15 Der Kampf des koreanischen Volkes gegen Japan.
so erklärte Japan den Krieg und erlangte nach dem Siege in Söul die Oberhand.
Seine Politik stieß jedoch bei den Koreanern auf heftigen Widerstand.
Vor allem widersetzte sich die Königin Minn der japanischen Einmischung
und brachte die Intrigen Japans eine nach der andern zu Fall. Dies führte
im Jahre 1895 zu der tragischen Ermordung der Königin Minn, die offiziell
durch japanische Truppen, die in den Palast eingebrochen waren, ausgeführt
wurde. Auf diese Weise vernichtete Japan die anti-japanische Partei
in Korea, um sich jedoch damit das ganze koreanische Volk zum unversöhnlichen
Feind zu machen. Als aber das zaristische Rußland seine Begehrlichkeit
in bezug auf Korea zum Ausdruck brachte, schloß sich die ganze Halbinsel
wie ein Mann gegen diesen riesigen Angriff aus dem Norden zusammen.
Japan hatte damit eine schöne Gelegenheit zu intervenieren, und die
Koreaner sahen sich gezwungen, eine zeitweise Versöhnung mit den „Verteidigern
Ostasiens‘“ anzustreben. 1904 wurde eine koreanisch-japanische
Allianz geschlossen, und Korea wurde Japans Basis für militärische Operationen.
Die koreanische Nation war Japan eine wirksame Hilfe sowohl an
Material wie an Menschen.
Bei Eröffnung des russisch-japanischen Krieges erklärte Japan vor der
ganzen Welt, daß es zur Wahrung der politischen Unabhängigkeit und der
territorialen Unversehrtheit Koreas kämpfe und gab auch Korea in dieser
Hinsicht bestimmte Versicherungen. So erklärt beispielsweise der Artikel III
des koreanisch-japanischen Vertrags vom 23. Februar 1904: „Die kaiserliche
japanische Regierung garantiert ausdrücklich die Unabhängigkeit und
die territoriale Integrität des koreanischen Kaiserreichs.“ Auf Grund dieses
Vertrages wurde Japan die Kontrolle der postalischen und telegraphischen
Verbindungen Koreas übertragen, um ihm dadurch seine militärischen
Operationen zu erleichtern. Kaum hatte jedoch Japan den Krieg gewonnen,
als es den feierlich mit Korea abgeschlossenen Vertrag sowie seine Erklärung
vor der ganzen Welt brach, indem es sich Koreas mit Hilfe der Bajonette
bemächtigte. Von da her rührt der Protektoratsvertrag, der am 17. November
1905 abgeschlossen wurde — trotz der energischen Weigerung
des Kaisers und seiner Minister, trotz Petitionen und Klagen des ganzen
Volkes, trotz Selbstmorden als Zeichen des Protestes, trotz Kämpfen der
ganzen entwaffneten Bevölkerung gegen die japanischen Militärbehörden —,
ein Vertrag, der, wie ich schon sagte, einzig mit Hilfe der Bajonette und
Kanonen der Soldaten Nippons erreicht wurde. Ich werde mich nicht bei
der Beschreibung der schmerzlichen Szenen des Widerstandes und des Zorns
eines 20-Millionen-Volkes, die bei dieser Gelegenheit zum Ausbruch kamen,
eines Volkes, das stolz auf seine Geschichte von 42 Jahrhunderten ist, aufhalten.
Ihr werdet diese Grausamkeit an Hand Eurer eigenen nationalen
Erfahrungen, aus den Euch vom internationalen Banditismus erteilten
Schlägen berechnen können.
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