fullscreen: Warum reisen Arbeiterdelegationen nach Sowjetrußland?

Erklärung der österreichischen Arbeiterdelegation, 
An die Arbeiter und Bauern der Sowjetunion! 
Die österreichische Arbeiterdelegation verläßt nunmehr nach neun- 
wöchentlichem Aufenthalt in der Sowjetunion am heutigen Tage wieder die 
Grenzen des ersten Arbeiter- und Bauernstaates der Welt und tritt die 
Rückreise nach Oesterreich an, } 
Die österreichische Arbeiterdelegation hat während dieser neun Wochen 
die wichtigsten Industrie- und Wirtschaftsgebiete durchreist und die ver- 
schiedenen Ziele der Reise selbst festgelegt, In allen Fragen wurde uns 
von den führenden Instanzen, mit denen wir in Verbindung traten, bereit- 
willigste Auskunft erteilt, Unsere Untersuchungen konnten wir in allen 
uns interessierenden Fragen frei und ungehindert anstellen, wobei uns von 
den Vertretern der Gewerkschaften, der Regierungs- und Wirtschaftisorgane 
jede von uns geforderte Unterstützung in entgegenkommendster Weise ge- 
währt wurde, Man zeigte uns nicht nur das Schöne, das Gute, sondern auch 
das Schlechte, das naturgemäß in der kurzen Zeit der Sowjetherrschaft noch 
nicht beseitigt werden konnte, Ueberall konnten wir ungehindert mit den 
Arbeitern in Fühlung treten und uns in direktem Gespräch mit ihnen über 
ihre Lage informieren, Dies wurde uns besonders noch erleichtert durch den 
Umstand, daß einige Mitglieder der Delegation in auskömmlicher Weise die 
russische Sprache beherrschten und daß wir in fast allen Betrieben’ deutsch- 
sprechende Arbeiter, auch ehemalige Oesterreicher, angetroffen haben. Mit 
dieser Feststellung hat sich die vor unserer Abreise in Oesterreich ver- 
breitete Auffassung, wonach uns in Rußland nur das Gute und Schöne, nicht 
aber auch, das Schlechte gezeigt werde, und daß wir mangels der Sprach- 
kenntnisse mit den Arbeitern werden nicht in Fühlung treten können, als 
falsch erwiesen, Für eine objektive Ueberprüfung der vorgefundenen Ver- 
hältnisse bürgt ferner der Umstand, daß bis zur Ankunft in Rußland bloß 
jene Vorstellung über die Sowjetunion bei der Mehrheit der Delegation 
vorherrschte, die ihr durch die österreichische, bolschewikifeindliche Presse 
beigebracht wurde, 
Eine der wichtigsten Fragen für die Delegation war folgende; Ist in der 
Sowjetunion wirklich die Arbeiterklasse an der Macht; ist die Sowjetunion 
tatsächlich ein Staat, in dem der Sozialismus verwirklicht wird, oder aber 
ist es so, wie der Großteil der österreichischen antibolschewistischen Presse 
schreibt, daß hier nur eine kleine Gruppe bolschewistischer Terroristen 
herrscht, welche eine grausame Diktatur über die großen Massen der 
russischen Arbeiter und Bauern ausüben und jede oppositionelle Regung 
gewaltsam unterdrücken? 
Gründliches Studium der Verhältnisse, nicht nur die Tatsache, daß an 
den höchsten und verantwortungsvollsten Regierungs- und Verwaltungs- 
stellen einfache, in der Revolution vielfach erprobte und zuverlässige Ar- 
beiter stehen, eingehende Gespräche mit Tausenden von Arbeitern in Hun- 
derten von Versammlungen und ‘in. allen besichtigten Betrieben haben die 
Delegation zu der einmüfigen Auffassung gebracht, daß alle Macht in der 
Sowjetunion tatsächlich in den Händen der Arbeiter liegt, daß die-Arbeiter- 
klasse Rußlands ‚politisch die Freieste Arbeiterklasse in der ganzen Welt 
ist, daß sich Sowjetrußlands wirtschaftlicher Aufbau unter aktivster Anteil- 
nahme großer Massen von Arbeitern und Bauern in der Richtung zum 
Sozialismus vollzieht. 
Obwohl die von der zaristischen Herrschaft übernommene Industrie zu 
einem Teil technisch rückständig ist, obwohl noch althergebrachte Uebel- 
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