Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.  11

von  4  %  des  Betriebsgewinns.  Im  Jahre  1906  betrug  der  ausgezahlte  Gewinnanteil  76  496  M.
—  Im  Seidenhaus  Michels  &  Co.  in  Berlin  ist  jeder  im  Verkauf  tätige  Angestellte
mit  einem  prozentual  bemessenen  Satze  an  dem  Gewinn  der  durch  ihn  bewirkten  Verkäufe ­
  beteiligt,  wodurch  erhebliche  Gehaltssteigerungen  erzielt  werden.  —
Es  braucht  kaum  noch  darauf  hingewiesen  zu  werden,  daß  die  Zahlung  auskömmlicher
Gehälter  und  Löhne  auf  das  harmonische  Verhältnis  zwischen  Arbeitgebern  und  Werksangehörigen ­
  günstig  einwirken  muß  und  zur  Zufriedenheit  der  Arbeiter  beiträgt.  Man  kann
den  berechtigten  freudigen  Stolz  mitempfinden,  wenn  dann  Arbeitgeber  von  Arbeitseinstellungen ­
  nur  vom  Hörensagen  etwas  wissen.  Die  Gebr.  Uebel,  Mechanische
Baumwollspinnerei  in  Netzschkau,  Plauen  und  Adorf  i.  S.,  sind  in  dem  länger
als  50jährigen  Bestehen  der  Firma  noch  von  keiner  Arbeitseinstellung  betroffen  worden,
und  ihre  ,,Alte  Garde“  (d.  h.  die  Arbeiter  mit  mehr  als  25jähriger  Dienstzeit)  zählt  gegenwärtig ­
  129  Mann.  —  Auch  die  Waffenfabrik  Mauser  A.-G.  in  Oberndorf  a.  N.,  sowie
Schimmel  &  Co.  in  Miltitz  können  erklären:  „Solange  wie  die  Fabrik  besteht,  gab  es  noch
keine  Arbeitseinstellung“  ;  die  Firma  F.  A.  Oehler,  Zeitz  schreibt:  „Dank  der  Wohlfahrtsmaßnahmen ­
  ist  die  Firma  bisher  von  Lohndifferenzen  jeder  Art  verschont  geblieben.“
GESONDERTE  ERLEDIGUNG  DER  WOHLFAHRTSARBEITEN.  In  den  letzten  zehn
Jahren  hat  sich  die  Zahl  derjenigen  Firmen,  die  eigene  Wohlfahrtsabteilungen  eingerichtet ­
  und  für  die  Verwaltung  derselben  volkswirtschaftlich  vorgebildete  Sozialsekretäre
  angestellt  haben,  erheblich  vermehrt.  Neben  den  in  dieser  Art  sich  eingerichtet
habenden  Firmen:  Zeißwerke  in  Jena,  Farbenfabriken  vorm.  Friedr.  Bayer  &  Co.  in
Leverkusen,  J.  W.  Zanders,  Feinpapierfabrik  in  Bergisch  -  Gladbach,  Hamburg ­
  -  Amerika  -  Linie  in  Hamburg,  Badische  Anilin-  und  Sodafabriken  in
Ludwigshafen  (Aufwendungen  im  Jahre  1911  für  Wohlfahrtseinrichtungen:  2  230  000  M.
bei  einem  Personalbestand  von  9172),  sei  noch  auf  die  Bergbau  -  Aktien-Gesellschaft
„Ilse“  in  Grube  Ilse  und  auf  die  Württembergische  Metallwarenfabrik  Geislingen
hingewiesen,  die  besondere  „Wohlfahrtsgesellschaften“  für  ihre  Firmen  gebildet  haben.
Da  die  Arbeiterversicherungs-  und  Arbeiterschutz-  usw.  Gesetze,  verbunden  mit  den
wöchentlichen  und  monatlichen  Lohn-  und  Gehaltsberechnungen  eine  fortlaufende  Buchung
und  tabellarische  Zusammenfassung  der  bezüglichen  Ausgaben  erheischen,  so  sind  die
meisten  Arbeitgeber  schon  an  und  für  sich  genötigt,  ein  besonderes  Bureau  oder  doch
eine  statistische  Abteilung  für  die  Erledigung  dieser  Aufgaben  einzurichten.  Es
liegt  daher  nahe,  daß  auch  vielfach  für  die  Errichtung,  Fortführung  und  die  Feststellung
der  Ergebnisse  der  Wohlfahrtseinrichtungen  besondere  Bureauabteilungen  errichtet  werden.
Bei  solchen  Firmen,  die,  wie  chemische  Fabriken,  optische  Anstalten,  Bergbaubetriebe,
Maschinenbauanstalten  usw.  meistens  über  eine  größere  Anzahl  Kräfte  mit  wissenschaftlicher ­
  und  technischer  Vorbildung  verfügen,  wird  von  vornherein  eine  größere  Neigung  für
planmäßige  Wohlfahrtspflege  vorhanden  sein,  schon  weil  manche  dieser  wissenschaftlichen
Kräfte  den  Wunsch  hegen,  auf  dem  Fürsorge-,  dem  Unterrichts-  und  Bildungsgebiete  sich
praktisch  zu  betätigen.  Für  die
TECHNIK  DER  WOHLFAHRTSPFLEGE  bietet  der  spezielle  Teil  noch  viele  Anregungen.
Wir  beschränken  uns  daher  auf  vorstehende  Skizzen.  Dieselbe  Freiheit,  die  den  Angehörigen ­
  der  „Wohlfahrtsgesellschaften“  und  der  Werkvereine  in  der  Förderung  ihrer
Wohlfahrtsinteressen  unter  Anlehnung  an  die  Anstellungsfirma  geboten  wird,  kommt
auch  bei  den
ARBEITERAUSSCHÜSSEN  zur  Geltung.  Über  die  gegenwärtige  Bedeutung  der
Arbeiterausschüsse  äußert  sich  die  Direktion  der  Continental  -  Gas  -  Gesellschaft  in
Dessau  wie  folgt:
„Wenn  es  aber  auch  den  Arbeitervertretungen  der  einzelnen  Betriebe  von  Jahr  zu
Jahr  schwieriger  werden  sollte,  ihre  Autorität  den  eigenen  Wählern  gegenüber  zu  behaupten ­
  und  sich  nicht  durch  die  großen  Berufsorganisationen  ganz  beiseite  schieben  zu
            
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