Markt  billiger,  der
Status  der  Reichsbank  verbessert.  Die  Zuführung  neuer  zur  Anlage
verfügbaren  Rapitalien  und  die  Verbilligung  des  Leihgeldes  veranlassen ­
  eine  um  so  regere  Emissionstätigkeit  auf  dem  Rapitalmarkt,  als
die  vorangegangenen  vier  Herbstmonate  Zurückhaltung  auferlegt  hatten.
Die  Vorbereitung  der  Emission  verlangt  eine  Ronzentrierung  der
Mittel:  Wenn  eine  Bank  bei  Ronsortialbeteiligungen  bereit  sein  mutz,
am  15.  Januar  als  erste  Einzahlung  für  eine  Anleihe  auf  ihre  Ouote
5  Millionen  einzuzahlen,  so  wird  sie  diesen  Betrag  schon  einige  Tage
zuvor  als  kurzfristigen  Effektenkredit  dem  Markt  Mr  Verfügung  stellen.
Auch  nach  Durchführung  der  Emission  pflegt  der  größte  Teil  der  eingebt ­

            
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