Allgem. Charakteristik des kapital. Produktionsproz. Die Profitbildung 135
entfernterer Ordnung sind nämlich, obschon sie körperlich gegen-
wärtig sind, ihrer wirtschaftlichen Natur nach Zukunfts-
ware“,‘“ Hier möchten wir beim Begriff des „gegenwärtigen‘‘
und der „zukünftigen‘‘ Güter, der von Böhm-Bawerk eingeführt
wird und eine überaus wichtige Rolle in seinem „System“ spielt,
etwas näher verweilen. Die Bedürfnisse, die den Wert der Güter
bestimmen, können auf verschiedene Zeitabschnitte verteilt wer-
den; entweder beziehen sie sich auf die Gegenwart und werden
dann unmittelbar und besonders scharf empfunden „(aktuell
empfundene Gefühle‘) oder sie beziehen sich auf die Zukunft
(die Vergangenheit wird hier aus selbstverständlichen Erwägun-
gen nicht erörtert). Diejenigen Güter, die gegenwärtige Bedürf-
nisse befriedigen, nennt Böhm-Bawerk „Gegenwartsgüter‘‘, die
anderen Güter, die Bedürfnisse in der Zukunft befriedigen —
„Zukunftsgüter‘“. Wenn ich z. B. gegenwärtig über eine gewisse
Geldsumme verfüge, mit deren Hilfe ich folglich meine laufenden
Bedürfnisse befriedigen kann, so ist diese Summe nach Böhm-
Bawerk zu den „Gegenwartsgütern‘“ zu zählen; kann ich dagegen
eine ebensolche Geldsumme erst nach einer gewissen Zeit er-
halten, so kann ich sie nicht zur Befriedigung meiner gegen-
wärtigen Bedürfnisse benutzen, vielmehr wird sie erst zur Be-
friedigung der zukünftigen Bedürfnisse dienen; demnach ist diese
Geldsumme ein „Zukunftsgut‘“. Die gegenwärtigen und die zu-
künftigen Bedürfnisse sind, mögen sie auf noch so verschiedene
Zeitabschnitte verteilt sein, miteinander zu vergleichen; deshalb
kann auch der Wert der gegenwärtigen und zukünftigen Güter
verglichen werden. Wir kommen dabei zu folgendem Gesetz:
„Gegenwärtige Güter sind in aller Regel mehr
wertalskünftigeGütergleicherArtund Zahl®.“
— „Dieser Satz — sagt ferner Böhm-Bawerk — ist der Kern und
Mittelpunkt der Zinstheorie, die ich vorzutragen habe?.“ Wenn
wir nun dies auf die Beziehungen zwischen den Kapitalisten und
den Arbeitern übertragen, so ergibt sich folgender Tatbestand.
Unter anderen Produktionsmitteln kaufen die Kapitalisten auch
die Arbeit. Die Arbeit aber ist, gleich jedem anderen Produk-
tionsmittel, „ihrer wirtschaftlichen Natur nach“ ein Ziu.-
kunftsgut; demnach hat sie einen geringeren Wert als die
Güter, die durch sie — die Arbeit — hergestellt werden. Ange-
nommen, daß durch X Arbeitseinheiten Y Einheiten Ware a her-
gestellt werden, deren Wert gegenwärtig gleich A ‘ist; dann
27-1b..S.. 503,
28 Ib. 8.426,
2 Jb. S. 426.