Object : Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

(14) 1837 Febr. 3
DE AA
14. Der Vater an Marx in Berlin; Trier 1837
Februar 3
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin

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Lieber Karl!
Dein jüngstes Schreiben hat mich ganz vorzüglich gefreut, denn es
beweist mir, daß Du die kleinen Schwächen, die mich übrigens beunruhigten,
 beseitigt, Deine Stellung erkennst, und mit Kraft und Würde
Deine Zukunft zu befestigen, Dich bestrebst. Doch, lieber Karl, falle in
kein enigegengesetztes Extrem.
Abgesehn davon, daß die Geselligkeit zur Erheiterung, zur Erholung
und zur Ausbildung — des jungen Mannes besonders — sehr große Vorteile
 darbietet, so erfordert. die Klugheit — und die darfst Du, da Du
nicht mehr allein stehst, nicht vernachlässigen — daß man, versteht sich,
auf eine ehrenvolle und würdige Weise, sich einige Stützen verschaffe. x
Vernachlässi gung, besonders da man nicht immer geneigt ist,
den ehrenvollsten Grund aufzusuchen, verzeihen Vornehme oder sich so
Dünkende nicht leicht, und vorzüglich dann nicht, wenn sie sich einigermaßen
 herabgelassen haben. — Die Herren ] [aehnige]n und E[sse]r sind
nicht allein tüchtige Männer, sondern für Dich wahrscheinlich wichtige 20
Männer, und es wäre höchst unklug und wirklich unartig, sie zu vernachlässigen,
 da sie Dich sehr anständig empfangen. Du kannst zu Deinem
Alter und in Deiner Stellung keine Reziprozität fordern. —
Auch der Körper darf nicht vernachlässigt werden. Gesundheit ist das
höchste Gut für jeden, für Gelehrte am allermehrsten.
Übertreibe nichts. Mit Deinen natürlichen Anlagen und Deinem
Jetzigen Fleiße wirst Du ein Ziel erreichen, und es kommt dabei auf einen
Semester nicht an.
So viele Erfahrung ich auch haben mag, ich kann doch nicht ganz mit
heller Übersicht aller Schattierungen Dir einen Plan vorzeichnen. 36
Allerdings scheint es mir außer Zweifel, daß Dein Vorhaben, in Lehrfächern
 Dich emporzuheben, ganz gut und Dir angemessen, wenn Du
noch die Kleinigkeit nicht übersehn willst, Dein Organ etwas auszubilden.
 —
Aber freilich möchte dies etwas lange zugehn, und es wäre allerdings %
in der Lage der Sache wünschenswert, daß dem abgeholfen werde. In
dieser Beziehung bliebe also grade nichts übrig als schrift.
Stellern. Wie aber auftreten? Das ist eine schwierige Frage, doch
dieser Frage selbst geht eine andere vorher: Wird es Dir gleich gelingen,
das Zutrauen eines tüchtigen Buchhändlers zu gewinnen? Denn das mag 4
wohl das Schwierigste sein. Gelingt Dir das — und Du bist im ganzen
ein Glückskind — dann kommt die zweite. Philosophisches oder Juristisches
 oder beides zusammen scheint wohl vorzüglich, um den Grund
zu legen. Gediegene Poesie kann wohl den zweiten Rang einnehmen, und
sie schadet dem Rufe nie, es wäre denn in den Augen einiger Pedanten, 4
Die leichten Plänkler sind die nützlichsten, und mit einigen guten Namen,
wenn sie original sind und neuen Zuschnitt haben, kannst Du anständig
und gesichert eine Professur abwarten etc. etc. etc. — Doch einen festen

Trier, den 3. Febr. 1837.
            
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