Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Holzbeizen 
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Holzkohle 
ringeren Teil aus dem Schwarzwald. — Ist man 
genötigt, H. im Freien liegen zu lassen, so wählt 
man hierzu am besten ein freiliegendes Grund 
stück, welches nicht von hohen Häusern um 
geben ist, um der Luft und den Sonnenstrahlen Zu 
tritt zu gestatten. Auch schützt man es am besten 
durch Überdachung gegen Regen und Schnee, 
doch so, daß’ die Luft seitlich hindurchziehen 
kann. Für manche Zwecke ist es nötig, das H. 
von seinen Saftbestandteilen zu befreien, was 
durch Auslaugen oder Ausdämpfen geschieht. 
Für andere Verwendungen, z. B. zu Wasser 
bauten, Telegraphenstangen, Eisenbahnschwellen, ■ 
wird das H. konserviert, indem man es mit 
Kupfervitriollösung, Chlorzinklösung, Sublimat 
lösung, Karbolsäure, Karbolineum usw. imprägniert. 
Holzbeizen sind Lösungen von Farbstoffen 
oder Chemikalien, welche dazu dienen, dem Holze 
eine andere, meist dunklere Färbung zu verleihen 
und auf diese Weise geringwertigen Hölzern das 
Aussehen teurerer zu geben. Sie bilden unter 
dem Namen H. für Nachahmung von Ebenholz, 
Nußbaum, Jakaranda, Mahagoni u. a. eine wich 
tige Handelsware. Neben einfachen Anilin 
farben benutzt man auch getrennte Lösungen 
von Metallsalzen und Farbstoffen, die haltbare 
Niederschläge (Lacke) ergeben, z. B. Blauholz mit 
Kaiiumdichromat, Alizarin mit Metallsalzen, Gerb 
stoff mit Eisenlösung, oder endlich auch einfache 
Chemikalien, wie Kaliumpermanganat für Braun, 
Vanadinsäure für Schwarz. 
Holzessig (Holzsäure, lat. Acetum pyro 
lignosum, frz. Acide ligneux, Vinaigre de bois, 
engl. Pyroligneous acid). Zur besseren Ausnut 
zung des Holzes ersetzt man die Meilervörkoh- 
lung mehr und mehr durch ein Verfahren der 
Trockendestillation, wobei neben 20—30°/» Kohle 
reichliche Mengen Leuchtgas entstehen, die wie 
der zur Heizung der Retortenöfen dienen. Das 
hierbei erhaltene flüssige Destillat trennt sich 
beim Stehen von selbst in zwei Schichten, eine 
untere, den Holzteer, und eine obere, den 
rohen Holzessig, die beide Handelswaren bil 
den. Der rohe H., eine braune, saure, unan 
genehm teerig und rauchig riechende und 
schmeckende Flüssigkeit, besteht neben Wasser 
aus Essigsäure, Holzgeist, Azeton und kleinen 
Mengen von Phenolen (Guajakol), die hier nur die 
Rolle von Verunreinigungen spielen. Die Menge 
der einzelnen Bestandteile ist, je nach den Holz 
arten, der Destillationseinrichtung und der mehr 
oder weniger guten Leitung der Feuerung ver 
schieden. Die meiste Essigsäure enthält das 
Destillat von Buchen- und Birkenholz. Im all 
gemeinen wechselt der Gehalt zwischen 5 und 9% 
Essigsäure.^ — Der rohe H. dient für sich als 
fäulniswidriges Mittel, zur Konservierung von 
Holz und zum Bestreichen von Fleischwaren 
(kalte Räucherung), ferner für Färberei- und 
Druckereizwecke, zur Darstellung des zu gewissen 
Farben erforderlichen holzessigsauren Eisens (vgl. 
Essigsäure) und zur Erzeugung reiner Essigsäure 
(s. d.). Durch Umdestillieren des rohen H. in der 
Weise, daß nur drei Viertel vom Ganzen ab 
gezogen werden, erhält man den gereinigten 
oder rektifizierten PL, der in der Medizin und 
als Desinfektionsmittel verordnet wird. 
Holzgeist (Methylalkohol, Methyloxyd 
hydrat, Karbinol, lat. Alkohol methylicus, 
frz. Esprit hydroxylique, Alcool methylique, engl. 
Pyroligneous spirit, Wood naphta, Methylated 
spirit) ist ein Bestandteil des Holzessigs (s. d.), aus 
welchem er durch wiederholte fraktionierte De 
stillation und weitere Reinigung fabrikmäßig ge 
wonnen wird. Der für gewöhnlich im Handel 
vorkommende PL ist stets noch etwas wasser 
haltig, und die geringeren Sorten enthalten 
auch noch andere flüchtige Beimengungen, die 
jedoch für manche seiner Verwendungen nicht 
störend sind. Man verkauft ihn wie den Spiri 
tus nach Prozenten Tralles, gewöhnlich 95 bis 
98 0/0. — Der H., CH, 3 . OH, ist eine dem gewöhn 
lichen Alkohol (Äthylalkohol, Weingeistj ähnliche 
farblose, brennbare, sehr flüchtige Flüssigkeit 
von eigentümlichem geistigen Geruch und bren 
nendem Geschmack, die sich mit Wasser, Wein 
geist, Äther, Fetten und ätherischen Ölen in 
allen Verhältnissen mischt. Er siedet bei 65° und 
verbrennt mit bläulicher, nicht leuchtender Flam 
me. Zum Unterschiede von Äthylalkohol wird die 
Flamme durch Zusatz von Borax grün gefärbt, 
während freie Borsäure auch der Weingeist 
flamme eine grüne Farbe verleiht. Das spez. 
Gew. beträgt 0,797. Die Hauptverwendung findet 
der H. jetzt zur Darstellung von Jodmothyl 
(Methyljodür), des Äusgangsstcffes verschiede 
ner Anilinfarben. In England benutzt man ihn, 
wegen der hohen Spiritussteuer, ganz allgemein 
anstatt des Spiritus zum Brennen und zur Be 
reitung von Lacken, ferner wie auch in Deutsch 
land zum Denaturieren von Spiritus. Die vor 
übergehend zur Umgehung der Spiritussteuer 
früher beobachtete Einführung als Trinkbrannt- 
wein ist wegen der hohen Giftigkeit (Erblin- 
dungsgefahr), schon 8 g kühnen tödlich wPken, 
verboten. Das Branntweinmonopolgesetz vom 
26. Juli 1918 verbietet nicht nur die Verwendung 
von Methylalkohol zu Nahrangs- und Genuß 
mitteln, sondern auch für Heil-, Vorbeugungs 
und Kräftigungsmittel, Riechmi.tel und Mittel zur 
Reinigung, Pflege oder Färbung der Haut, des 
Haares, der Nägel oder der Mundhöhle. Unter 
methylalkoholhaltigc Flüssigkeiten fallen z. B. 
Spritol und Spritogen. 
Holzkohle (lat. Carbo ligni, frz. Charbon de 
bois, engl. Char coal). Dieser wichtige und viel 
benutzte Stoff besteht aus dem größten Teile 
des im Plolze vorhandenen Kohlenstoffes nebst 
den Aschenbestandteilen des Holzes, und ent 
steht bei der unvollständigen Verbrennung des 
Holzes in Meilern oder Retorten. In letzteren ist 
die Ausbeute natürlich größer, da bei den Mei 
lern ein Teil des Holzes für die Unterhaltung 
des Brandes geopfert werden muß, dafür be 
dürfen aber die Destillationsgefäße einer mehr 
stündigen äußeren Feuerung. Die Destillation 
ergibt höchstenfalls etwa 27 °/o Kohle vom Ge 
wicht des lufttrockenen und 28—32 °/o des vorher 
stark ausgetrockneten Holzes, die Meilerverkoh 
lung, wenn sie sorgfältig geführt wird, etwa 20 
bis 23%. Die Kohlenbrennerei, die viel Umsicht 
erfordert, erfolgt im allgemeinen derart, daß eine 
aus Scheiten aufgebaute Plolzpyramide überall, 
bis auf eine Öffnung an der Spitze, mit einem 
Mantel von Rasen und Erde umgeben und von 
der Mitte heraus angezündet wird. Die nötige 
Luft findet ihren Eingang durch Löcher, die zu 
unterst ringsum in den Mantel gestoßen sind, der
	        
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