nicht verpflichten, Memel und Pillau zu schützen, da der Kurfürst
dort lästige Zölle erhob!); und der holländische Ratspensio-
naris Johan de Witt wollte von einem Krieg nichts wissen;
die schweren Schulden des englischen Krieges drückten noch auf
das Land; man plante gerade die große Zinsreduktion und wollte
sich dies Geschäft nicht durch einen Ostseekrieg verderben. Wäh-
rend aber in Amsterdam infolge der Bemühungen Beuningens,
der früher Gesandter in Stockholm gewesen war, die schweden-
feindliche Stimmung und die Sorge um den bedrohten Ostseehandel
wuchs, zumal das Gerücht entstand, Schweden verlange von Bran-
denburg die Erhöhung der preußischen Zölle auf den Stand der
schwedischen in Livland und eine Belastung des fremden Handels
mit 3—4%, neigte Amsterdam und mit ihm Rotterdam und Leiden
mehr und mehr einem Bündnis mit Brandenburg zu, das bisher
namentlich an der Forderung gescheitert war, der Kurfürst solle
über die Maximalhöhe seiner Zölle eine bindende Verpflichtung ein-
gehen?). Nur die Furcht vor einer Einmischung Cromwells
in die Ostseeverhältnisse hemmte die Entscheidung der General-
staaten, die vom Kurfürsten mehrfach darauf aufmerksam gemacht
wurden, daß es sich bei Schwedens Vorgehen nicht um Feindschaft
gegen Brandenburg, sondern lediglich um die Vertreibung der Nieder-
länder aus der Ostsee handele. Trotz Amsterdams Drängen auf
schleunige Entschlüsse befragte die Provinz Holland erst Crom-
well um seinen Rat; er lautete nicht günstig für ein kriegerisches
Eingreifen?). In dieser Angelegenheit hat die städtische und land-
schaftliche Interessenpolitik sehr unheilvoll gewirkt durch die von
ihr veranlaßte Verzögerung und Aussetzung entscheidender Ent-
schlüsse. Während nach langen Verhandlungen endlich am 27. Juli
1655 der Vertrag der Niederlande mit Branden-
burg zum Abschluß kam, in dem der Kurfürst versprach, die
Niederländer in seinen Häfen nicht höher belasten zu wollen als
jetzt, es sei denn aus „höchster Not“ und im gemeinsamen Interesse
und mit Zustimmung beider Kontrahenten, stritt Amsterdam mit
der Provinz Holland über die Aufhebung des Last- und Veilgeldes
und ihrer Direktion, die nach Amsterdams Meinung nur minder-
1 Kolkert, S./SIM.
3olkert, S. 921. 1041.
3) Kolkert, SS. 106.
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